Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1875)
- Date
- 1875-02-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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162 meinden allein sind eS, die sich ihren CultuS erhalten; die haben also Staats-, Communal- und Gemeindesteuern aufzubringen und schließlich sollen sie noch dafür sorgen, daß den evangelischen und katholischen Geistlichen ein sorgenfreies Leben bereitet werde, — während der Staat das Judenthum einfach, ignorirt. — Man könnte einwenden, daß der Staat nicht im Stande ist, allen religiösen Minoritäten gerecht zu werden, daß er gegen die katholische Kirche Verpflichtungen habe, und daß die evangelische Kirche Staatsreligion wäre. Darauf ist zu erwidern, daß das Judenthum zwar eine Minorität, jedoch eine sehr geachtete und einflußreiche im Staate bildet, daß seine Bekenner im Gegensatz zu den Anhängern christlicher Serien schon seit alten Seiten in Deutschland ansässig sind. Gegen die Juden hat der Staat größere Verpflichtungen wie gegen Katholiken. Denn was bedeuten die Paar sacularisirten Stifte und Klöster gegen die hohen Steuern, welche der Staat Hunderte von Jahren bis 1848 von den Juden bezog, ohne ihnen die Luft zu gönnen? — Was nun der Begriff Staatsreligion betrifft, so ist dieser ein längst überwundener Standpunkt und spukt höchstens noch in den Köpfen orthodox-protestantischer Geistlichen umher. Wir leben in einem Nechtsstaate, der auf dem Grundsätze „Gleichheit Aller vor dem Gesetze" beruht und in einem solchen Staate kann es keine Staatsreligion geben. Und doch wurde im JahH 1874 der ganz unbedeutend neuen Secte (?) der Altkatholiken, ca. 30,000 Seelen im ganzen Staate zählend, und deren Bischof Reinkens 16,000 Thl. aus Staatsmitteln bewilligt, während für Mill. Juden nicht 1 Pf. ausgegeben wird! — In den H alten pr. Provinzen erhalten die jüd. Gemeinden 4 Anstalten zur Ausbildung von Lehrern und ebensoviel zur Ausbildung von Rabbinern, wäre nicht Pflicht des Staates,' auch diesen Anstalten seine Fürsorge zuzuwenden, wenigstens in dem Maße, wie cr es gegenüber den Altkatholiken thut? -- Die städtischen Lehranstalten werden von Juden und Christen nach Verhältniß ihres Vermögens unterhalten und doch werden nur katholische und evangelische Religionslehrer an denselben angestetti; denn jüd. Religionslehrer muß die jüd. Gemeinde halten und schließlich wird derselbe von seinem dürftigen unsicheren Einkommen mit aller Strenge zur Communalsteuer herangezogen und muß für seine Kinder Schulgeld bezahlen, während von beiden Lasten der christliche Geistliche und Lehrer bekanntlich frei ist. So lange solche Zustände - dauern, kann von einer wirklichen Emancipation; der Juden keine Rede sein. Die größte Schuld! trifft aber die jüd. Gemeinden selbst, die ruhig j Alles über sich ergehen lassen und froh sind, wenn; ein im Kriege Invalide gewordener Jude Lokomotivheizer öder Postbote oder Executor werden kann." Zu Hohenfirlze» bei Monsheim wurde am Donnerstag Herr Simon Levi beerdigt, der das seltene Alter vor 106 Jahren erreichte. Der Ver storbene hinterläßt 3 Kinder, 17 Enkel und 4ö Urenkel. Königsberg i. Pr., 11. Febr. In voriger Woche starb llr. H. Jol owicz, der hier als Privatgelehrter lebte und sich vielfach am öffentlichen Vereinsleben betheiligte. Abgesehen davon, daß der Verstorbene bei Herausgabe der Werke Moses Mendelssohns auch thätig gewesen, hat er sich durch eine Reihe selbstständiger Arbeiten um die deutsche, wie um die orientalisch-theologische Literatur verdient gemacht. Wir nennen hier von jeinen Schriften folgende: 1) Die fortschreitende Entwickelung der Cultur der Juden (!841); 2) Das religions-philosophische Buch Kusari, übersetzt und cvmmentirt (1841—43); 3) Blüthen rabdinischer Weisheit (1849); 4) Die Weltgeschichte in Darstellungen deutscher Dichter (1851); 5) Polyglotte der orientalischen Poesie (1853); 6) Die germanische Welt seit ihrer Berührung mitHe« Christenthum (1851); 7) Geschichte der Juden ^Königsberg (1867). Die neuerdings M« ihmWröffentlichten Uebersetzungen der enMfthM AWtke von Lecky und Sharpe sind allgemein bekannt . Lippftadt, 10. .Febr. Der „KE Ztg." wird von hier geschrieben: Erwitte, eineMtcUr von hier, der Sitz einer GerichtS-Evmmisfwn und eines Amtmanns, war heute Morgen SWuylatz der brutalsten Vorgänge. Nachts gwischrn % uud 3 Uhr wurden an fünf Häusern jMfcher EWvvhner Fenster demolirt, schwere Steiye> großsWtücke Holz und Eisenthelie in die Zimmer gewcheM, so daß kaum zu erklären, daß sich W^j^WWphe ohne Verlust von Menschenleben aWtwANt.hat. Den Schrecken der in tiefem Schlafe k^enWMxte mag man sich ausmalen. Waren achch ^EiWüher Rohheiten dieser Art zu beklagÄM WWWze wie die der vergangenen Nacht kein Erwitter zu entsinnen. Ein ak!HWei^EMß macht bekannt, daß Militär requirirtD^, euer r. U n g a r. M o u a r*i ism Wie». Im Jahre 1874 weisen Register der Wiener Israel. CultuSgeÜPMMi