Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1875)
- Date
- 1875-02-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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„Ihm zu erbauen ein Haus in Jerusalem, das in Judäa liegt; wer unter Euch, die Seinem Volke , angehören, hinaufziehen will, mit dem sei der Ewige, sein Gott!" SB ] AeituiraSnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. Der hiesige Magistrat hat eine , neue Instruction für die Berliner Schuleommifsion ausarbeiten lassen, welche vom Provincial-Schul- 1 collegium genehmigt ist. Dieselbe enthält folgende ' specielle Bestimmungen: Soll das Kind einer 1 Schule zugeführt werden, deren confessioneller Charakter von der Confession des Vaters abweicht, so ist fortan streng darauf zu achten, daß die bestimmte ausdrückliche Erklärung hierüber von dem ehelichen Vater des Kindes selbst abgegeben und dies aktenmäßig festgestellt werde. Kein anderes Familienmitglied, selbst nicht die Mutter. ist zu Anträgen auf Einschulung in eine Schule anderer Confession ermächtigt. Ist der Vater des einznschulenden Kindes verstorben, so muß unter allen ' Umständen die Einschulung in die Schule derjenigen Confession erfolgen, welcher der Vater angehörte. In dieser ganz bestimmten gesetzlichen Vori schrift kann weder der Vormund, noch die Mutter des Kindes etwas ändern. Nach zurückgelegtem 14. Lebensjahre steht es lediglich in der Wahl der Kinder, zu welcher Religionspartei sie sich bekennen wollen Uneheliche Kinder werden bis zum beendigten 14. Lebensjahre in der Religion der Mutter erzogen; doch muß. wenn der Vater ein Christ, die Mutter aber irgend einer andern Neligionspartei zugethan ist, ein solches uneheliches Kind bis nach zurückgelegtcm 14. Lebensjahre in der christlichen Religion des Vaters erzogen werden. Dieses „muß" klingt etwas gezwungen und riecht etwas stark nach Missionsgeruch, da doch sicherlich, was dem Einen recht ist, dem Andern billig sein sollte. Um so mehr fällt uns diese „Instruktion" auf, da man erst vor wenigen Monaten den Beschluß gefaßt hat, die Confession aus der Schule vollständig zu verbannen, resp. den Religionsunterricht den Eltern anheim zu stellen. Es sollte uns wundern, ob sich die Nichtchristen mit dieser „ganz bestimmten gesetzlichen Vorschrift" so schlechthin zufrieden geben werden. Berlin. Nach dem neuesten erschienenen Hl. B. des Geh Ober-Negierungsrathes Dr. Wiese der historisch-statistischen Darstellung des preußischen höheren Schulwesens, welcher die Jahre 1869—73 umfaßt, ergibt sich eine außerordentliche Zunahme jüdischer Schüler. Am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium zu Posen betrug sie über die Hälfte; an einzelnen Breslauer und an faftsämmtlichen städtischen Gymnasien Berlins weil über ein Viertel der Gesammtzahl. In Berlin beträgt die Zahl der jüdischen Schüler an den höheren Schulen etwa den vierten Theil der Gesammtzahl. In Schlesien benutzen gleichfalls die Juden mehr als die Christen die höheren Schulen. Merkwürdig ist, daß die jüdische Bevölkerung die Gymnasialbildung der Realschulbilduug vorzieht.^ Es scheint demnach, daß der größere Theil der jüdischen Schüler, von denen sicherlich die Mehrheit sich dem Kaufmannsstande widmet, einen ganz besonderen Bildungstrieb an den Tag legt. Breslau. Dem uns vorliegenden „Neunten Jahresbericht des Vereins „Ahabath Jerusalem" (d'^vv roriN msn) zufolge hatte dieser Verein eine Einnahme von 792 Thlr., wovon 564 Thlr. nach Jerusalem geschickt wurden. Crefeld, 9. Februar. Gestern hatte die hiesige jüdische Gemeinde die Freude, die bisherige höchst unzweckmäßige, in desolatem Zustande befindliche Schule zu verlassen und das neue prächtige, in jeder Beziehung zweckmäßig eingerichtete Schüllvkal seiner nunmehrigen Bestimmung übergeben zu schem Geschäftige Hände waren thätig gewesen, die Schule mit Kränzen und mit epheuumrahmten Bildern des Kaisers und des Kronprinzen, des Prinzen Karl und des Fürsten Bismarck zu schmücken. Dem Weiheafte wohnten viele Eltern, Schulfreunde und sonstige Gemeindeglieder bei. Die Feier wurde durch Gebet eröffnet, worauf Deklamationen der Schüler, Reden und mehrstimmige Gesänge abwechselten. Herr Oberrabbiner Dr. Horowitz feierte in schwunghaften, ergreifenden Worten die in unserer Stadt sich kundgcbende echte liberale Gesinnung, den wahren Fortschritt, welcher namentlich der jüdischen Gemeinde gegenüber nicht etwa bloße Toleranz übe. sondern,' auf höherm Standpunkte stehend, abgesehen von der Confession im Bürger nur den Bürger sehe, ihn achte und für seine Bedürfnisse in jeder Richtung Sorge trage. — Mit dieser, Stadtverwaltung, Schulbehörde und die Gemeindevertretung edelnden Gesinnung sei Crefeld den größern rheinischen Städten als leuchtendes Vorbild vorangegangen. Das fordere zur dankbaren Anerkennung auf für das, Dank den vorgenannten Behörden heute glücklich erreichte Ziel.