Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1875)
- Date
- 1875-02-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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138 aus freiwilligen Gaben aufgebracht werden, den doppelten Zweck für die aus dem Nabbinerseminar tretenden Nabbinen in der Art zu sorgen, daß sie Functionen erhalten, durch die sie rn die Lage kommen, sofort ihre Kenntnisse in Anwendung zu bringen, und neue Gemeinden zu gründen. Der Verein existirt erst ein Jahr und schon ist es ihm gelungen, in Clermont-Ferrand einRabbinat zu gründen und in dem berühmten Badeorte Vichy eine Gemeinde zu organisiren. Die Organisirung einer jüd. Gemeinde in Vichy hat auch für viele Glaubensgenossen außerhalb Frankreichs großes Interesse: Viele leidende Israeliten, denen von den Aerzten eine Cour in den Heilquellen Vichy's angerathen worden, mußten davon abstehen, weil es bisher nicht möglich war, dort nach jüdisch-religiöser Weise zu leben; diesem Uebelstande ist nun abgeholfen. Der Verein hatte auf seinen ersten Aufruf eine Einnahu.e von 5993 Fr., und es ist zu hoffen, daß die Glaubensgenossen Frankreichs diesem Verein, dessen Zwecke so schön und wichtig sind, immer mehr ihre Zuneigung angedeihen lassen werden. Paris. Aus dem Bericht des Consistoriums von Paris über das vierte Quartal von 1874 erfahren wir, daß im Rabviner-Seminar der Unterricht in der arabischen Sprache obligatorisch eingeführt wurde und zwar, damit die aus demselben tretenden Candidaten bei der Creirung von Rabbinaten in kleinern Plätzen Algeriens mitconcurriren können. 15000 Kg. Mazzoth zur Vertheilung an Arme für das kommende Peßachfest wurde in Accord gegeben. 886 Knaben und 77 l Mädchen wurden mit Kleidern versehen, 19,259 Fr. wurden für diesen Zweck verausgabt. (Un Jsr.) Paris. Die Delegirten der Port. Gemeinde dahier haben beschlossen, eine Anleihe von 4000 Obligationen ä 100 Frs. zu dem Zwecke aufznnehm'en, um damit einen Tempel für den portugiesischen Ritus zu errichten. Die erste Subscriptionsliste hat bereits die Summe von 160,000 Frs. erzielt. Die Gemeinde besitzt außerdem einen Fond von 20,000 Fr. (Un. Jsr.) E n g l a n d. London. Die Bodleyanische Bibliothek in Oxford hat während der letzten Monate sechs Manuscripte dem bekannten Reisenden Halvvy abgekauft, die dieser aus Aeinen mitgebracht hat. Eines dieser Manuscripte ist eine bis jetzt ungekannte Sammlung Midraschim über den Pentateuch. Ein anderes enthält hebräische und in dem modernen Dialekte Jemens geschriebene Hymnen. R n s; l a n d. Katznitin. Der in den weitesten Kreisen bekannte Jacob Epstein von hier ist in dem nahen Paschkewitz gestorben und unter ungewöhnlicher Betheiligung der jüdischen Gemeinde sowohl als auch der christlichen Einwohner, bei denen er in hohem Ansehen stand, begraben worden. Der Verstorbene hat nicht allein im Leben durch seine großen und zahlreichen Wohlthaten die Liebe seiner vielen Bekannten und Freunde, der Armen, Wittwen und Waisen sich erworben, sondern auch durch sein Testament, das von seiner Großherzigkeit ein beredtes Zeugniß ablegt, ein bleibendes Denkmal sich gesetzt. Er hinterließ 74,000 Rubel, von denen die Zinsen für die Bedürfnisse der Stadt verwendet werden sollen. 500 R. wurden seiner Bestimmung gemäß auf dem Begräbnißplatze und 723 R. (soviel als der Zahlenwerth seines Namens spr ist) während der sieben Trauertage vertheilt. Reichlich hatte er stets die Thorabeflissenen unterstützt, er selbst war nicht unbewandert in der hl. Thora und erzog seine Söhne in seinem Sinne. Er erreichte ein Alter von 63 Jahren. 7i"2"L"z"ci. Türkei. Salonichi. Am 19. mü starb nach kurzem Krankenlager unser geliebter Oberrabbiner Raphael Ascher Kobo im Alter von 76 Jahren. Die Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse war so groß wie noch nie in unserer Stadt gesehen worden.' An 15,000 Personen folgten seiner Leiche, darunter sämmtliche Consuln, der Paschah der Provinz mit zwei Militärlbthcilungen; acht Stunden dauerte es, bis der Zug auf dem Begräbnißplatze angelangt war; obgleich Markttag, enthielten sich alle Glaubensgenossen an diesem Tage zu Ehren ihres allgemein geehrten Rabbiners, der mehr als 50 Jahre 'an ihrer Spitze gestanden, der Arbeit, um dem Leichenbegängnisse mitanzuwohnen. Der Verstorbene gehörte zu den ersten Nabbinen , die von der' türkischen Regierung als Chacham Baschi angestellt wurden und als solche großen Einfluß auf die jüdischen Gemeinden haben. Von streng religiöser Gesinnung, die er in Wort und That kund gab, trat er mit aller Kraft gegen jede Reform der jüdischen Religion auf, und seinem segensreichen Wirken ist es'zu verdanken, daß dahier die jüdische Religion streng nach der Väter Weise gehalten wird.