Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1875)
- Date
- 1875-02-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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140 Sternen flimmerten am dunklen, azurblauen Himmelzelte. Kein Lüftchen bewegte sich. Balsamisch betäubender Duft drang durch die geöffneten Fenster in die Wohnung Ephraim Manaffe's ein. Sie schlafen. Dein Schutzengel ist von Dir gewichen, Ephraim — denn wäre er es nicht, so würde er Dich warnen — sonst würde er Dir zurufen: wache auf — wache auf — hüte Dein HauS — denn draußen im Dunkel der Nacht schleichen Unglück und Verderben mit langsamem aber sicherem Schritte um Dein HauS. Doch, sie schlafen Alle ruhig — sie fühlen nicht das Verderben. Die Flibustier hatten bereits einigemale schon versucht, sich eines Theiles der Insel zu bemächtigen, doch wurden sie noch immer zurückgedrängt. Heute waren sie abermals gelandet; sie hatten sich mit den unzufriedenen Negern der Insel verbunden Und heute Nacht — wollen sie ihren schrecklichen, blutigen Plan zur That werden lassen. Ein tausendstimmiges Geheul unterbrach plötzlich die Ruhe, welche auf der Insel geherrscht hatte. ES war, als wären alle Dämonen Der Hölle losgelassen worden. * Und sie alle, diese schwarzen Menschen, angeführt von den Seeräubern — sie drangen in die Häuser der Pflanzer ein. — Gott hat in diesem Augenblicke sein Antlitz von diesem Theile der Erde gewendet. — Gott hat diese Menschen alle ihrem Geschicke überlassen. Ein Gemetzel, ein Morden, ein Brennen entstand, daß jede Feder zu schwach ist, diese Gräuel alle zu beschreiben. Männer und Frauen wurden mit den Händen erwürgt, unschuldige Kinder, welche an der Mutterbrust Nahrung sogen, wurden mit wilder Gewalt bei den Füßen gepackt und deren Köpfe an die Wand der Häuser geschlagen, daß das Gehirn an denselben hängen blieb. Junge Mädchen wurden von diesen zu Thieren gewordenen Menschen geschändet und dann getödtet. Ja — Gott hat sein Angesicht von euch gewendet, ihr Unglücklichen. — Erschrocken von dem wilden Lärme war Ephraim Manasse und seine Familie vom Lager gesprungen; vergebens dachten sie jedoch daran, sich zu retten — sich zu vertheidigen.! Es war umsonst — zu spät. j Gott hat dir noch nicht verziehen, Ephraim Manasse, sonst hätte er es nicht zugegeben, daß! du schauen sollst, wie man dein Werb entehrt — j und ihr dann den Kopf vom Rumpfe schneidet. — Gott hat dir noch nicht verziehen, Ephraim Manasse, sonst hätte er es nicht zugegeben, daß du schauen sollst, wie man den Aron Eisik tödtet — wie man dein Kind erwürgt. Gebt mir mein Kind — gebt mir mein Kind, schrie Ephraim, — mein ganzer Reichthum, mein tab und Gut soll Euer sein, — nur gebt mir mein mb! — Und es wurde ihm gegeben sein Kind — erwürgt warfen es die Vandalen vor seine Füße hin. Zürnender Gott, schrie Ephraim verzweifelnd, schicke mir Tod oder Wahnsinn, nicht länger kann ich's tragen. Gott hat mich verflucht — allüberall wohin ich komme, hängt sich das Unglück an meine Ferse, — ja, Gott hat mich verflucht — auf ewig — auf ewig, schrie er in wahnsinnigem Schmerz. — Er will den Tod der Seinen rächen, doch ein wuchtiger Schlag auf seinen Kopf streckt ihn zu Boden. — - Ja, Gott hat dich verflucht, Ephraim Manassee, sonst wärest du nicht wieder zum Leben erwacht, sonst hättest du nicht schauen können, wie dein Haus in Schutt und Trümmer zusammengestürzt war, — wie man all' deine Habe, all' den von dir so sehr angebeteten Reichthum, um dessentwillen du zum Verbrecher geworden wärest — wie man dein Geld dir fortschleppte und nichts sie dir ließen — nichts, als dein nacktes Leben. Auf einem Schiffe, das nach Europa fuhr, fand Ephraim Manasse aus Erbarmen Aufnahme. Als Bettler, geistig und körperlich gebrochen, zog er von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, — nirgend Ruhe, nirgend Frieden findend. Die schreckliche Blutschuld, die er auf sich geladen — sie ließ ihn an keinem Orte verweilen; immer und immer gemahnte ihn sein Gewissen daran. Und wenn er verzweiflungsvoll rief: Gott — laß mich sterben — befreie mich von meinen Leiden, — dann rief ihm eine Stimme in seinem Innern zu: du mußt dulden — du mußt leiden, — denn Mord hat deine Hand vollbracht — und dieser Mord er muß gesühnt werden. (Fortsetzung folgt.) %Uv$u zwei Beilagen. Z C T bi P A nc tri vo P Ar bei Al wo 73. Mi St Ab kan den pro lrui soff Cor Prr «nl fort folg testc Katl Pro am; wn ■inei >er >orb uch eite rter st eer < Verantwortliche Redaction: 0r. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. GottSleben'- Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).