Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1875)
- Date
- 1875-02-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Die ganze Erzählung trug den Stempel der Glaubwürdigkeit in so hohem Maße—die Räuber hatten dem Ueberfallenen sogar die Hände zerkratzt —, daß dem Unglücklichen die allgemeine Theilnahme der Familie der Braut nicht versagt werden konnte, und der seiner Angabe nach noch immer an den Folgen deZ ausgestandenen Schreckens Leidende wurde von derselben gehegt und gepflegt. Als er sich indessen etwas erholt hatte, drang der zukünftige Schwiegervater darauf, daß der Beraubte von dem Vorfall Anzeige mache. Trotz seines anfänglichen Strüubens mußte er endlich dem Drängen des alten Herrn nachgeben. Er begab sich^zu dem Chef der CriniK'calpolirei, Negierungsrath Schmidt, und wußte auch hier die Geschichte so vorzutragen, daß diesem an der Wahrheit derselben kein Zwei-! fel blieb. Es wurde sofort eine Conferenz cmbe-; raurat und sämratlicheBearnten davon in Kenntnis! gesetzt. Alle machten sich sofort ans die Beine,! um die Räuber zu ermitteln, jedoch vergebens.! Die Specialerhebung wurden dem Criminal-Com» j rnissarius Geiger übertragen. Dieser untersuchte > zunächst die Kratzwunde an den Händen des Bci raubten, und entdeckte, dag diese auffälliger Weise j von den Fingern nach dem Handgelenk zu, gerissen waren, während sie, wenn sie bei dem Abreißen | der Handschuhe bcigebracht. in umgekehrter Richtung j beigebracht sein mußten. Dem Beamten stieg jetzt j ein Zweifel an der Wahrheit der ganzen Raub-! geschichte auf. Er dielt in der Wohnung des! Deutschmann eine Haussuchung ab und fand — | sowohl den Ring, als die geraubte Baarschaft dort, > wohl und sicher verwahrt, auf. Nach dem mm er» j folgten Gestäudniß hat D. den Schwindel nur in : Scene gefetzt, um ein „Geschäft" zu machen, näm-! lich sein Geld zu behalten und ohne Gegengeschenk bei der Braut davonzukommen. Ob die Braut unter diesen Umständen dem speculativen Bräutigam ihre Hand zum Ehebunde reichen wird, muß die Zukunft lehren. (Tribüne.) den christl. Lehrer, nicht aber an die jüdischen. Laßt der Ober-Schulinspector die Lehrer seines Bezirks zu einer Conferenz einladen, so circulirt das Einladungsschreiben bei allen christl. Lehrern, welche die jüdischen College» benachrichtigen sollen. Ja, ein solcherOber-Schulinspector. der gewiß nicht zu den fanatischen Pastoren gehört, hat einmal geäußert: „Jchr bin ich mit der Revision unserer Schulen fertig; nun soll es an die jüdischen Schulen gehen." Und wirklich prüfte er drei israelitische Schulen feines Bezirks an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Es scheint also, die jüdische Schule sei nur ein Anhängsel. Daß solche Intoleranz bald anfhören möge, ist gegewiß der Wunsch eines jeden Israeliten. Italic n. Nonr. Durch die Wahl des Herrn Joseph Finzi sitzen im ital. Parlament nunmehr gerade sovielr Israeliten wie im vorigen Parlament. (Arch. Jsr.) Turin. Wiederum fällt ein Ghetto. Dasjenige, welches die Israeliten von Turin 2V2 Jahrhunderte eingcschlossen, wird gegenwärtig dcmolirt. ES war zwar den Israeliten' schon sehr lange erlaubt, in den übrigen Stadttheilen zu wohnen; bis 1848 waren es politische und bis zu den letzten Tagen ökonomische Gründe, die sie bestimmten, im Ghetto zu bleiben, noch kürzlich hatten da 122 iövad. Familien und gegen 20 kathol. ihren Wohnsitz. (Arch. Jsr.) F e u i I i e t 0 n* im römischen Ghetto?) Aus dem Regierungsbezirk Kassel. Der „Israelit" hat uns in der letzten Zeit manche erfreuliche Nachricht von der sich immer steigernden Toleranz der Behörden unfern Glaubensgenossen gegenüber gebracht. Den jüdischen Lehrern gegenüber läßt diese Toleranz jedoch noch viel zu wünschen übrig. Nicht allein, daß sich die pr. Negierung trotz mehrerer an sie gerichteter Petitionen sträubt, die jüdischen Lehrer in materieller Hinsicht ihren christl. Amtsgenossen gleichzustellen, sie läßt noch nicht einmal eine principielle Gleichstellung gelten. Läßt z. B. der Landrath eine neue Verordnung der Konigl. Regierung durch Circular den Lehrern bekannt geben, so richtet er dasselbe an „Wenn der Herr die Gefangenen Zion's erlösen wird Dann werden wir sein wie die Träumenden." Das ist ein trüber, regnerischer Apriltag. D« Nebel liegt auf dem Tiber und verschleiert d Thurmsyitzen der christlichen Kirchen, von dem! heute kein Glockenton erschallen mag; denn es i Charfreitag. Wie traurig ist Rom an solchen Ta gen, wie schmutzig und wie leblos. Nirgends aber ist der Unrath so gehäuft, sinl *) Capitel aus dem Manuscripte des Engelhorn'schen Prachtmerkes: „Italien". — Abth No in: „Die Gefangenen Zion's am Tiberstrom". Von Woldemar Kaden.