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Der Israelit · 1875-03-10 · Heft 10 (10.3.1875) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 10 (10.3.1875)
Date
1875-03-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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206 Oesterr. - Ungarische Monarchie. Wien. (Zweite israelitische Leopoldstädter Volksküche.) Gestern fand die constituirende Generalversammlung im großen Saale der Handels- Akademie statt. Die Vorsteher der „frommen Bruderschaft" (Chewra Kadischa) in Verbindung mit den Damen Julie Schlesinger, Fanny Güdemann und Minna Gomperz riefen diesen Verein ins Leben. Herr Dr. Ignaz v. Hofmannsthal begrüßte die zahlreiche Versammlung, die größtentheils aus Damen bestand. Hierauf verlas Herr Gustav Simon den Rechenschaftsbericht. Demselben entnehmen wir, daß diese Volksküche nach jüdischem Ritus, die jedoch Jedem zugänglich ist, am 6. Oktober 1874 eröffnet wurde. Bis' Ende December wurden 18,889 ganze und 72,540 halbe Portionen und 36,114 Brode verabreicht. Durch Sammlungen rc. erhielt der Verein in runder Summe 9000 st. Die gezeichneten Jahresbeiträge wiesen 1525 st. aus. Selbstverständlich folgt der Appell, neue Mitglieder dem Vereine zuzuführen. Frau Julie Schlesinger dankte mit warmen Worten den Ehrendamen und Herr Dr. Kompert dem provisorischen Vorstand für dessen Wirksamkeit. Wir zweifeln nicht daran, daß oiefe Institution, die keiner besonderen Empfehlung bedarf — denn wie könnte man wohlthätiger wirken, als wenn man Hungrige speist — gedeihen werde. AuS ttttgftftts im Adar Rifchon. Schon feit Jahren ist die Noihwendigkeit einer Reorganisation der Jeschiboth in Ungarn jedem denkenden, für das Judenthum noch Sinn habenden Juden vor Augen getreten. Wir erinnern nur an die Rabbinerversammlung, welche vor einigen Jahren in Pesth stattfand, in welcher diese Frage eifrig ventilirt wurde. Durch den Drang der damaligen Ereignisse, denn unmittelbar nach dieser Versammlung tagte der Congreß, und die aus diesem entstandenen Wirren konnte damals eine so wichtige Angelegenheit von weitgehendster Bedeutung nicht weiter entwickelt werden, und seitdem fand sich keine Stimme mehr, welche dem Stiefkinde der orthodoxen Juden, den Jeschiboth — denn daß sie stiefmütterlich behandelt werden, wird Niemand leugnen wollen — das Wort redete. Es gibt eben sehr viel, leider zuviel friedliebende, oder, um das Kind beim wahren Namen zu nennen: indifferente Leute selbst unter den orthodoxen Juden in Ungarn, und da man nicht gerne sich nach einer gewissen Seite hin mißliebig macht, zieht man das Schweigen vor. Es mag dieser Standpunkt praktisch genommen sehr gut sein, förderlich der heiligen Sache des Judenthums ist er nicht. Oder sollen wir zufehen, wie unsere Gegner Tag für Tag an Terrain gewinnen, und unsere Hände mit fatalistischer Resignation in den Schooß legen und sagen: D-on jo raip n« rto cu^nr? Nein, jeder Jude der für seinen Glauben noch erglüht ist, muß sich gestehen, daß jetzt keine nitpn^ ny, sondern eine nwy1? ny ist, sonst könnte der Nachsatz: >"n nsn die traurige Folge eines solchen Vorgehens sein. Wir haben daher mit freudiger Genugthuung den vor einigen Wochen im "Israelit" erschienenen Artikel gelesen, in welchem diese Frage wieder angeregt wird, so traurig auch die darin geschilderten Zustände sind, weil sie aber, wir müssen es leider gestehen, der Wahrheit entsprechen, und ein Vertuschen der heiligen Sache nur schädlich sein kann, so freuten wir uns, die Angelegenheit in der Oeffentlichkeit besprochen zu sehen. Es scheint aber, daß der Verfasser, dem es kein Geheimniß sein kann, daß er einen wunden Fleck berührt hat, eiligst den Rückzug angetreten habe. So nur läßt sich erklären, warum er den angekündigten weiteren Artikel , in welchem er verspricht, konkrete Vorschläge in dieser Angelegenheit zu machen, nicht erscheinen läßt. Das scheint uns aber nicht der rechte Weg; denn es handelt sich um eine wichtige, ja um eine Lebensfrage des orthodoxen Judenthums in Ungarn und nur vorurtheilsfreie Darlegung der Schäden kann hier Heilung bringen. Daher möchten wir den geehrten Verfasser jenes Artikers ersuchen: er möge um der heiligen Sache willen, die er vertritt, nicht zurückschrecken, das einmal Begonnene auch zu Ende zu führen! Er kann versichert sein, viele Gleichgesinnte in Ungarn zu finden. Vielleicht gelingt es doch, die Aufmerksamkeit maßgebender Kreise darauf zu lenken, und vielleicht geschieht denn doch etwas Ernstes in dieser so hochwichtigen Angelegenheit. Bei der großen Bedeutung und Verbreitung des „Israelit" kann es gar nicht anders fein, wir hoffen und wünschen es zum Heile des Judenthums! Und es wäre nicht eine der geringsten Wohlthaten, die diese Blätter dem Judenthume geleistet haben, wenn von hier aus der Impuls in dieser Angelegenheit ausginge. Oldenburg. Montag, den 15. Februar, starb die im ganzen Comitate als sehr wohlhabende Gutsbesitzerin bekannte Wittwe, Frau Caroline Rosenfeld, geborene Eitlitz, eines plötzlichen Todes. Vor drei Jahren ist ihr Mann auf einer Vergnügungsreise bei einem Zusammenstöße von zwei Eisenbahnzügen in der Nähe von Aschaffenburg um sein Leben gekommen und wir haben schon damals von den vielen Spenden bei dessen Leichenbegängnisse Mittheitung gemacht. Seine nunmehr der-

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