Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1875)
- Date
- 1875-02-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447603-2447611--11298-2467077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
stellten Gewinn um so weniger zu zweifeln, da die Gemeinde schon seit 4 Jahren bemüht ist, aus ihrer eigenen Mitte den nöthigen Fond zu sammeln. Wenn eS dem Herrn gelänge, diesen Plan zum Preise Gottes und zum Heile seiner Gemeinde zur Ausführung zu bringen, so würde man auch hier wieder die alte Wahrheit des Judenthums bewährt sehen: 'n nox wa en a n:: t>’rn ab. Australien. Melbourne. Bei der Abreise des Herrn Rabbiners A. F. Ornstein, der nach England übersiedelt, wurde dessen Frau eine Adresse und 206 L. von den jüdischen Frauen Melbournes als Zeichen ihrer Achtung und Hochschätzung überreicht. (Austr. Jsr.) — Nach dem uns von befreundeter Hand zugesandten »Eastern Province Herald" in Port Elisabeth (Cap der guten Hoffnung) vom U. December wurde unser Glaubensgenosse H. H. Salomon einstimmig zum zweitenmale zum Mayor von Port Elisabeth erwählt. Feuilleton. Schuld «ab Süh«t. Erzählung aus dunkler Zeit von Ad. v. Zemlinsky. 11. Verzeihung. Warme Frühlingsluft schmilzt den Schnee, der aus den Dächern und den Straßen liegt. Der rauhe Winter ist vor den warmen Sonnenstrahlen entflohen und hat dem lieblichen Frühling Platz gemacht. In dem uns bereits bekannten Hause des Rabbi Moses Hirsch in der Prager Judenstadt waren in einem kleinen freundlichen Stübchen die Fenster geöffnet, damit die erquickende reine FrühlingSluft eindringen könne in das Gemach. Die Zeit hat auch hier große Aenderungen hervorgebracht. Auf einem Bette schlummernd — in fieberhaften Träumen, lag Judith, die Tochter Gerson Levi'S. während ihre Schwester Rachel am Fenster faß, mit, weiblicher Handarbeit beschäftigt. Esther, die Tochter des Hauses, befand sich in der Küche. Judith hatte, nachdem sie bei Rabbi Moses Hirsch Aufnahme gefunden, gemeinschaftlich mit Esther daß Hauswesen besorgt, doch nur kurze Zeit, dann mußte sie gegen ihren Willen daSBett hüten, da sie sehr schwach war. Esther war ihr während ihrer Krankheit eine liebe, treue Freundin gewesen. Eines Tages brachten fremde Leute Rachel — die Rose Ziou's — bewußtlos, mit blutigey Kleidern, in das Haus des Rabbi. Niemand konnte Auskunft geben, von woher sie kam. An der Klostermauer der Carmeliteriunen hatte man sie am Boden liegend gefunden — weiter wußten die Leute nichts zu sagen. Und weiter erfuhren sie, die so sehr um sie besorgt waren, lange Zeit nichts. Rachel verfiel in Folge der ausgestandenen Schrecknisse in ein Nervenfieber, und lange Zeit schwebte sie in Todesgefahr. Endlich siegte denn doch die Jugend — Rachel genas. Rachel genas; doch der Frohsinn, die Heiterkeit der Jugend — sie waren entschwunden. Niemand hörte'mehr das kindlich heitere Lachen, das fröhliche Geplauder. Es war verstummt, verstummt vielleicht für immer. Dem Rabbi hatte sie ihr Herz erschlossen, ihm Mittheilung über ihre Erlebnisse im Kloster gemacht; sie hatte ihm gesprochen von ihrer Liebe zu dem jungen Cavalier, der jetzt starr und todt in der Gruft seiner Ahnen schlummerte in der Brust eine große, offene Wunde, eine Wunde, die sich nimmer schloß — eine Wunde, die ihm ihre Hand geschlagen. Ja, er ruhte in der Gruft seiner Ahnen — der junge, schöne, reiche Graf v. Ledron. Fast alle Glocken von Prag wurden geläutet, als man seine Leiche zu Grabe trug. Doch der R»se von Zion — seiner Rose, deren Duft ihn getödtet hatte — seiner Rose hatte er nicht vergessen, als der allbezwingende Tod sich ihm nahte. Geht hin nach der Judenstadt, hatte er gesagt , dort werdet Ihr eine Jungfrau finden, — die Rose von Zion genannt. Meldet ihr meine letzten Grüße, saget ihr, daß ich gern — freudig — sterbe, weil — vergesset die Worte,' die ich Euch sage, nicht, — weil ich durch diesen Tod — die Kluft ausfülle, die uns trennt. Gebt dieser Jungfrau die Schrift, die in meinem Schranke verwahrt liegt. So. jetzt geht, weiter habe ich nichts zu sagen. Und sie überbrachten Rachel die letzten Grüße des letzten Grafen v. Ledron und überreichten ihr die Schrift. Was ging es sie an, daß daringeschrieben stand, all' die Reichthümer und Besitzungen seien ihr- Eigenthum, ihr alleiniges Eigenthum! Sie hätte ja gern, ach gar so gern Alles, Alles wrggegeben, sie wäre ja gern die ganze, große.