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Der Israelit · 1875-02-10 · Heft 6 (10.2.1875) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 6 (10.2.1875)
Date
1875-02-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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120 Feuilleton. Schuld und Sühne. Erzählung aus dunkler Zeit von Ad. v. Z emlinsky. 9. Triumph des Verbrechens. . In einem warmen Gemache im Hause des reichen Geldmaklers Aron Eisik saß dieser an einem großen Tische, emsig damit beschäftigt, Geldstücke zu zählen und in kleine Leinensäcke zu binden. Ein Klopfen an der Thüre störte ihn in dieser Beschäftigung. Unmuthig darüber schob er das Geld in eine große Lade, dann rief er dem vor der Thüre Harrenden zu, einzutreten. Auf der Schwelle erschien — Ephraim Manasse. Hat Dich Niemand gesehen, Ephraim, als Du in mein Haus eintratest? rief Aron Eisik ihm entgegen. Mußt vorsichtig sein — denn wenn Man wüßte, daß Du zu mir kommst — dann könnte es uns Beiden übel ergehen. Das Gesetz ist streng — und streng wird es gehandhabt. Ich weiß es, Aron Eisik — ich weiß davon zu erzählen. Das Gesetz in der Prager Judenstadt wird eben gehandhabt, wie es gerade passend ist. Oder ist es vielleicht recht gehandelt gewesen, daß man mich mit dem Bann belegte, weil ich — die schwindsüchtige Tochter des Gerson Levi nicht heirathen wollte — weil mir Eure Tochter — und Eure Freundschaft besser — darum nannte man mich einen — was weiß ich Alles. — Was ist jetzt zu machen, Ephraim — Du weißt, ich bin Dir gut — doch — — Ich weiß, was Ihr sagen wollt, Aron Eisik — Ihr meint, wegen des Bannes. Dafür kann Rath geschafft werden. Ihr ladet einige Männer zu Euch — die sollen den Bann von mir nehmen. Der Rabbi ist todt — und daher nach dem Gesetze gehandelt. Du hast Recht, Ephraim — so soll eS geschehen, wie Du gesagt — doch, bist Du einverstanden damit — so soll dieß nicht hier in Prag, sondern irgendwo anders geschehen. Bist Du damit einverstanden, so wollen wir heute noch Alles packen und ziehen nach Frankfurt a. M., wo auch Deine Heirath mit Sarah stattfinden soll. Ihr habt Recht, Aron Eisik — Ihr habt immer Recht — wir wollen fort von hier. Nach dem, was vorgefallen — ist auch mir der Aufenthalt hier lästig. Wohlan, wir wollen noch heute Abend unsere Reise antreten. Es gehen überhaupt hier in Prag sonderbare Dinge vor, sagte Aron Eisik. Kaum sind wenige Tage verstrichen, seit der Rabbi Moses Hirsch von der verruchten Hand eines Mörders getroffen wurde — und schon wieder erzählt man sich eine unheimliche Geschichte. Hast Du gehört, Ephraim? Heute in der Frühe haben mehrere Lente außerhalb des Hradschiner Stadtthores, mitten auf dem Felde, im hohen Schnee, die Leiche des alten, schwachsinnigen Schneiders Ehrenzweig gefunden. Er lag mit dem Gesichte im Schnee eingefroren, und Mühe hat es gekostet, um seine Leiche loszubringen. Wie er dort hinausgekommen — so ganz mutterseelenallein — Gott mag es wissen. Jedenfalls ist und bleibt es eine unheimliche Geschichte. Ephraim Manasse war unmerklich zusammengezuckt, als Aron Eisik zu erzählen begonnen hatte — doch bald war er wieder gefaßt und hörte ruhig zu — als hörte er jetzt zum ersten Male davon. Wahrscheinlich, sagte er, ist er in einem Anfalle seines Wahnsinnes in's Freie geeilt — dort hat ihn die Kälte ereilt — er hat sich niedergelegt und ist erfroren. Kannst recht haben, Ephraim — ich Hab' mir die Sache auch auf solche Weise erklärt. Doch — damit wir auf unser früheres Gespräch zurückkommen. Heute Abend reisen wir. Du gehst voraus; außerhalb der Stadt treffen wir uns. — — Gelungen ist mein Plan — ich Hab' gesiegt, frohlockte Ephraim, als er das Haus des Aron Eisik im Rücken hatte. Die^Geldsäcke sind mein. Jetzt gehe ich von hier — geschmäht — verachtet — verflucht. Doch wenn ich wiederkehre — ich schwöre es — sie werden er fühlend— bereuen sollen sie es Alle — demüthig auf den Knieen s ollen sie vor mir' liegen — um Gnade winseln s ollen sie gleich Hunden. Ich will mich rächen — und .dazu sollen^ die Geldsäcke des Aron Eisik dienen. (Fortsetzung folgt.) %Ut$u zwei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. «oltrleben'S Buchdruckern (Mainzer Anzeiger).

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