Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1875)
- Date
- 1875-03-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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17» T ü r k e i. Salonichi. Baron Hirsch - hat der hiesigen irr. Schule ein.Gescheut von 10,000 fl. gemacht. tPefth. jüd. Zeit.) | e u i 11 e t o n. Schalua- Sühae. Erzählung aus dunkler Zeit von Äd. v. Zemlinsky. 12. Vom Tode auferstanden. Veit Monaden bereits ruht Judith im Grabe. Die schwere Erde, die auf ihr jetzt liegt im Tode, — sie ist ihr leichter, als ihr Erdenwallen es ihr im Leben war. Nichts hat sich im Hause des Rabbi Mose- Hirsch geändert. Nach wie vor theilten sich Rachel und Esther schwesterlich die Arbeiten im Haushalte — nach wie vor sitzt der Rabbi vor seinen Büchern — und liest — und sinnt — und denkt — und forscht. — Es ist der Vorabend des Neujahrsfestes. Die ganze Gemeinde ist im Bethause versammelt, um das Fest würdig zu empfangen. Man hat eben zu beten begonnen — da öffnete sich abermals die Thüre des Bethauses und herein tritt ein noch junger Mann in bestaubten kothigen Kleidern. Es muß ein Fremder sein, der auf der Reise sich befindet, und den sein frommer Sinn hiehergeführt hat. Schüchtern bleibt er an der Thüre stehen und beginnt zu beten. — Rabbi Mose- Hirsch hatte ihn bemerkt und ließ ihm durch den SchammeS einen Platz anweisen, waS der Fremde auch dankend annahm. Ohne Unterbrechung geht der Gottesdienst zu Ende. Der Rabbi erhebt sich von seinem Sitze — mit ihm die ganze Gemeinde — und eben ist er im Begriffe, das Bethaus zu verlassen, als sich ihm der Fremde mit tiefer, ehrerbietiger Verbeugung nähert. Verzeiht, Herr Rabbi, sagte er mit wohllautender Stimme, wenn ich Euch einige Augenblicke zurückhalte. — Ich möchte Euch bitten, mir über eine Person dieser Gemeinde freundlichst Auskunft zu geben. Wollt Ihr dieß, Herr Rabbi? Ich bin hier fremd, bin auf der Reise, wie Euch schon meine beschmutzten Kleider gesagt haben dürften. — Fragt nur, lieber Herr, entgegnete der Rabbi in freundlichem Tone, wenn ich Euch Auskunft geben kann, gerne will ich er thun. Nun denn, so sagt mir — finde ich die Tochter Gerson Levi'S noch am Leben? Ob Ihr die Tochter Gerson Levi'S noch am Leben findet. — Gar schweres Unglück hat diese Familie getroffen. Der Vater starb vor mehr denn zwei Jahren schon und vor wenigen Monaten ist auch seine ältere Tochter ihm gefolgt in's Jenseits und-- — O! nichts weiter will ich wissen — nichtweiter. Ich danke Euch, Herr Rabbi, für Eure Mittheilung, trotzdem sie mich schmerzt — o! so sehr — so schrecklich schmerzt. — Umsonst ist jede Hoffnung — sie ist tobt! Noch weiß ich nicht, weßhalb Ihr nach Gerson Levi'S Tochter forscht — und wollt Ihr Euer Geheimniß bewahren, so thut es immerhin -- ich will eS Euch nicht entreißen. — Doch vorhin ließet Ihr mich nicht auSfprechen — und hättet Ihr eS gethan, wer weiß, vielleicht wäre Euch dieser Schmerz erspart geblieben. O! sprecht, was habt Ihr noch zu sagen! Gerson Levi hatte zwei Töchter. Die ältere, Judith — sie starb, die jüngere, Rachel, sie lebt, wenn man ein Leben so nennen darf, — das sich sterben sieht. Rachel lebt!? Herr Rabbi, sagt eS noch einmal — damit meine Ohren diese süße Musik noch einmal hören können — Rachel, sagtet Ihr nicht — Rachel lebt!? Ja wohl, sie lebt, lebt in Gesellschaft meiner Tochter in meinem Hause. — Doch Ihr, Herr, sagt an, wer seid Ihr? Wer ich bin, Herr Rabbi, ich bin ein Todter! — Ein Todter, den man jetzt — Rafael Ledron nennt. Ledron! rief der Rabbi erstaunt, stehen die Todten aus ihren Gräbern auf — seid Ihr der Graf von Ledron?! Der Graf von Ledron gewesen, Herr Rabbi, doch jetzt bin ich schlicht und einfach — Rafael Ledron — da man den Grafen zu seinen Ahnen in die finstere unheimliche Gruft gebettet hat. Erkläret mir- Ich will eS Euch erzählen — doch saget mir vorher — darf ich Rachel noch heute sehen? Ja wohl, das sollt Ihr — ich selbst will Eure Hand mit der ihrigen vereinigen — doch halt, Ihr seid-