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Der Israelit · 1875-03-10 · Heft 10 (10.3.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 10 (10.3.1875)
Date
1875-03-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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207 slorbene Wittwe, die keine Kinder zurückließ, hat einen Theil ihres Vermögens wohlthätigen Zwecken vermacht. 50,000 fl. testirte sie zum Bau eines jüdischen Tempels und am Tage des Begräbnisses wurde jedem Armen 3 bis 5 Gulden gegeben. (Pesth. jüd. Zeit.) Frankreich. Paris. Herr S. Beaucaire sr. hat für sich und seine Familie 30,000 Fr. für den Fond zur Erbauung eines Tempels für den portugiesischen Ritus gezeichnet. (Un. Jsr.) Paris. (Monatsbericht der „All. Jsr.Un.".) (Die Israeliten von Marrocco.) Die Lage der Israeliten dieses Landes ist noch immer eine sehr precäre; man hat dem C.-Comito von neuen Gewaltthätigkeiten gegen dieselben berichtet: Ein JSraelit aus Alcazar, Namens Mesiud Sebag, Korallenhändler, war von einigen Arabern aus Muarha (2^ Stunden von Larache), wohin er sich allwöchentlich zu begeben pflegte, aufgefordert worden, sobald als möglich mit'seinen Maaren zu ihnen zu kommen, wo er dieselben vortheilhaft verkaufen könnte; sie hatten ihn hierbei noch daran erinnert , daß er seine Hochzeit in ihrem Zcltdorfe gefeiert hat. Der unglückliche Messud begab sich nach Muarha und wurde daselbst ge« tobtet und vollständig ausgeplündert; seinen Leichnam konnte man trotz aller Bemühungen nicht finden. Auf die Klage der Wittwe ließ der Gouverneur von Larache' die Mörder vor sich kommen, entließ sie jedoch wieder, nachdem sie ihm eine Summe von 500 Fr. gezahlt haUen, die er für sich selbst behielt, und als die Wittwe sich von Neuem bei ihm beklagte, wurde sie von den Soldaten fortgejagt. Der englische Consul, H. Pepe Jmosst, hat zwar seinen Dolmetscher beauftragt, bei dem Gouverneur von Larache einen gerechteren Ausgleich für die Wittwe zu erwirken, allein bis jetzt ist auch dieser Versuch ohne jeden Erfolg geblieben. Auch ein anderer Israelit von dort ist verschwunden, worüber jedoch die Details noch fehlen. Das C. - Comite beschließt, eine Reihe von Maßregeln zu ergreifen, um die Bestrafung der Schuldigen und einen größeren Schutz für das Leben der Israeliten zu' fordern. Das Comitö von Tunis macht weitere Mittheilungen in Angelegenheit der beiden jungen Mädchen von Elmeckenine, die unter dem Vorwand, daß sie sich zum Islam bekehrt hätten, ihren Eltern geraubt worden sind. Eine Commission war beauftragt worden, zu untersuchen, unter welchen Umständen der angebliche Uebertritt stattgefunden und ob derselbe ein aufrichtiger fei. Aber diese unglücklichen Kinder, die in einem maurischen Hause, wo sich das Grab eines Heiligen befindet, eingeschlossen waren und nur Muselmänner um sich sahen, antworteten, wahrscheinlich in Folge der auf sie geübten mächtigen Einschüchterungen, auf alle an sie gerichteten Fragen stets nur die eine, offenbar ihnen beigebrachte Redensart: „Ja, wir sind durch Gottes Gnade muselmännisch geworden und wir wollen nicht einmal den Schatten eines Israeliten sehen." Das Local-Comite, das wohl eine solche Antwort erwartet hatte , war der Ansicht, daß dieselbe nur für die ältere der beiden Schwestern, Lellahom, gesetzliche Giltigkeit haben könne, und nicht für die jüngere, Ghezala, die noch nicht 13 Jahre alt ist, erfuhr aber vom Premier-Minister, der dem Vice- Präsidenten des Comitö'S, H. L. Elmilik, schon mehrere Audienzen in dieser Sache gewährt hatte, daß nach den Landesgesetzen die Majorennitäts- Erklärung sich je nach der körperlichen Beschaffenheit des Betreffenden richte und daher in Afrika auch schon vor dem 13. Lebensjahr erfolgen könne; der Minister hielt es jedoch für möglich, daß Ghezala ihren Eltern zurückgegeben werde, wenn ein muselmännischer Geistlicher die Bekehrung derselben mit Rücksicht auf ihre große Jugend oder aus einem anderen Grunde für nichtig erklären sollte. Einstweilen haben die beiden Mädchen den Aufenthaltsort , wo sie ihren Urtheilsspruch erwarteten, wieder verlassen und werden öffentlich als muselmännisch betrachtet. Das Comitö von Tunis setzt seine Bemühungen fort, um die Rückgabe der Mädchen an ihre Eltern zu erwirken, und das C.-Comite wir dasselbe hierin zu unterstützen suchen. Amerika. Philadelphia. Ein seltener Fall kindlicher Undankbarkeit wird in dem Bericht der jüdischen Hospital-Gesellschaft in Philadelphia erzählt: Ein schätzbarer Bewohner unserer Stadt, schon sehr alt, und seine gleichfalls betagte Frau, welche unfähig zur Arbeit waren, keine Mittel zu ihrer Ernährung hatten und von ihren Kindern, denen es gut geht, verlassen worden, verlangten Aufnahme in das Hospital. Der Vorstand konnte nicht gleich einwilligen und ließ sie mehrere Monate warten. Es wurde den Kindern hievon Mittheilung gemacht. Inzwischen wurde in Erfahrung gebracht, daß, wenn diese ehrwürdigen Leute nicht in das Spital zugelassen werden, sie in das öffentliche Armenhaus gehen müßten. Als dieses bekannt wurde, nahm

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