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Der Israelit · 1875-02-24 · Heft 8 (24.2.1875) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 8 (24.2.1875)
Date
1875-02-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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156 von vornherein diese Trauerfeier zu einer imposanten. Dieselbe wurde durch einen TrauergotteSdienst in der Seminarsynagoge eingeleitet, in welcher der einfache schwarze Sarg (!!) vor dein Allerheiligften ausgestellt war. Nachdem die Schüler einen Psalm gesungen, bestieg Rabb. vr. PerleS aus München die schwarz behängene Kanzel, woselbst er in bewegten Worten seinem Schmerz über den Verlust des Meisters beredten Ausdruck verlieh. Dieser Rede des dankbaren Schülers schlossen sich die Trauerworte des Nachfolgers im Rabbinate zu Dresden, des Ober-Rabbiner vr. Landau an. Derselbe hob besonders die Bedeutung der Wirksamkeit Frankel'4 für die Gemeinde in Dresden sowie in Sachsen überhaupt hervor. Hierauf folgte Rabbiner vr. Schwarz, welcher Namens der jetzigen Hörer des Seminars dem dahingeschiedenen Lehrer den Abschiedsgruß nachrief. ' Ein Chorgesang beschloß diese Feier. Nachdem die Hörer des Seminars den Sarg auf den Leichenwagen gehoben, setzte sich der unabsehbare Zug, wie er in dieser Weise in hiesiger Stadt wohl selten gesehen worden ist, vom Trauerhause von der Wallstraße über den Schweidnitzer Stadtgraben, den Tauenzienplatz die Garten- und Bohrauecstraße entlang nach dem Israel. Kirchhofe um ’6lJi Uhr in Bewegung. Den Leichencondutt eröffneten die bereits im Amte befindlichen Rabbiner, sowie die jetzigen Hörer des Seminars, denen sich ein großer Theil der hiesigen jüdischen Gemeinde- Mitglieder angeschlossen hatte. Unter den Leidtragenden befand sich der Vertreter der Berliner jüdischen (G eiger'schen) Hochschule, vr. Lewy, die Professoren der orientalischen Sprachen an hiesiger Universität vvr Magnus und Schmöldert, und eine Deputation der Judenschaft aus Brieg. Auf dem Friedhofe angelangt. eroffnete Rabbiner vr. Ivel, nachdem zuvor ein Trauergesang angestiwmt worden war, die Reihe der Leichenreden. Hierauf sprachen noch Rabbiner und Prediger vr. Güdemann aus Wien, und Rabbiner vr. Rahmer aus Magdeburg, welche als Schüler zu den Füßen des Meisters gesessen, und heute seinen Verlust tief beklagen, während zuletzt Rabbiner vr. Treuenfels aus Stettin Namens der israel. deutschen (?) Allianz dem verstorbenen Gönner die letzte Huldigung darbrachte. Nach Beendigung dieser Trauerfeierlichkeit trugen hierauf die zeitigen (?) Hörer des jüdisch =- theologischen Seminars den Sarg nach dem Familien - Erbbegräbniß, woselbst die sterblichen Ueberreste neben der Grabstätte seiner ihm vorangegangenen Gattin in den Schooß der kühlen Erde beigesetzt wurden. (BreSl. Ztg.) A Düsseldorf, IS. Februar. Der Geheime Oberregierungsrath Dr. L. Wiese, ein um daS höhere Schulwesen in Preußen hochverdienter, aber durch seine reaktionären Tendenzen der Strömung des heutigen Zeitgeistes im preußischen Cultusministeriüm nicht mehr gewachsener Mann, hat vor einigen Tagen seine Entlassung aus dem Staatsdienst eingereicht und dieselbe erhalten. Dieser Umstand veranlaßt uns, des depossedirten Schulmannes, der Jahrzehnte lang die rechte Hand des CultuSministers von Mühl er war, mit einigen Worten zu gedenken. Bei den bekannten Gesinnungen des 'Mannes darf man sich darüber nicht wundern, daß er der Judenemaneipation Zeit seines Lebens abhold gewesen und daß er, soviel er eben vermochte, die staatliche Carriöre jüdischer Gelehrten, resp. Pädagogen gründlich zu verleiden suchte, aber dessenungeachtet konnte er nicht umhin, wie Sie bereits in Nr. 7 des „Israelit" erwähnt haben, im 3. Bande seines das höhere Schulwesen in Preußen vom Jahre 1869—73 historischstatistisch behandelnden Werkes der jüdischen Intelligenz ein Compliment zu machen, das aus Feindes Mund besonders wohlthuend berührt. Die Zunahme jüdischer Schüler an preußischen Gymnasien und Realschulen findet er sehr beachtenswerth; seinen Angaben zufolge betrug si,e am Friedrich- Wilhelms-Gymnasium zu Posen Mer die Hälfte, an einzelnen Breslauer und an fast fämmtlichen städtischen Gymnasien Berlins weit über ein Viertel der Gesammtzahl. In Berlin sei die Zahl der jüdischen Schüler so gestiegen - wenigstens in Bezug auf die höheren Schulen, — daß sie bei einer Gesammtzahl von etwa 5035 Schülern beinahe den vierten Theil derselben betrug. In Schlesien werden, nach Herrn Wiese, die höheren Schulen von Israeliten mehr benützt, als von Katholiken und Protestanten. Die ferneren Behauptungen des Herrn Geh. Oberregierungsraths freilich, wonach z. B. die Zahl der jüdischen Schüler an den Gymnasien der Provinzen Schleswig-Holstein, Sachsen, Hessen-Nassau und auch der Rheinprovinz verschwindend klein sei, und daß die jüdische Bevölkerung die Gymnasialbildung der Rcalschulbildung vorziehe, müssen wir vor' der Hand auf sich beruhen lassen. * * * Da wir gerade von Schulsachen sprechen, so darf ich Ihnen wohl auch nach den Mittheilungen der! soeben erschienenen Hefte des Königl. Preußischen Statistischen Bureaus einzelne auf unsere Glaubensgenossen Bezug habende Daten mittheilen? Das deutsche Reich — nach der letzten Volkszählung — zählt 512,158 Israeliten, oder 1,25 % der gesammten Bevölkerung, davon fallen auf den preußischen

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