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Der Israelit · 1875-03-10 · Heft 10 (10.3.1875) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 10 (10.3.1875)
Date
1875-03-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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204 berg). Dr. Petri. Richter (Sangerhausen). Rüppell. Dr. Roeckerath. Sarrazin. Schütt. Seydel. v. Tempelhoff. Dr. Thilenius. Wißmann. Worzewski. Zaehle. ZeilnngSnachrichten & Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Das neueste Ereigniß, daS ich Ihnen von hier zu berichten habe, ist, daß eine der sog. frommen Gemeinden in der Auflösung begriffen ist und eine andere strengfromme sich gebildet hat. Die Schochare-Hatow-Gemeinde nämlich hat mit der Wahl ihres Predigers Dr. Naschär einen argen Mißbegriff begangen, da derselbe weiter nichts als ein schöner Phrasenheld ist, dem man wohl einigemal zuhört, aber seiner bald überdrüssig wird, wie der schönen aber geruchlosen Blumen. Als Rabbiner einer fromm sein wollenden Gemeinde war er jedenfalls ein recht unpassender Repräsentant. Noch schlimmer war diese Gemeinde bei der Wahl ihres pn berathen, da derselbe von den dazu unerläßlichen Bedingungen nichts weiter als die Stimme hat, bekanntlich nach jüdischen Grundsätzen die am geringsten in's Gewicht fallende Eigenschaft. Und so mußte es schließlich kommen, daß sich die Mitglieder der Schochare-Hatow sagten: Wozu die großen Opfer bringen, die eine Separatgemeinde erfordert, wenn unsere Beamten theils kaum besser, theils nicht so gut sind, als die der Hauptgemeinde? — Für Institutionen, wie sie eine fromme Gemeinde nöthig hat, ist von der Schochare- Hatow nie gesorgt worden, wenn schon dieselben zu manchen Zeiten dahier sehr im Argen lagen. So hat die Schochare-Hatow als fromme Gemeinde sich nur formell bewährt und hat sich während der Zeit ihres Bestehens keiner besonderen Sympathie zu erfreuen gehabt, und mit wenig oder gar keinem Bedauern sieht man ihrer Auflösung entgegen, deren Grund einfach in der ungenügenden Betheiligung um die Kosten für Prediger, Chasan rc. zu decken, zu suchen ist, Bit levis terra! Vergangenen Schabboth cireulirte ein Aufruf zum Beitritt einer neu gebildeten orthodoxen Gemeinde „Kehal Jisroel". Als Grund dieser Neugründung wird die große Ausdehnung der Stadt angegeben, die es der Adaß-Jisroel nicht ermögliche „für die entfernter wohnenden Gesetzestreuen Berlinds in nur annähernd ausreichender Weise zu sorgen." Wir befürchten — so gerne und freudig wir recht viele jüdische Gemeinden hier erstehen sähen —, daß dieses Projekt ein verfrühtes und darum verfehltes sein werde, denn um Separatgemeinden zu bilden, so lange man noch zur Hauptgemeinde beizusteuern gezwungen ist, bedarf es vor Allem bedeutender Opfer, zu denen man sich gewöhnlich nur dann zu entschließen pflegt, wenn man so zu sagen, zu dem letzten Mittel greifen muß, und dieses liegt hier nicht vor, da durch die Adaß-Jisroel genügend für new mpo rc. gesorgt ist. Einer Privatliebhaberei halber eine Gemeinde zu bilden und dadurch vielleicht die allgemeine gute Sache schädigen, das finden wir, zum mindesten gesagt, für höchst unklug, um so mehr, da wir jeden Augenblick die Regelung der jüdischen Verhältnisse erwarten, und von unseren Gegnern solche Vorgänge als Waffe gegen uns gebraucht werden könnten. Jedenfalls war es nicht ganz offen gehandelt, wenn man mit solchem Plane umging, daß man sich nicht mit dem Vorstande der Adäß-Jisroel in Verbindung setzte, um über die Nothwendigkeit einer neu zu bildenden frommen Gemeinde sich zu vergewissern. Die Adaß sah sich auch veranlaßt, um Mißverständnissen vorzubeugen, als ginge diese Neubildung von ihr aus, eine Erklärung öffentlich zu erlassen, daß sie in gar keiner Beziehung mit der Kehal-Jisroöl stehe, daß keine faktische Veranlassung zu einer solchen vorliege und durch eine Zersplitterung der konservativen Kräfte die religiösen Interessen nur geschädigt werden könnten. Wir glauben, daß diese „Gründung" etwas unbedacht unternommen wurde, was heute, nach den vielen trüben Erfahrungen, kaum zu verzeihen ist. — Zum Schluß meines Heutigen will ich Ihnen noch ein Factum berichten, das sicherlich auch nur in Berlin Vorkommen kann. Vor ungefähr 14 Tagen starb dahier ein Mann, Namens Waldeck Dr. med. Tags darauf las ich in den hiesigen Zeitungen mehrere Nachrufe, von der Reform- und der Häuptgemeinde, die beide in dem Verstorbenen ihr verehrtes Vorstandsmitglied betrauern. Wie es möglich ist, daß ein Vorstandsmitglied der Reformgemeinde zugleich im Vorstande der Hauptgemeinde mitzuberathen, dies zu beantworten überlassen wir einem hochlöbl. Vorstande der iSr. Gemeinde Berlins. Kempen (Provinz Posen), Ende Februar. Lange war es mir nicht gegönnt, fröhliche Mittheilungen aus unserer Gemeinde zu berichten, und darum ist es für mich heute eine doppelte Freude, Ihnen von einem seltenen Feste mittheilen zu können, welches im vorigen Monate Hierselbst gefeiert wurde. Am 15. Schewat beging daS Ahron Selig Lewy'fche Ehepaar den goldenen Hochzeitstag, und an ihm konnte man es lernen, wie ein jüdisches Fest in würdiger Weise gefeiert wird.

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