Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1875)
- Date
- 1875-02-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVI Jahrgang. Erste Geilage M tlr. 8 des Israelit. Zeitungsnachrichten & ^pvvcipottben^exu Deutschland. Mailt-, 18. Februar. Wir haben in voriger Nummer das Hinscheiden des Seminar-Directors Dr. I. Frankel mitgetheilt; es mögen hier noch einige Notizen über den Verstorbenen folgen. Derselbe war am 1. Oktober 1801 in Prag geboren. Den talmudischen Studien lag er in seiner Vaterstadt und in Preßburg ob; die Universität besuchte er in Pefth. Im Jahre 1832 wurde er Krejsrabbiner zu Teplitz (Kreis Leitmeritz), wo er einen modernen Tempel-Gottes-Dienst einführte. Im Jahre 1836 wurde er nach Dresden als Oberrabbiner berufen. Hier trug er sehr viel zur Beförderung der Emaucipativn der Juden bei, denn in Sachsen waren damals noch die wenigen, dort geduldeten Juden die Paria's der bürgerlichen GesellMtft, Wanket ßetzLrte nicht zu den Reformern; die sogenaMlte.R^chvinerversammlung verließ er, als er ihre chestruetive Tendenz erkannte. Er war vielmehr der BegrLndcr der sogenannten conservativen Richtung, die vom Judenthume soviel erhalten will als ihr bequem ist. Am Jahre 1854 gründeten die Testaments- Ereeutoren der verstorbenen Commerzien-Rathes JöuäS FrKnckel ein Rabbinerseminar und beriefen Frantel zum Direktor desselben. Als solcher wuche er der Lehrer zahlreicher Schüler, der BegrWrder der sogenannten Breslauer Schule, die wir hj-r hicht Mer charakterisiren wollen. Ms Wahrter war der Verstorbene sehr bede»tk«d; seinen Ruhm begründeten diejenigen Ächristen, m welchen er die talmudischen Vor- MMeM indeutscher Sprache den nichtjüdischen ugänglich machte. Seine Einleitung fie MWhnah ru®en o-n erregte einen großen rrm> H» er in derselben sich in höchst zweifelhustru -«-drücken über die Göttlichkeit der Tra- Mmr «Msprach oder auch — nicht aussprach. leitung in den Talmud Jeruschalmi ist ^gs Beste, was er geschrieben; fein letzist ein Commentar auf Berachoth und Talmud Jeruschalmi. Wir werden lächstenS ausführlich besprechen. In Bezug auf das religiöse Leben beobachtete Frankel die meisten jüdischen Gesetzesvorschriften gewissenhaft; nur über einige, wie z. B. nxsm rr-)3i nnsn? n*ttno setzte er sich hinaus. Auch das ist charakteristisch! Die Hyperbeln, die seine Anhänger in den Zeitungen sich erlauben, wie „der letzte Talmudist" (Neue freie Presse), „ein zweiter MaimonideS" (Schlesische Presse) wollen wir der Voreingenommenheit dankbarer Schüler zu Gute halten. Osterode, 9. Februar. Der „Attpreußischen Zeitung" wird von hier geschrieben: „Durch die Zeitungen geht die Notiz, daß in dem augenblicklich dem Landtage zur Genehmigung vorliegenden Etat pro 1875 2 Mill. Mark zur Aufbesserung der Gehälter der evangelischen und katholischen Geistlichen festgesetzt sind. Es soll in Zukunft das niedrigste Einkommen eines evangelischen Geistlichen 2400 Mk. und das eines katholischen 1800 Mk. betragen; auch soll ihnen ein Ersatz für den etwaigen Ausfall an Stolgebühren seit Einführung des Civilehegesetzes geboten werden. Noch weiter! Die augenblicklich tagenden Provinzial-Synoden beschäftigen sich sehr eingehend mit dem Wegfall sämmtlicher Stolgebühren, indem solche Gebühren (mit einem Maie) dem Gefühle der Jetztzeit widersprechen. Die Segnungen der Kirche sollen fortan nicht mehr wie die Dienstleistungen eines Notars bezahlt werden. Sehr richtig! Wer soll aber diesen Ausfall decken? Mit Einführung einer Kirchensteuer stößt man auf zu viele Hindernisse, indem man mit Recht einen Massenaustritt aus der Kirche befürchtet, und so soll denn wiederum der Staat in's Mittel treten. Verlangte ja ein Mitglied der Provinzial-Synode in Königsberg vom Staate eine feste von der widerruflichen Bewilligung des Landtages unabhängige Dotation der evangelischen Kirche! Besteht aber der pr. Staat nur aus evangelischen und katholischen Steuerzahlern? Abgesehen von Difsidenten, Baptisten, Mennoniten und anderen christl. Secten leben im Pr. Vaterlande l/i Mill. Juden, die nicht wenig zum Staatssäckel beitragen! Wer sorgt aber für ihre Rabbiner und Religionslehrer? Wer sorgt für ihre Ausbildung, für ihr Alter, für ihre Wittwen und Waisen? Die jüdischen Ge*