Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1875)
- Date
- 1875-03-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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212 sich zurechtzulegen sucht und Gott zwar als höchstes Wesen anerkennt, aber die Aufgabe des Menschen nicht darin gipfeln läßt, sich ganz dieser GotteSidee hinzugeben, sie ganz und voll zu erfassen, so daß ein bestimmtes, klares Verhältniß zwischen Gott und Mensch stattfindet, daß eine bestimmte, klare Aufgabe ihm gestellt, nach bestimmten, klaren Gesetzen sein Leben sich regeln muß, daß er bestimmt und klar weiß, wo und nach welcher Richtung die Vervollkommnung anzustreben ist: dann ist diese Anschauung von Gott ebenso vage und unklar und darum auch ebenso unwahr, oder doch sehr getrübt. Aber das Judenthum will Klarheit und Wahrheit, rein und ungetrübt und darum kann es sich nicht mit bloßen Phrasen genügen lassen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen- Deutfchland. NE Mainz, 8. März. Wir haben heute dem Herrn Samuel Münz inPesth wiederum 600 Reichsmark zum Besten der Abgebrannten in Gorlice (Galizien) übersandt. Es wird diese Summe den dortigen nothleidenden Glaubensgenossen zum herannahenden Peßach-Feste gut zu Statten kommen. Dem evangelischen Lehrer, Herrn Späth in Zorn (Nassau) haben wir zum Besten der von ihm protegirten Familie Strauß 100 fl. übersandt. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Aus Lemberg erhalten wir auf telegraphischem Wege die erschütternde Nachricht von dem Hinscheiden des weltberühmten dortigen Rabbinen, Herrn Joseph Schaut Natyansohn ]>"i — Wahrlich, ein schmerzlicher, unersetzlicher Verlust! Der Heimgegangene war eine leuchtende Sonne am Himmel der talmudischen Wissenschaft! Erst vor wenigen Tagen hatten wir einen Brief an ihn gerichtet und als Antwort erhalten wir ein Telegramm, das den unerwarteten Tod des großen Mannes meldet! Wir werden nächstens ausführlich über das Leben und Wirken des Mannes berichten, der seit seiner frühen Jugend eine der berühmtesten talmudischen Größen gewesen. n"3"B"ra Holland. Lehden. Unter den bei Gelegenheit der Feier des 300 jährigen Bestehens der Universität Leyden zu Vootor honoris causa ernannten Gelehrten befinden sich die Glaubensgenossen Professor Goudsmit in Leyden und Professor Traube in Berlin. Frankreich. Poris. Nach dem Bericht der „All. Jsr." (II. Semester 1874) hatte die Gesellschaft in diesem Zeiträume eine Einnahme 68,945 Fr. und eine Ausgabe von 74,091 Fr. Nach der Bilanz vom 31. December besitzt sie ein Gesellschaftskapital von 77,420 Fr. Dasselbe hat gegen das I. Semester um 5146 Fr. abgenommen. A m e r i k a. New-Uork. Ein unternehmender Rabbiner, welcher Hallen einzurichten und während der Feiertage Gemeinden zu bilden pflegte, hat das Geschäft so blühend gefunden, daß er beschloß, jeden Samstag regelmäßigen Gottesdienst zu halten. Er errichtete zu diesem Zwecke eine neue Halle in dem oberen Theile der Stadt und zeigte in den deutschen Zeitungen an, daß ihre Einweihung künftigen Freitag stattfinden werde, und versprach eine Predigt von Sr. Ehrwürden S. M. JsaacS und von ihm selbst. Herr S. M. JsaacS erschien nicht, aber auch die Zuhörer strömten nicht zu, obschon Jeder einen bequemen Sitz gehabt hatte. In dieser Klemme engagirte der erfinderische Rabbiner eine Musikbande, als wenn er täglich Serenaden vor den Bier-Salons geben wollte, und ließ ihre besten Stücke vor der Thüre der projectirten Synagoge spielen. Ich versuchte vergebens, den Erfolg des Unternehmens zu erfahren. (Jew. Mess.)