Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1875)
- Date
- 1875-02-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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115 die Thiere, nachdem sie in der geforderten Bruneau'schen Weise getödtet, sofort hinterher zu „schachten"!!! — Von allen Eulenspiegeleien und Schildburgereien, die man erzählt, hat wohl noch keine diese erreicht. Was ist dagegen der Mohr, der von einer Schweizer Behörde mit Seife und Bürste weiß gewaschen werden sollte, oder die Kirche, die man auf Erbsen'wegschieben wollte? Glücklicher Negierungsrath des Cantons St. Gallen, Du hast Dich unsterblich gemacht für alle Ewigkeiten! Dein Erlaß: „Es bleibt den Israeliten freigestellt, nach erfolg ter Tödtung desViehes die Methode desSchächtens nachträglich sofort anzuwenden" — dieser Erlaß wird sprichwörtlich werden und ein dauernderes Denkmal sein der Weisheit des Regierungsraths von St. Gallen als ein Monument von Erz'. Die Angelegenheit geht jetzt an den Bundesrath und spitzt sich demnach zu einer allgemeinen Angelegenheit der Schweizer Israeliten zu. Mögen diese nicht versäumen, dahin zu wirken, daß die Entscheidung des Bundesraths so ausfalle, wie es die Billigkeit und die Gerechtigkeit erfordern. Mainz, 5. Febr. Die Philippson'sche Zeitung fährt ununterbrochen fort, uns zu beschuldigen, daß wir die Angaben über die im Jahre 73 vollzogenen Judentaufen erfunden hätten, während es doch allgemein bekannt ist, daß jene Angaben fast die gefammte deutsche Presse durchzogen, ehe wir Notiz davon nahmen. Zu unserer unaussprechlichen Freude erfahren wrr aus authentischen Quellen, daß die mitgetheilten Zahlen, die mit Recht ein peinliches Aufsehen erregt haben, furchtbar übertrieben sind und daß im Ganzen in den altpreußischen Provinzen in dem genannten Jahre nicht mehr als 55Uebertritte vom Judenthume zur evangelischen Kirche stattgefunden haben sollen. Es sind das freilich auch noch viel $u viel. Harmrt. Vergangenen Sonntag, Dutca hielt Herr Rabbiner Felsenstein '"J in der Synagoge zu Hanau vor einem zahlreich versammelten Publikum ein mDn über das Ableben des nWy-wncr nB'D -n"mD j^sidi jfean ^mn niNcn mn Der Herr Rabbiner wies zunächst nach, an den Ausspruch des Talmud anlehnend, *?:n ddh vunp, „wenn ein Talmudgelehrter stirbt, so haben sich Alle als seine Verwandten zu betrachten," daß es Pflicht aller Israeliten sei, den Tod eines n"n zu bedauern und zu. betrauern. Er halte sich daher um so mehr verpflichtet, am hiesigen Platze den Verstorbenen T£do zu sein, dieser Trauer durch gemeinschaftliche Andacht Ausdruck zu verleihen, als Herr Rabbiner Schwarzschild b*s"i in Hanau geboren und erzogen wurde, daselbst den ersten Grundstein zu seiner rabbinischen Ausbildung gelegt und bei seinen zahlreichen hiesigen Freunden, um seiner ruvmi min, seiner ungeschminkten Frömmigkeit und seines ausgezeichneten Charakters willen, im besten Andenken fortleben wird. Hierauf schilderte der Herr Rabbiner das Leben und Wirken des sel. Verblichenen und zeigte, daß derselbe die drei Eigenschaften, die unsere Weisen als die Kennzeichen eines jüd. Volkslchrers bezeichnen, im hohen Grade besaß, so daß man mit vollem Rechte von ihm ausrufen könne: mijn irp?a nm pok min 3’tfn omi ’nx *pn narom dPpj , itieüpzj nsqj xi? — .vpdd üppin min .npn noir ps 'NLp -d — .'Ips „Die Lehre der Wahrheit war in seinem Munde, und Falsch ward nicht gefunden auf seinen Lippen, in Frieden und Redlichkeit wandelte er mit mir, und Viele brachte er von Sünde zurück. Denn die Lippen des Priesters sollen die Erkenntniß wahren, und Lehre soll man suchen aus seinem Munde" Was der Prophet mit diesen Worten andeuten will, erklärt der Talmud mit folgenden Worten [□";/ Ji (mnJD)] — rrn n&o ofttv epn? aniM pnx bux mn rx jnn vip> mn mx min noxjzf n>3r6 Di« p d:^ o’poi /ui lmeu Moses. sprach: „Das Recht durchbohrt den Berg, aber der Volkslehrer Ahron, er liebte den Frieden, er machte Frieden zwischen einem Menschen und dem andern," denn so heißt es in der hl. Schrift: „Die Lehre der Wahrheit war in seinem Munde" rc. Mit dieser Erklärung des Prophetenrvortes führte nun der Herr Rabbiner aus, sei uns aber das erste Kennzeichen eines wahren Volkslehrers gegeben, nämlich Frieden zu stiften unter den Menschen, und schilderte nun mit beredten Worten, wie es stets das Streben des Dahinzegangenen gewesen, den Frieden in drn Gemeinden seines Kreises zu erhalten, Frieden zu stiften unter allen, die seiner geistlichen Leitung anvertraut waren, und wie es ihm nicht selten gelungen, selbst solche Streitigkeiten auf friedlichem Wege zu schlichten, die schon ihrer richterlichen Entscheidung harrten und so die streitenden Parteien noch im letzten Augenblick auszusöhnen. Dem sel. Verblichenen gereicht es aber zur besonderen Ehre, daß er diesen Frieden nicht, wie dies leider heutzutage so oft geschehe, durch Nachgiebigkeit oder gar durch Gleichgiltigkeit in relig. Dingen erkauft, daß er vielmehr, den Worten der heit. Schrift gemäß: ,ueo ljnin nbi asn« rosa ’DJN iipn -oin by iron k*? ddh# rosa ojk ~\vk dsm niso nt« „Thut nicht hinzu zu dem Worte, das ich Euch gebiete und nehmet nicht davon, zu beobachten die