Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1875)
- Date
- 1875-02-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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137 Unter großer Betheiligung seitens der hiesigen und auswärtigen Gemeindcmitgliedcr wurde er den folgenden Dienstag begraben. An feinem Grabe sprachen mehrere elfässtsche Rabbinen. n. Chpdschesen, 2. Februar. (Hohes Alter). Bor einigen Tagen ist hier eine jüdische Frau im Alter von 108 Jahren gestorben. Die Verblichene war bis kurz vor ihrem Tode noch ziemlich rüstig. Ihr sie überlebender Gatte ist 99 Jahr alt. Oester r. -Ungar. Monarchie. Pretzburg, 25. Schwat. Durch die seit Jahren in's Leben getretene Religionsfreiheit gehören Konfessionslose schon aller Orten nicht zu den Seltenheiten; aber zugleich Anhänger zweier Religionen zu sein, eine Art Polytheismus zu betreiben, gehörte noch in jeder Zeit zu den seltensten Erscheinungen. Als Curiosum wollen wir einen Fall registriren, der hier, besonders in jüdischen Kreisen nicht wenig von sich reden macht und zeigt, daß eine alte Frau hier nicht von diesen Prämissen ausgegangen zu sein scheint. In der Judengasse wohnt seit geraumer Zeit eine alte Frau, sie ernährte sich vom Hausirhandel und führte ein jüdisches Leben; da erkrankte sie dieser Tage und ward auf eigenes Ansuchen im isr. Krankenhause ausgenommen. Bei Uebernahme ihrer Effekten daselbst verweigerte sie auf das hartnäckigste die Ausfvlgung eines Kleides, und als sie die Spitalskleidung anlegte, verwahrte sie dasselbe mit ständiger Behutsamkeit unter ihrem Kopfkissen. Nach ihrem am vergangenen Donnerstag erfolgten Tode fanden die neugierigen Krankenwärter anstatt einer erhofften schweren Börse ein schweres — Kreuz sammt dazu gehörigen Utensilien an diesem Kleide angenaht, und ein kleines an ihrem Leibe. Diese Erscheinung findet darin ihre Erklärung, daß diese Frau von Gedanken des Zweifels gequält beiden Religionen gerecht zu werden suchte, sie wollte eine eben so gute Jüdin als Christin sein, denn währenddem sie von diesem Kleide, selbst in ihrem letzten Moment nicht lassen wollte, vermachte sie ihre Siebensachen -er »nur» als Legat, und man sah sie auch oft im Tempel beten und jüdische Ceremonien beachten. Da man jedoch unter ihren Schriften einen Taufschein und in ihrem Hausirbuche unter der Rubrik Religion „katholisch" fand, wurde sie laut Ordre des StadthauptmannamteS auf dem kathol. Friedhofe beerdigt. *) *) Zwischen Frankfurt und Mainz liegt ein Dorf, Namens Kelsterbach. Dort soll einst eine „Rebbezin" gelebt haben, die, um sicher selig zu werden, am Sabbat in die Synagoge und Lonntags in die Kirche ging. Die „Kelsterbacher Rebbezin" ist in hiesiger Gegend sprichwörtlich geworden. Red. Seit Wochen erscheint hier ein in hebräischer Sprache edirtes Blatt unter dem Titel „Hajehudi." Der Redarteur desselben, Herr Jakob Fischer ist uns als streng religiöser Jude und aus einigen Merkchen, wie auch aus seinen Arbeiten im „Kochbeh Jizchak" als vortrefflicher Hebräist bekannt. Wir können ihm daher, wenn er den Raum seines sonst schön ausgestatteten Blattes erweitert, und sich strenger sachlich hält, ein günstiges Prognostikon stellen. Aus Groß - Tapolcsäny schreibt man dem „Westung. Grenzboten": Herr Tobias B. hatte sich mit Frl. I. . . . verlobt, die Hochzeit sollte stattfinden, Braut und Hochzeitsgästc waren bereit, der Rabbiner wartete, die Zigeuner spielten, die ganze Ortsjugend war versammelt, aber der Bräutigam erschien nicht. Trübe Ahnungen beschlichen jedwedes Gemüth, da verbreitete sich das Gerücht der Bräutigam werde gar nicht erscheinen, er werde Frl. I... nicht heirathen, da seine verstorbene Mutter ihm am Friedhöfe erschienen sei und ihm verboten habe, die Ersehnte zu ehelichen. Unser guter Sohn, von der Erscheinung zu Tode erschreckt, fügte sich dem Befehle der Todten. Vor Scham fast in die Erde versinkend stand die verlassene Braut erstarrt vor den Hochzeitsgästen. Da Plötzlich blitzt im Gehirne des Vaters der Braut eine Idee auf. „Spielet, Musikanten, gar fröhliche Weisen", donnert er mit gewaltiger Stimme, „heute noch wird die Hochzeit gefeiert." Dort steht ein bleicher, armer Jüngling zwischen den melancholisch blickenden Hochzeitsgästen, der mit wehmüthigen und sehnsüchtigen Blicken die geknickte Lilie, die in Schmerz aufgelöste Braut betrachtet. Ihm lispelt nun leise H. I... einige Worte in's Ohr, und mit süß erbebender Stimme spricht er: „Ja, ich will eS!' Er führt ihn nun hin zur weinenden Braut, legt feine sieberisch glühende Hand in die zitternde Hand des holden Mädchens, und ein begeistertes stürmisches „Es lebe das Brautpaar" braust durch den Saal, erklingt von den weinfeligen Kehlen der Hochzeitsgästc. Der Trauhimmel wird im Hofe improvistrt, die Trauung wird vollzogen, der Rabbiner gibt ihnen den göttlichen Segen, der Zigeuner streicht konvulsivisch seine Fidel und Frl. I... ist glänzend an Herrn Tobias gerächt. Frankreich. Paris. Herr Isidor, Oberrabbiner des Centralconsistoriums, gibt in den französischen jüd. Blättern Rechenschaft über das bisherige Wirken „des rabbinischen Missionsvereins". Wie unfern Lesern bekannt, hat dieser Verein, dessen Mitteln