Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1875)
- Date
- 1875-02-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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116 G ebote des Ewigen Eures Gottes, die ich Euch gebiete, unsere hl. mm nur ihrem wahren Sinne nach und so gelehrt, wie er sie vor seinen großen und ausgezeichneten Lehrern, zu deren Füßen er seine ganze Jugend verbracht, empfangen habe. Also auch das zweite Kennzeichen eines wahren n"n besaß der Verblichene ganz in dem Sinne, in welchem es unsere O'Cjn in ri’jyn auffassen "icwff n' n iaw ^naa n»p uwp n"n ^a : ’ttw am o«i yVo prs’ ^'üsai 'n djo Bwa nai na «Sn „Ein Talmudgelehrter, der nicht fest ist wie Eisen, ist nicht als ein solcher zu betrachten", denn die h. Schrift sagt: „Mein Wort ist wie Feuer, spricht Gott, und wie ein eiserner Hammer, der den Felsen zerschlägt." — Obwohl mit aller erdenklichen Sanftmuth und Geduld, so doch beharrlich und fest, nicht wankend und nicht weichend von den Satzungen unserer hl. mm, war das Lehren und Wirken des Verstorbenen. — Als das dritte Kennzeichen eines wahren n"n endlich bezeichnen unsere Gelehrten die Eigenschaft, welche im höchsten Grade nur unser Lehrer wan r.K’D besaß, von welchem cs heißt: ncittn »;b ‘ry n»« on>n rae ind uy nvo trjcn, „Moses war sanftmüthig, mehr als irgend ein Mensch auf der Erde." Redner citirt sodann zwei auf diesen Vers bezügliche Talmudstellen. Mit rhetorischer Geschicklichkeit leitete er aus denselben die Prädikate ab, die einen uy s?\v zieren und schilderte mit lebhafter Begeisterung, wie dem Moses, ' -i urwc npS “tc\v, den Gott jetzt von uns genommen, alle diese Prädikate im hohen Grade eigen waren, so daß wir mit Recht ausrufen dürfen: innaacji nn*n naio pi’Vmo ind uy nvo „Wir besaßen eine kostbare Perle uud sie ist uns verloren gegangen." Der Herr Rabbiner stellte sodann mit Zugrundelegung zweier sich scheinbar widersprechen o'K>m^, die er mit, von großer talmudischer Kenntniß zeugender Geschicklichkeit in Einklang brachte, eine Betrachtung an, wie schwer gerade in der Jetztzeit der Verlust eines n"n empfunden werde. Bezugnehmend auf die beiden citirten D’Kmc, führte Redner sodann aus, daß B'P'-ü»' rrm, daß der Tod der Frommen, nur dann ->rnv sei, nur dann eine Versöhnung vor Gott herbeiführe, wenn die Welt naucm thue, und mit begeisterten Worten zur narnrn und zur Beschäftigung mit der mm, dem Hauptelemeut des Verstorbenen, der sich von seiner frühesten Jugend bis zur letzten Minute, Tag und Rächt mit mm beschäftigt, auffordernd, schloß der Herr Rabbiner mit den ÄZorten: ^a ui*kd am’ amn .Y'i uv neyn nos:n man )wvb itta« unycn nnc na an ]U’ ^ai ^>ax „Möchteit scin Sechuth unS und seiner schwer heimgesuchten Wittwe und Familie beistehen, möchte der allgütige Gott jede Trauer, jeden Kummer und jedes Leid von uns fern halten, möchte er unsere Thränen trocknen und unsere Trauer in Freude verwandeln." *a ^yo nyon 'n '» nnoi men yPa :nDsuw dd ]DN nOiUI P'UV N31 TD'.I löy OStm D’JD Baden-Baden, im Januar. Der im vorigen Jahre in den politischen Zeitungen Badens vielbesprochene Proceß gegen den israel. Lehrer Wolfs von Kuppenheim (Verfasser der bekannten Broschüre: „Handel und Schacher der Juden"), wegen verleumderischer Beleidigung eines Großh. Beamten, fand vor Kurzem den endgiltigen Abschluß vor der Straf- und Rekurskammer in Carlsruhe. Sowohl die Anklage selbst, wie auch der ursprüngliche Grund, als auch die Verhandlungen dürften von den Lesern dieses geschähen Blattes nicht ohne Interesse verfolgt werden, und könnte Mancher bei Präjudizfällen daraus Belehrung schöpfen. “ic 'ai ia rpinn -joy mrawn neao *>aä .im noet *]’n« Das scheint die Genesis des Processes gewesen zu sein. Herr Lehrer Wolff von Kuppenheim wurde durch die vielen durchreisenden Armen, welche täglich nach K. kamen, veranlaßt, seiner Gemeinde die Einrichtung einer Unterstützungskasse zu empfehlen, woraus jedem hilfsbedürftigen isr. Reisenden ein Almosen verabreicht werden sollte. Obgleich nun bei dem bekannten, weit und breit berüchtigten Parteihaß der Israeliten in Kuppenheim selten ein einheitliches Wirken zu verzeichnen ist, so fand doch dieser Vorschlag bei allen Parteien lebhaftesten Beifall und Anerkennung. Es wurde nach dem Vorbilde anderer Vereine eine Unterstützungslasse constituirt, deren Mitglieder sich verpflichtetem regelmäßig wöchentliche Beiträge zu zahlen. Der Lehrer, zugleich Mitglied des Vereins, übernahm unentgeltlich die Führung des Buches und die Austheilung der Bon's. Zwei Gemeindemitglieder, welche dem Verein nicht beigetreten, verhielten sich trotzdem nicht passiv, sondern agitirten in einer solchen Weise gegen den Verein, daß sie z. B. dem Schriftführer die durchreisenden Armen mit dem Bemerken zuschickten, er möchte diesen oder jenen Armen ein besonderes großes Almosen aus der Kasse anweisen, eine Aufforderung, der, von den Polen namentlich, auf die zudringlichste Weise nachgekommen wurde. Der Schriftführer theilte dieses Verfahren, das sich öfters wiederholte, den Vereinsmitgliedern mit, und wurde unter Zustimmung des Synagogenraths beschlossen, fortan jedem Armen, zugleich mit einer Anweisung auf die Kasse, auch ein Berzeichniß der Nichtmitglieder zu geben, damit die Mitglieder