Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-02-10 · Heft 6 (10.2.1875) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 6 (10.2.1875)
Date
1875-02-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447609--11259-2467036
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XVI. Jahrgang. Erste Seilage M Ar. 6 -es Israelit. Zeitungsnachrichten 4jr Eorrefporrdenze». Deutschland. München, 29. Januar. Gestatten Sie mir, Iren verehrten Lesern Ihres Blattes einen Carnevalscherz zu erzählen. In der jüngsten Gemeindesitzung wurde der Beschluß gefaßt, daß einige Mitglieder des Verwaltungskörpers nach Nürnberg reisen und sich über die Reformen der dortigen Synagoge unterrichten sollten, um dieselben auch hier einzuführen. Die Herren VerwaltungSräthe aus München werden andächtig und ehrfurchtsvoll auf die Gebete der Nürnberger Hopfenhändler Hinblicken, während der hiesige Rabbiner mit bangem Herzen die Modelle, welche ihm aus der Fabrikstadt mitgebracht werden, erwartet. Wir werden über diese Entdeckungsreise noch Näheres berichten. München, 31. Januar. Seit mehreren Monaten wurde auch hier, wie in anderen Gemeinden, ein bin "in-Verein gegründet, welcher sich stets zunehmender Betheiligung erfreut. Im Allgemeinen gewinnt das hiesige orthodoxe "apjr anp stets mehr und me r an Anhängern und tatkräftigen Mitgliedern pns» pi naV» p. Das Budget wird nicht mit Reisekosten belastet, da ein inaitp ■)ny weit billiger zu stehen kommt, als eine Fahrt nach Nürnberg welch einige Mitglieder der hiesigen Verwaltung demnächst antreten werden, um sich über die dortigen Reformen bei dem großen Talmudgelehrten (?!) Lewin belehren zu lassen. Laupheim. Ein großer Theil der Israeliten zu Ulm ist mit Herrn Vorsänger Einstein in seiner Eigenschaft als sn-tf gar nicht zufrieden. Auf dieses hin, und zudem das Schächten ein Frcigewerbe ist, hat sich Herr Kleinkinderlehrer Bernheim hier, ein Neffe des Einstein und ebenfalls Schächter, in Ulm etablirt. Seit nach dem Laubhüttenfefte ist er dort und erfreut sich einer bedeutenden Kundschaft. Herr Einstein, höchst entrüstet, daß Herr Bernhcim so gut die Rolle „des Neffen als Onkel" zu spielen versteht, gibt sich alle erdenkliche Mühe, seinem unliebsamen Concurrenten den Garaus zu geben, ihn aus der Festung zu verdrängen. Hiebei gehen ihm die weltlichen Mitglieder des Vorsteheramts hilfreich an die Hand. I Unter der Firma: „Israel Kirchenvorfteheramt." I haben dieselben einen Aufruf an die Gemeindeglieder erlassen, worin sie diese ersuchen, ihr Fleisch tttt* von denjenigen Metzgern zu beziehen, bei denenHerrEinstein dasSchächten besorgt, denn nur hier ist vorsteheramtliche Fürsorge getroffen, daß nur koscheres, wirklich koscheres Fleisch abgegeben wird. Merkwürdig! Männer, die sich Jahr aus Jahr ein um jüdische Angelegenheiten wenig oder nicht bekümmern, die Sabbat und Festtage, Peßach, Suckah und Lulaf, Mikwah u. s. w. u. s. w. mißachten und sogar Talisaussetzen im Gotteshause mit Strafe belegen, diese stellen sich auf einmal auf orthodoxen Boden und rufen: kaufet nur koscheres Fleisch, Einstein'scheS! Du fragst, lieber Leser, ist der Rath wirklich eine caff Offt> nsy oder ist er nur ein a’jy rooa? Die Frage ist richtig gestellt, und die Antwort wirst Du Dir selber zu geben vermögen, wenn wir Dich weiter wissen lassen, daß die Herren Vorsteher einen zweiten Antrag gestellt, „auch das Geflügel nut vonEinstein schachten zu lassen." Und warum das? Mache» vielleicht die Vorsteher abwechslungsweise den 122 by iciy, daß ihre Gemeindegenossen ja nur koscheres Fleisch erhalten? O nein! DaS nicht, yorj -a.i 121 -)io, „zuletzt bekennen die Herren Farbe: „nur auf solche Weife," schließt ihr Rundschreiben, „kann verhütet werden, daß Vorsänger Einstein in einem wesentlichen Theile seines Einkommens beeinträchtigt wird". Dieser Gedanke ist das yovi ba.-i -ot *)*d, nicht aber die Fortsetzung jenes Salomonischen Wortes: rmso nxi tn' dtPn. Lnnpheim (Württemberg). In der Nacht vom 28/29. Januar wurde in der frequentesten Straße Laupheims, zwischen 9—10 Uhr» die 60jähr. Haushälterin des Handelsmannes I. Obernauer, — Mina Lövinger —, als sie allein zu Hause war, raubmörderisch mittelst eines RasirmesserS hingeschlachtet. Des Thäters, der sich einiges Geld und werthvolle Gegenstände mitgenommen, ist man noch nicht habhaft. Berlin. Unser Glaubensgenosse, der Arzt vr. Straßmann, wurde zum Vorsitzenden der Stadtverordneten von Berlin erwählt. Es ist das erstemal, daß einem Juden ein solch wichtiger Posten übertragen wurde.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.