Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1875)
- Date
- 1875-02-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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122 Holland. Notterdarn. Es ist wahrscheinlich eine Nachwirkung der endlich erfolgten Wiederbesetzung des Oberrabbinats von Amsterdam, daß in hiesigen angesehenen Kreisen eine Adresse an den Kirchenrath unterzeichnet worden ist, in der um die Wiederbesetzung des hies. Oberrabbinats gebeten wird. (Wöchenschr.) Frankreich. Paris. Die vor einem Jahre gegründete Oaisse de la comunaute, welche durch freiwillige Beiträge namentlich für iSr. Religionsunterricht, Schulwesen überhaupt und andere Cultuszwecke, für die durch die Staatsbeiträge nicht genügend oder gar nicht gesorgt wird, eintreten soll, veröffentlicht den ersten Jahresbericht, welcher an Grundfonds 319,060 Frcs., an jährlichen Beiträgen 49,129 FrcS. nachweift. (Univ. Jsr.) England. London. Zur Warnung und Vorsicht für unsere Glaubensgenossen in Polen und Rußland wollen wir denselben mittheilen, daß die „Londoner Missionsgefellschaft zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden" vom Kaiser von Rußland die Erlaubniß erhalten hat, ihre Agenten nach Polen und andern Theilen Rußlands, wo Juden wohnen, senden zu dürfen. Seit dem Krimkriege war die Gesellschaft in Rußland verboten gewesen. (Jew. Chr.) Feuilleton. I«r Geschichte -er Israeliten in Metz. (Fortsetzung.) Eine Hochzeit ist ein fröhliches Ereigniß in der Gemeinde und versetzt unsere neugierige Frauenwelt in eine ungewöhnliche Aufregung. Die Trauung muß in der Synagoge stattfinden und kein Rabbiner hat die Befugniß, einem Brautpaar außerhalb der geheiligten A^ärrme seinen Segen zu der ehelichen Verbindung zu ertheilen, er käme denn mit der Administration der Synagoge in eine unangenehme Collision. Das Warum wird aus dem Berichte erhellen. Die Trauungen werden gegen 1 Uhr Mittags vorgenommen. Zu denselben findet sich gewöhnlich ein großes Auditorium ein, zu welchem das weibliche Geschlecht das zahlreichste Kontingent stellt. Vor allen sind hier vertreten die Freunde und Bekannten des Brautpaares, die durch eine gedruckte Einladungskarte gebeten werden, der Feierlichkeit des Trauungsaktes beizuwohnen. Diese sind durchaus nicht zu den HochzeitSgasten zu zählen, und ihre Rolle endigt mit genanntem Acte. Dann bemerkt man eine Anzahl weiblicher Personen, die einzig durch die Neugier herbeigelockt werden, um sich für mehrere Tage Unterhaltungsstoff über die Braut und ihre Toilette zu holen. Deren Rolle endigt schon gewöhnlich bei der ersten Hälfte der Rede des Rabbiners. Die Hochzeitsgäste, sowie das Brautpaar, und wäre es selbst das ärmste, kommen dann kurz vor der festgesetzten Zeit der Trauung in Droschken vor der Synagoge an, wo sie vor dem daselbst sich befindenden Gitter eine neugierige Menge zu passiren haben, die grade zur staute volee nicht gezählt werden darf, aber durch eine ausdauernde Geduld sich hevorthut. Diese Klasse von Neugierigen, welchen man den Eintritt in die geheiligten Räume untersagt, sammelt sich gewöhnlich schon mit dem zwölften Glockenschlage und deren Nolle ist erst mit dem Davonrollen der letzten Droschke als beendigt anzusehen. Dem scharfen Auge dieser Pflastertreter entgeht dafür auch nicht der kleinste Umstand an dem ganzen Aufzuge, und sie können noch nach Monaten sagen, ob der Schleier der Braut zu lang oder zu kurz war, oder ob an dem Handschuh derselben ein Knöpfchen fehlte. Wehe der Armen, wenn nicht alles comme il kaut war. Treten wir jetzt ins Innere der Synagoge. Der Kenner sagt uns augenblicklich, ohne die anwesende Gesellschaft zu mustern, wie reich das junge Paar mit Glücksgütern gesegnet ist und dieses ist sehr einfach. Einige Worte mögen uns darüber Aufschluß geben. Es besteht hier der Gebrauch, die Hochzeiten in vier Klassen einzutheilen und zwar: Die erste Klasse, bei welcher sämmtliche Gasflamme» der Synagoge angezündet und verschiedene Arrangements zur Feierlichkeit getroffen werden, die bei der zweiten Klasse vermißt werden und hat diese auch weniger Gasflammen, weniger Distingirtes, die dritte noch weniger Flammen^ die vierte und letzte wenig Lichter, wenig Glanz und wenig Gäste. Die erste Klasse kostet gegen 500 Frcs. (selbstverständlich nur für den Trauungsact, wobei noch nicht einmal die Gebühren für den Rabbiner berechnet find, wohl aber die für den Chasan sammt dem Chore) und die übrigen sinken verhältnißmaßig im Preise, so daß die letzte immer noch gegen 50—60 Frcs. kostet. Wenn ich nicht irre, erhält