Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1875)
- Date
- 1875-02-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447603-2447609--11256-2467033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 lunfl zu beschweren; er kann die Behandlung selbst sowie die unparlamentarischen Ausdrücke nicht durch die Jugend des Beamten entschuldigen; nur legt er dem Angeklagten, der auf ihn den Eindruck macht, als ob er Alles, was er schreibt, wohl erwägt, zur Last, daß er wider besseres Wissen einige Ausdrücke, z. B.: er sei mit einer Fluth von Schimpfwörtern, mit einem Bataillon Donnerwetter e, tlassen worden, in seiner Beschwerde gebracht habe; — bei der Stellung und Bildung des Lehrers sei dieses nicht zu entschuldigen, — wenn er auch anerkennt, daß hier mildernde Gründe Vorlagen, dennoch aber seinen Antrag anfrechtcrhält. gegen bat Angeklagten eine Gcfängnißstrafe zu erkennen io geschehe es, damit das Publikum nicht zu der Annahme verleitet werde, gegen Erlegung einer Geldstrafe auch einen Beamten im Dienst beleidig'N und verleumden zu dürfen. Der Gerichtshof schließt sich dem Antrag de- Staatsanwalts nicht an, und bestätigt nur das Urtheil des Scöffengerichts, wonach der Lehrer Wolfs nun endgiltig zu einer Geldstrafe von 10 Thalern verurtheilt ist. Zieht man aus diesem Processe, der die Gewnther der umwohnenden Israeliten in nicht geringe Aufregung gesetzt hat, das Resume, so ist das Ergebniß: ern und kein Ende! Der Herr Lehrer Wolfs, welcher sich weit über seinen Wirkungskreis hinaus durch seine literarischen Leistungen des besten Nufes erfreut, — wollte dem Haust eitel in seiner Gemeinde steuern; er gründet zu diesem Zwecke eine Unterstützungskasse, urd Diejenigen, von denen cs heißt: c6i in1 o^riN;:n’, klagen ihn an, der nur Gutes wollte. Durch diese Klage entsteht die Beamtenbcleidigung, welche, da sie nicht grundlos war, nie vor das Forum des Gerichtshofes gekommen wäre, wenn der ursprüngliche Zeuge H.' Herz (Jude) nicht gewesen wäre, welcher den Beamten in seiner Aussage unterstützt. Ein Nichtjude, sogar Beamter und Actuar desselben Beamten, spricht unverhohlen und rettet den Angeklagten vor Gefänginßstrafe. Auch dem Lehrer Wolfs, trotzdem er korrekt gehandelt, können wir einen Tadel nicht vorenthalten. Er hat seinen Bericht mit einigen Ausdrücken o.usgeschmückt, die er nicht beweisen kann; wäre dieses nicht geschehen, es wäre ihm, und Allen, die an ihm Interesse nehmen, und dieser sind in unserem Lande nicht wenige, — viel @orge erspart worden. Der größte Theil der Israeliten Kuppenheims hat ihm die bittere Pille etwas versüßt, indem die Majorität der Gemeinde seinen Gehalt um ein Drittel der bisherigen Summe erhöht , und, wie wir Horen, ihm acht Mitglieder der Gemeinde den größten Theil der sehr bedeutenden Proceßkosten ersetzt haben. dbj Frankreich. Paris. (Monatsbericht der „All. Jsr. Un.") Nach einer Correspondenz aus Bukarest hat die Eröffnung der rumänischen Kammern stattgefunden, ohne daß die hierbei gehaltene Thronrede des Fürsten auch nur ein Wort zu Gunsten der Juden oder irgend eine Erwähnung von dem Art. 8 des Spirituosen-Gesetzes enthalten hatte. Weit entfernt, daß die Lage der Israeliten sich gebessert hätte, sind vielmehr neue Feindseligkeiten gegen dieselben vorgekommen; man hat den jüdischen Aerzten ihre Gemeinderechte bestritten, und der dieserhalb schwebende Prozeß sollte am 13./25. December pr. verhandelt werden. — Andere Correspvndentcn behaupten jedoch, daß die Regierung entschlossen sei, bei den Kammern des Landes die Aufhebung Art. 8 des Spirituosen-Gesetzes zu beantragen und für denselben ein Gesetz einzubringen, nach, welchem den Gemeinden selbst die Ertheilung von Schankberechtigungen überlassen sein soll. — Das ist benachrichtigt worden, daß der Präfect von Busen (Walachei), H. P. Felitti, früherer Deputirter, sich den Israeliten sehr wohlwollend beweist; derselbe hat einen Beschluß des dortigen Magistrats, der die Israeliten von der Theilnahme an Lieitationen ausschloß, aufgehoben und erklärt, daß, nachdem er im vergangenen Jahre auf seiner Reise im Auslände sich überzeugt habe, welche Stellung die Juden in anderen Ländern einnehmen, er alle seine Kräfte zur Besserung der Lage der Israeliten in Rumänien ausdieten wolle. — Die geheime ottomanische Gesellschaft von Smyrna fangt wieder an, sich bemerkbar zu machen. Einige ihrer Mitglieder sollen vor einiger Zeit jüdische Musikanten in einem Cafe ihres Quartiers gewaltsam zurückgehalten und gezwungen haben, die ganze Nacht ohne jede Remuneration für sie zu spielen. Jedenfalls werden die Juden des genannten Quartiers wieder von den Muselmännern belästigt und scheinen die bis jetzt gegen jene Gesellschaft ergriffenen Maßregeln erfolglos gewesen zu sein. Das Count« von Constantinopel, dar sich bereits mit dieser Angelegenheit beschäftigt hat, bedauert, daß die Israeliten von Smyrna sich nicht an die Behörden ver Stadt wenden, die sicher jene Unruhestifter bestrafen würden. — Die Affaire der beiden israelit. Mädchen von Elmeckenine (Tunis), von der im November-Bericht pr. die Rede war und die eine günstige Wendung nehmen zu wollen schien, stellt sich jetzt