Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1875)
- Date
- 1875-02-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVI. Jahrgang. Erste Geitage)» Nr. 5 des Israelit. Zeitungsnachrichten Corresporrbenzen. Deutschland. Mainz, 20. Januar. Der Berliner „Figaro" enthält die nachstehende Erzählung, die wir zur Charakteristik der modernen Reform-Rabbinen hier wiedergeben. ton nx 'mjn "ddhi, „mit Geld kann man das Recht, die schwersten Sünden zu thun, erkaufen!!" Der Bericht lautet: Folgender Zug aus dem Leben des kürzlich verstorbenen Ober-Rabbiners Di*. Geiger verdient wohl der Oeffentlichkeit übergeben zu werden, als ein Zeichen der Toleranz dieses Geistlichen. — Vor einigen Jahren wanderte hier ein polnischer Jude, aus Connin, ein, der, als er seine Toilette nothdürftig geordnet hatte, den Rabbiner vr. Geiger aufsuchte. Diesem stellte er in bewegten Worten vor, daß er der Vater von 10 Kindern sei, worunter 6 Töchter wären; es hätte sich zu der ältesten ein Freier gefunden, allein er sei zu einer Mitgift zu arm, da hätte er sich denn erinnert, daß der reiche Banquier H. hier ihm ziemlich nahe verwandt sei, deßhalb wäre er nach Berlin gereist und bitte nun den Rabbi, bei diesem Banquier H. ein gutes Wort für ihn einzulegen, vr. G. versprach dies nicht nur dem alten Manne, er ließ auch sofort den Banquier H. zu sich bitten, der für den nächsten Tag zusagte. Gleichzeitig mit letzterem war auch der alte Mann bei vr. G. erschienen, dessen beredten Worten es sehr bald gelang , nicht nur H. zu veranlassen, die Familienbande mit dem Conniner anzuerkennen, sondern demselben auch die namhafte Unterstützung von 300 Thlr. und außerdem die Reisekosten zu gewähren. Freudetrunken und dankerfüllten Herzens gegen G. sowohl wie H. reiste der glückliche Vater in seine Heimath zurück. Wie erstaunte aber vr. G., als am Freitag der zweitnächsten Woche der alte Mann plötzlich zu ihm in's Zimmer trat, dessen verstörtes Wesen ihm nichts Gutes verkündete. Ganz untröstlich erzählte dieser nun dem vr. G., daß er jenseits der Posener Grenze in einer Nachtherberge seines ganzen Vermögens beraubt worden wäre; es wäre ihm also nur die Alternative geblieben, als Bettler zu Hause zu gehen, oder nach Berlin zurückzukehren, welches letztere er vorgezogen hätte und nun den Rabbi um seinen Rath, Trost und seine Hilfe bitte. „Ich glaube Ihnen, was Sie mir sagen," erwiderte der Doctor, „wird aber der Banquier H. es glauben? Doch," fuhr der Doctor fort, „der Sabbat ist vor der Thür, hier haben Sie 2 Thlr. zu Ihren Bedürfnissen für morgen und kommen Sie am Sonntag wieder zu mir." — Als am Sonnabend Vormittag Dr. G. aus der Synagoge kam und eben von der Oranienburg erin die Rosenthalerstraße bog, stand er plötzlich dem Banquier H. gegenüber, der eine brennende Cigarre im Munde hatte, diese jedoch beim Anblick des Geistlichen erschrocken in die hohle Hand nahm und seitwärts hielt; G. schien dies nicht zu bemerken , in seiner freundlichen Weise bat er H., ihn in seine nahegelegene Wohnung zu begleiten. Run erzählte der Rabbi dem Gaste das Unglück des alten Mannes, der viel beklagenswerther als früher sei, da er ja zwischen seiner Armuth von vor 14 Tagen und heute den Werth eines Vermögens kennen gelernt hatte. Dieser Deduction könnte H. nicht widerstehen, er bewilligte dem Verwandten noch einmal die frühere Summe. Sich erhebend griff H. nun mit der einen Hand nach dem Hute, während er mit der anderen heimlich die Cigarre aus demselben nahm. Sich umwendend nahm der Doctor jetzt eine kleine Schachtel schwedischer Streichhölzer und diese dem Gaste überreichend sagte er sanft und fein: „Nehmen Sie, Herr H., und brennen Sie sich Ihre Cigarre an, die wohl erloschen ist. Wer so wohl zu thun versteht, wie Sie, der darf sich an einem Sabbat solche Sünde erlauben!" Der Ablaß, der vollständige Ablaß! Mainz. Die jüd. Publicistik hat sich in neuerer Zeit wieder um drei Zeitungen vermehrt. In Preßburg derscheint in hebräischer Sprache „Hajehudi", iu London in englischer Sprache „The Jewish Times" und in Baltimore in englischer und deutscher Sprache „The Jewish Chronicle". Amerika. New-N^k. Herr Samuel A. Lewis, Mitherausgeber des „Hebrew Leader", ist zum Präsidenten des Board of Alderman der Stadt New - Aork erwählt worden. Wenn der Mayor abwesend, besitzt Herr Lewis die höchste Gewalt über die Stadt.