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Der Israelit · 1875-02-24 · Heft 8 (24.2.1875) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 8 (24.2.1875)
Date
1875-02-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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155 so Viele bekennen! Sehen wir nicht frohen Herzens dicke, schwere Nebel, die so lange verdüsternd urrd verfinsternd auf der Erde lagerten .und die Menschen einhüllten, den Menschengeist trübten, immer mehr sich verziehen und den Sonnenstrahl auch da hindringen, wo vor nicht langer Zeit schwarze Nacht herrschte? Verdammen wir nicht diesen Zeitgeist, weil er auch uns schwere Kämpfe gebracht hat, anch von uns verlangt, daß wir uns ihm anpäffen. Wir haben den Kampf nicht zu scheuen und zu fürchten; nicht Finsterniß ist unsere Parole, sondern Licht, göttliches Licht, das Gott, der Schöpfer, am ersten Tage der Welt angezündet hat; göttliches Licht, das er uns in feiner heiligen Lehre gegeben, und das wir uns zu erhalten bemüht sind; wir wollen Licht und Klarheit und reinste Wahrheit; wir wollen dieses Licht, diese Klarheit und diese Wahrheit, wie wir sie seit uralter Zeit ererbt und uns durch allen Kampf der Zeiten erhalten haben, uns auch ferner bewahren. Wenn je eine Religion ihre Lebensfähigkeit und Existenzberechtigung bewiesen, so hat eS unstreitig die jüdische Religion mehr als zur Genüge. Und der neue, härteste und erbittertste Kampf gegen das Judenthum, wird er die jüdische Wahrheit umftoßen, das jüdische Licht auslöschen? Der echte Jude fühlt sich so ruhig und sicher, als ob keine Gefahr drohe und bedauert nur, daß die Menschen so wahnbefangen und, von blindem Haß und Borurtheil gegen das Wesen des Judenthums erfüllt, nicht ruhig und vernünftig an die Beurteilung desselben herantreteu können, um sich selbst einmal zu überzeugen, ob denn die Verachtung, der Spott, die Geringschätzung, das Kopfschütteln und Achselzucken — lauter sehr wohlfeile Dinge — mit denen man über Juden und Judenthum so bereit ist, sein gründliches (!) Urtyeil abzngeben, nicht eher alles Andere, als das Judenthum und feine Bekenner treffen. Scheinbar richtet sich heute der ganze Kampf innerhalb des Judenthums nur gegen das jüdische Gesetz; in Wirtlichkeit aber ist, wenn man dieses schützende starke Bollwerk beseitigen und für überfiüssig erklären könnte, die Gottesidee nicht minder bedroht. Und wenn auch im Kreise der Juden vielleicht es nur wenige wagen, bei sich leise auch w weit schon zu denken, so liegt er aber doch deutlich und unverkennbar im Geiste unserer Zeit ausgesprochen, daß die Frage: Ob Gott oder Natur das Allbelebende und Wirkende ist, schließlich der Vernunft zur endgiltigen Prüfung vorgelegt wird, wie ja heute schon die Anfänge hiezu im Darwinismus und Naturalismus zu sehen sind. Wir wollen uns nun klar zu machen suchen, ob die Behauptung, daß das Judenthum nur in seiner Gottesidee beruhe, gegründet ist. Wir wollen aber einer bloßen Behauptung, und wenn sie aus dem Munde der unfehlbaren (!) Wiffenschaft kommen sollte, nicht allzuleichten Glauben schenken und nicht allzublindes Vertrauen entgegenbringen. Diese wird es uns gewiß nicht verargen, wenn wir folgende Fragen, die sich uns aufdrängen, untersuchen wollen. 1) Hat eine bloße Idee wesentlichen Werth und Nutzen für uns? 2) Gehören die Gesetze, welche diese Idee zu erhalten und zu verwirklichen bestimmt sind, nicht wesentlich zu derselben? 3) Ist es wahr, daß wir heute auf einem solch hohen Standpunkte stehen, daß wir sicher die Einheitsidee uns erhalten werden? (Fortsetzung folgt.) Zeitrtrrgsrrachrichten «fe Eorrespondenzen. Deutschland. Berlin, 17. Febr. Die Petitions-Commission des Abgeordnetenhauses berieth in ihrer heutigen Sitzung u. A. die Petitionen, welche auch in diesem Jahre wieder aus israel. Kreisen eingegangen sind, um den Juden zu ermöglichen, aus einer Religionsgemeinde anszutreten, ohne zugleich aus dem Judenthum überhaupt austreten zu müssen. Bon Seiten der Regierungs - Commissare wurde erklärt, daß sich die Vorlegung des in Vorbereitung begriffenen Gesetzentwurfs über die Rechtsverhältnisse der israel. Religions - Gesellschaften in der gegenwärtigen Session nicht ermöglichen lassen werde. Nichtsdestoweniger beschloß die Commission, beim Hause zu beantragen, daß die Regierung um Vorlage des Entwurfs in dieser Session ersucht werde.' Ebenfalls aus israel. Kreisen lag ferner eine Petition vor, welche für die jüd. Lehrer eine wissenschaftliche Staatsprüfung verlangte. Die Vertreter der Regierung erklärten jedoch, auf dieses Petitum nicht eingehen zu können , und die Commission beschloß. über dasselbe zur Tagesordnung überzugehen. Breslarr, 17. Febr. Zu dem heute Nachmittag um 2 Uhr stattgehabten Leichenbegängniß des am 13. Febr. verstorbenen Ober-Rabbiners und Seminardirectors Dr. Zacharias Frankel hatte sich der größte Theil seiner ordinirten (?) Schüler von Nah und Fern eingefunden. Die Anwesenheit von mehr als 40 Rabbinern, von denen Einzelne einen sehr weiten Weg zurückgelegt haben, machte

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