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Der Israelit · 1875-03-03 · Heft 9 (3.3.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 9 (3.3.1875)
Date
1875-03-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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177 nung eines Israeliten zu einem bürgerlichen Amte oder zu einem militärischen Grade unterzeichnet. Eine im Cabinet anwesende hohe Persönlichkeit habe hierauf gesagt: Ew. Majestät wissen ohne Zweifel nicht, daß dieser ein Jude ist, worauf der Kaiser erwiedert habe: Ach , diese Teufelskerle tragen jetzt wie die übrige Welt Namen, man erkennt sich hierin nicht mehr, man weiß nicht mehr, mit wem man es zu thun hat; man muß darauf halten, daß sie ihre alten, jüdischen Namen wieder annehmen und behalten. (Es wäre uns, unsrer Glaubensgenossen in Frankreich halber, lieb, wenn diese übelerfundene Anecdote, die so sehr den Anschauungen und der Ausdrucksweise des Kaisers widerspricht, von berufener Seite dementirt werden würde. Red.) Oesterr. - Ungar. M o u a r ch i e. Wien. Die feierliche Eröffnung der ersten Wiener Suppen- und Thee-An statt hat am 4. d. um 6 Uhr Abends staitgefunden. Dem feierlichen Akte wohnten der Statthalter, der Protektor dieses wohlthätigen Institutes Polizei-Präsident Marks, der Handelskammer-Präsident, mehrere Gemeinderäthe, mehrere Vorsteher der israel. Cultusgemeinde, die Prediger Dr. Jellinek und Dr. Giedemann, Oberkantor Sulzer u. s. w. bei. Der Ehrenpräsident des Gründungscomitö's Reichsraths-Abgeordneter Dr. Oswald Hönigsmann hielt die Eröffnungsrede. In derselben betonte er vor allem den Wohlthätigkeitssinn der Wiener. Durch die Errichtung der Volksküchen wurde wohl den Armen viel geholfen, aber die Volksküchen sind nur in der Mittagsstunde geöffnet, während mit der Eröffnung dieser Anstalt den Armen ein billiges Morgen- und Abendessen geschaffen wurde. Herr Dr. Hönigsmann legt in seiner weiteren Rede den Zweck dieser Anstalt als eine Verbesserung der sozialen Lage der armen Bevölkerung aus, schrieb ihr auch eine moralische Bedeutung zu, indem der Arbeiter anstatt um 3 Kreuzer Schnaps zu trinken, besser eine Suppe genießen wird. Mit einem Hoch auf den allerhöchsten Führer und Beschützer alles Guten, auf Se. Majestät den Kaiser, schloß Hr. Dr. Hönigsmann seine Rede. Hierauf wurde das Lokal besichtigt und die hohen Herrschaften haben die Suppe wie auch den Thee gekostet und sich über die Schmackhaftigkeit derselben sehr befriedigend ausgesprochen. Nachdem die Ehrengäste die Lokalitäten verlassen haben, wurden 470 arme Leute mit Suppe und Thee unentgeltlich betheilt. Das Lokal besteht aus 2 großen Zimmern, eS find Sitzplätze für 120 Personen angebracht. Die Suppe von Erbsen, Linsen und Bohnen bereitet, kostet per Seidel 3 Kreuzer, eine Portion Thee mit Milch oder Rum fammt Zucker 4 Kreuzer. Die Brodportionen zu 2 Kreuzer sind sehr groß, und der Arme hat wirklich auBrod sammtSuppe, was nur 5 Kreuzer zusammen kostet, genug, um seinen Hunger zu stillen. Die Anstalt, welche am 4. d. M. eröffnet wurde, wird täglich von 5 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends geöffnet sein. Gleich am zweiten Tage war der Andrang sehr groß. Hauptsächlich haben »pir hier zu bemerken, daß die Suppe iVI zubereitet wird, indem die Küche unter Aufsicht des Mitgründers, Herrn Steinherz steht. (W. Jsr.) Aus Böhme». Wieder haben wir in Oesterreich ein Stück Gleichberechtigung zu regiftriren. Am 2. Februar c. hat das österr. Parlament einstimmig den anzuerkennenden Beschluß gefaßt: ES wird der k. k. Regierung zur Berücksichtigung anempfohlen, den nothleidenden Rabbinern eine Staats- Subvention verabfolgen zu lassen! Dieser von uns Allen längst schon erwartete und nun freudig begrüßte Beschluß, ist nicht auf Anregung der jüd. Landesrepräsentanz aus Böhmen hervörgegangen; ebenso wenig haben die Herren Kreisrabbiner dies anzustreben gesucht, für die nothleidenden College» im Kreise, noch die jüdischen Herren Abgeordnete im Parlamente, sondern, wie dies aus dem stenographischen Berichte zu ersehen, ist aus einer gut motivirten Petition, die das Tachaaer Rabbinat an das Hohe Haus gerichtet hat, dieser Beschluß erfolgt. Nun dürfte es wohl Wenigen bekannt sein, wie lange und eifrig der Rabbiner zu Tachau für diesen Äct der Gleichberechtigung mit Aufopferung gearbeitet hat. Schreiber dieses kennt genau die von diesem Manne unternommene Schritte und halt es für notwendig, dieselben zu veröffentlichen. Schon vor Jahren hat Herr Rabbiner Schidloff zu Tachau sich bittend an die jüd. LandeSrepräsentanz für Böhmen gewendet, damit selbe die Jnitiative hiezu ergreife. Doch als dieses unterblieb, versuchte er selbst Hand anzulegen. Zu diesem Behufe begab er sich im Juli 1873, zur Zeit als der Herr Minister des Innern in Marienbad weilte, zu demselben. Er schilderte in ergreifenden Worten die traurige Lage der Landrabbinen; er wies hin auf ihre'Thätigkeit, ihre ruhige, treue gewissenhafte Pflichterfüllung, sowohl dem Staate als auch der Gemeinde gegenüber. Nur eben haben es die Verhältnisse in Oesterreich dahin gebracht, daß sie ergraut im Amte hilflos dastehen. Die Gemeinden sind faktisch zu schwach, indem, durch die Freizügigkeit, die früheren größeren Gemein-

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