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Der Israelit · 1875-03-03 · Heft 9 (3.3.1875) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 9 (3.3.1875)
Date
1875-03-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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' 176 lichen Schulen und auf allen Kanzeln täglich verkündet werden müßten! Wenn wir auch nicht mit allen Ausführungen des Herm v. Hartmann einverstanden sind, so können wir doch nicht umhin, seiner großen Unparteilichkeit und seiner wahren Humanität unsere vollste Anerkennung zu zollen und ihn in die Reihe jener erleuchteten Geister aufzunehmen, die dem Judenthume haben Gerechtigkeit widerfahren lassen. Zeitirirgsnachrichtett & Correfponderrzen. Deutschland. Mainz, 24. Febr. Die in Nr. i und 2 gebrachten Notizen, betreffs der Vermählung einer Tochter des Herrn Dr. Grünebaum in Landau mit einem Nichtjuden bedürfen der Berichtigung. Die Heirath fand in Amerika statt und kann demnach nicht von dem erwähnten Herrn Rabbiner vollzogen worden sein, zu welcher Annahme der Wortlaut in Nr. 2 dieser Blätter irrtümlich Anlaß gegeben. Nürnberg. Wenn man auch aus allen Gauen Deutschlands, ja der ganzen Erde hie und da Nachrichten über die jüdischen Verhältnisse in diesen geschätzten Blättern, zu lesen Gelegenheit hat, so wird man doch schon seit geraumer Zeit vergeblich nach einer Notiz aus hiesiger Gemeinde gespäht haben; man Müßte denn die Nachricht auS München, die Reformdeputation betr. als Nürnberger Neuigkeit angesehen haben. Wir legen darauf so wenig Gewicht, daß wir sie weiter gar nicht berühren wollen, denn Reform haben wir ja ohnehin hier genug. Unsere Kinder werden in den Bund Israels ausgenommen, unsere Gebete deutsch verrichtet, die Thora nach kleineren Portionen vorgelesen, die Leichen — noch nicht verbrannt — aber eingesegnet, also Reform in Menge und sogar, was mehr als Alles zu bewundern ist, für mehrere Glaubensgenossen dahier zu viel! Wenn auch die Zahl 60,' in Bezug auf die Mitglieder des S.eparatgottesdienstes momentan etwas zu hoch gegriffen war, so muß doch zugestanden werden, daß bei diesem Gottesdienste wenigstens am Samstage fast gegen 60 Personen anwesend sind. Die Gebete werden nach altem Ritus verrichtet, die Thora nach den herkömmlichen Eintheilungen vorgelesen, so daß jeder Jehudi mit vollkommener Beruhigung diesen Betsaal betreten kann. Man kann sich vorstellen, daß eine solche Einrichtung mit Mühe und Kosten verbunden ist, aber, Dank der Anstrengung und Ausdauer der Vorstände des Vereins, welcher den Namen „Adath Israel" führt, ist die Sache so weit gediehen, daß bereits Statuten entworfen und regelmäßige Beiträge erhoben werden, um die laufenden Ausgaben zu decken. Eine eingehende Besprechung des Vereins sei uns heute noch erlassen, da derselbe noch im Entstehen und in der Entwickelung begriffen ist. Die Zahl der Mitglieder beläuft sich bis jetzt über 30 n:n' p! Was nicht unberührt bleiben darf, ist, daß seit einigen Monaten auch Gelegenheit geboten wird, die Kinder in echtjüdischer Religion unterrichten zu lassen, indem der hier weilende Lehrer Ansbacher, zugleich Vorbeter des Vereins, nach streng religiösen Grundsätzen lebtund in diesem Sinne lehrt.' Die Schüler desselben sollen zum Theil ganz überrascht, gewesen sein, als ihnen das Bedecken des Hauptes angeordnet ward, was vielleicht manche Eltern dahier fürchten läßt, ihre Jugend könnte verführt werden und vielleicht später andern Sinnes werden als die meisten der heutigen Generation, denen die nie dagewesenen nun by des Stadttheatersängers gar nicht aus dem Sinn kommen wollen.'") Möge die junge Gemeinde das Glück haben, sich fest zu constitviren, und ohne Zweifel werden die hiesigen jüdischen Verhältnisse vieles von dem traurigen Bilde verlieren, welches die Stadt Nürnberg bis jetzt in Bezug auf das Judenthum geboten hat. Berkin. Die Petitions-Commisston des Abgeordnetenhauses hat beschlossen, einen Antrag vorznlegen, der dahin geht, eine Reihe von Petitionen, betreffend den Austritt der Juden aus den Religionsgemeinden, der k. Staalsregierung mit der Aufforderung zu überreichen, dem Landtage noch im Laufe der gegenwärtigen Session eine Vorlage zu machen, durch welche den Juden «t fttten Theilen der Monarchie der Austritt auS einer Religionsgemeinde aus confesstonellen Bedenken und ohne gleichzeitigen Austritt aus dem Judenthum ermöglicht wird und die in einzelnen LandeStheilen etwa entgegenstehenden gesetzlichen Bestimmungen aufgehoben werden. Berlin. „Univ. Jsr." bringt folgende von! angeblich respektabler Quelle stammenden Anekdote, von der wir mit Bestimmtheit uns berechtigt halten, zu glauben, daß sie nur erfunden ist. Kaiser Wilhelm, heißt es daselbst, habe jüngst die Ernen- *) Anm. des Correctors: Für Nicht-Nürnberg« unverständlich.

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