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Der Israelit · 1875-03-10 · Heft 10 (10.3.1875) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 10 (10.3.1875)
Date
1875-03-10
Page
– (sequence 19)
Language
German
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219 Hieraus erwiderte ich: Herrn I. Stern in Niederstetten. Wenn ich mich entschließe auf Ihre Zuschrift vom 24. zu antworten so geschieht es nur aus dem einfachen Grunde, um Ihnen nicht einmal das Bewußtsein Ihrer eingebildeten Rechtfertigung, die das Schweigen meinerseits bei einem so bescheidenen jungen Manne sicher zur Folge haben würde, zu lassen. , Sie sagen: „Sie versuchen dort mein früheres Leben in einem falschen Lichte darzustellen, während Sie doch sehr gut wissen, daß ich den Ton nicht spielte, < uch mein nicht aussprengte." Hierauf könnte ich einfach erwidern, daß dieses r icht meine Worte waren; Sie werden, wenn Sie deutsch verstehen, ersehen, daß ich das als Eitat aus einem früheren Berichte des „Israelit" nur angeführt mabe; allein ich stehe für dieses citirte Referat freiwillig 'ein, damit es Ihnen nicht schwer falle, einen Casus belli bei Ihrem Anrufen um gerichtliche Hilfe zu finden. Sie sagen also: „während Sie doch sehr gut wissen, daß ich den vcn nicht spielte". Woher wissen Sie denn meine Gedanken so bestimmt? Ist denn etwas von dem früher geträumten kabbalistischen Geiste mit Ihnen hinüber nach Stuttgart und Jerusalem gezogen? Wohl stehe ich Ihnen zu, daß ich in meiner Güte früher zwar glaubte, daß Sie sich zu weit verstiegen, es jedoch mit dem nvrDn ernstlich meinten; allein schon damals erhoben sich gewichtige Stimmen gegen Ihr Gebühren, welche die ganze Geschichte als Lug und Trug betrachteten; insbesondere, da Sie schon damals Ihre Eltern sehr schlecht behandelten. Ich frage Sie nun, muß ich nicht glauben, daß jene Männer das Richtige getroffen hatten und ich im Jrrthum war? Wenn Sie auch, zugegegeben, damals wirklich als t-on sich führten, so sind bestimmte Anzeichen vorhanden, daß Sie aus profanen Zwecken dies unternahmen, weil Sie in Ihrer Verblendung glaubten, mit ri’rj/o map Alles durchsetzen zu können. Ist denn dieses nicht noch ärger als Verstellung? Nun komme ich zu meinen eigenen Worten: „Dieser Ex-^'v^ scheint mm die versäumten Genüsse mit doppelten Zügen einschlürfen zu wollen, unbekümmert um jede religiöse Satzung und läßt es sich angelegen sein, auch Andere zu solchen Ausschweifungen zu veranlassen." Was haben Sie gegen diese Behauptung einzuwenden? Glauben Sie, daß ich Ihre Lebensweise in Stuttgart und Niederstetten nicht genau kenne? Glauben Sie, daß ich nicht Beweise in Händen habe, daß Sie D'3in rx Nirn sind, sowohl durch Wort als durch That? Glauben Sie, daß ich leichtsinnig eine Anklage mit Namens-Unterschrift der Oeffentlichkeit übergebe? Ich stehe vielmehr für alles von mir Gesagte ein nd es soll mich freuen, provocirt zu werden, die ganze Wahrheit der Oeffentlichkeit übergeben zu müssen. Ich habe Kenntniß von einem Gedicht, von mehreren Briefen und Handlungen, die weder für Sie noch für die neologische Richtung, der Sie angehören, schmeichelhaft sind^). Ich sage Ihnen daher ganz bestimmt, daß ich kein Wort von dem Gesagten zurücknehme und nur die Gelegenheit herbei wünsche, noch mehr sagen zu können. Ihr Egoismus, der schon in Ihrer chassidäischen Periode so sehr hervortrat, hat Sie auch in Ihrer Metamorphose nicht verlassen, die'es zeigt Ihr Brief nach Form und Inhalt nur zu deutlich und wenn Sie Ihren Fleiß dadurch Nachweisen wollen, weil Sie in 6 Jahren die theolog. wiffenschaftl. Laufbahn absolviren konnten, so muß ich geradezu sagen, daß Ihr Brief Ihrer sittl. und theolog. Ehre nicht zu nahe getreten, mir keine so große Meinung von Ihrer Befähigung beibringen konnte. Ich werde solchen vorläufig zu den andern Papieren, die Sie betreffen, legen, vielleicht eignet er sich einmal zur Veröffentlichung. Es wird Ihnen für diesen Fall nicht schwer fallen, sich dessen Inhalts zu entsinnen, da Sie mir allem Anschein nach blos das Concept geschickt haben und wahrscheinlich das Original noch besitzen. Um aber mit a-v azn zu schließen, möchte ich Ihnen rathen, sich nicht durch o’inn rw troru den Weg zum Rückzuge abzuschneiden, denn solche excentrische Naturen haben verschiedenartige Anwandlungen. Nach Ihrem eignen Dafürhalten spielten Sie ja den a Ori nicht u. ich glaube fest, daß Sie auch jetzt den jw.d nicht spielten. Es bleibt also die Mögligkeit vorhanden, daß später, wenn einmal Ihre Verblendung ausgehört haben wird, Sie vielleicht auf die goldene Straße der Mitte zurücklenken, welche Sie bis jetzt nicht gefunden haben. Für diesen Fall reiche ich Ihnen gerne wieder die brüderliche Hand. E. R. Rosenbaum. Dieses unsere damalige Corrcspondenz. Eins muß man Herrn Stern lassen, die jüdischen Verhältnisse Württembergs kannte er genau, er wußte schon 186 , daß weder yr?? noch is'2 an die Autorität des Talmud und "py '>-.-2? ihm irgend ein Hinderniß zur Uebernahme eines württembergischen Rabbinats bilden können, noch mehr, er stellte sich schriftstellerisch als mna “*va öffentlich heraus und wußte, daß auch dieses seine rabbinerische Laufbahn nicht beeinträchtige. Schöne Zustände dieses; es wäre denn doch einmal Zeit, daß auch den Juden Württembergs die Augen aufgingen. Unter solchen traurigen Umständen gibt es freilich 4) Anm. Ich will auch jetzt noch mit Veröffentlichung mrückhalten, weil ich noch nicbt provocirt und ungern Jemanden öffentlich angreife, wenn es die Religion nicht gebieterisch verlangt.

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