Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1875)
- Date
- 1875-02-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447603-2447608--11237-2467013- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
90 wesen trieb, ist nunmehr wieder besetzt. Herr Rabbiner M. Fuchs aus Szered, ein noch sehr junger, aber vielversprechender Mann, ist jüngst mit einer überwiegenden Majorität auf den Rabbinatsstuhl zu Papa berufen worden. Freilich hat das Ding' noch einen starken Haken. Herr Fuchs ist nämlich entschlossen, der ehrenvollen Vokation nur in dem Falle zu folgen, wenn vorerst die Bimah, die nächst der heil. Lade sich befindet , nach der Mitte des Synagogen-Schiffes transferirt würde. Diese Bedingung dürfte hie und da als kleinlich erscheinen; in Anbetracht der überhandnehmenden Reformsucht muß dieselbe jedoch als vollkommen berechtigt erscheinen. WolliN (Böhmen). In Nr. 2 dieses gesch. Blattes befindet sich eine Notiz aus Gaya in Mähren, welche berichtet, daß die jüd. Landesrepräsentanz von Böhmen auf die Anfrage der Regierung, ob das Institut des Kreisrabbinates sich bewährt habe und fernerhin zu belassen sei, mit „Ja" geantwortet hätte. Dieser mit apodiktischer Gewißheit in die Oefsentlichkeit gebrachten Nachricht muß eine Notiz aus dem ..Tagesboten aus Böhmen" vom 15. December 1874 entgegengehalten werden, wonach die genannte jüd. Landesrepräsentanz die bezüglichen Fragen der Regierung mit einem entschiedenen ..Nein" zu beantworten sich veranlaßt gesehen haben soll. Es ist auch kaum denkbar, daß irgend jemand, der mit den jüd. Gemeindeverhältnissen Böhmens vertraut ist, den Muth haben könnte, für dieses längst abgcthane Institut eine Lanze einzulegen. Schon im Jahre 1862 hat die in Prag abgehaltene Notabelnversammlung der böhmischen Juden mit fast an Einstimmigkeit grenzender Majorität die Aufiassung dieser Institution und die Einführung von Bezirksrabbinaten beschlossen, und nur die Rücksicht auf die zur Zeit im Amte befindlichen Kreisrabbiner hielt damals die benannte Versammlung ab, den Beschluß sofort in Ausführung zu bringen. Wenn nun auch die Beseitigung des Kreisrabbinates damals blos im Principe ausgesprochen wurde, so Halle dieser Beschluß dennoch die praktische Folge, daß seit jener Zeit kein vakant gewordenes Kreisrabbinat mehr definitiv, sondern blos provisorisch besetzt wurde. Ja, in neuerer Zeit wurde, gelegentlich der Erledigung des Pilsner Kreisrabbinates, von der Wiederbesetzung desselben ganz Umgang genommen; und zwar geschah dies hurch dieselbe jüdische Landesrepräsentanz, welcher > der Correspondent aus Gaya das ominöse „Ja"! auf „beide Fragen" in den Mund legt. j Uebrigens hat es mit der Organisation derjüd. Cultusangelegenheiten in Böhmen noch gute Wege; man übereilt sich hierzulande weder mit der Hinwegräumung unbrauchbar gewordener noch mit der Schaffung unbedingt nothwendiger Justin tutionen. Der böhmische Jude ist zunächst Geschäftsmann und dann — erst recht Geschäftsmann. Er läßt das bestehende Kreisrabbinat fortvegetiren, weil es ihm nichts in den Weg legt, und denkt sehr wenig an die Creirung des Bezirksrabbinates,. weil ihm das nichts einträgt. Gott besseres’ Wodltian (Böhmen), 25. Jan. Wenn die außergewöhnlichen Unglücksfälle, mit denen mich heimgesucht, mich auch nicht dienstunfähig machten; wenn ich '"i rw’2 meinen Pflichten der Gemeinde gegenüber wie früher Nachkomme; wenn auch mein nicht zu erschütterndes Vertrauen auf dem bjn mir Kraft gab, den vielen Schicksalsschlägen Widerstand entgegensetzen zu können, daß dieselben nicht vermochtenmich niederzubeugen: so haben diese mir doch meine frühere Lebens» energie geraubt, und mich unfähig gemacht, mit meinen Gesinnungsgenossen kampfgerüstet in den Krieg zu ziehen,' welcher auf religiösem Gebiete entbrannt ist. Wohl freue ich mich inniglich mit jedem Siege meiner Parteigenossen; wohl schmerzt es mich, wenn ich sehe, daß der Anhang des Götzen: „Materialismus," täglich sich vergrößert; aber zum Mitrathen und zum Mitthaten tauge ich nicht mehr. Wenn ich mich dennoch heute entschließe, die Feder zu ergreifen, so geschieht dies im Interesse des „Israelit", in welchen sich eine falsche Nachricht eingeschmuggelt, welche noch keine Berichtigung gefunden.' In Nr. 2 berichtet ein Correspondent aus Gaya: „Das Ministerium hat die jüd. Landesbehörde in Prag befragt, ob das Institut der Kreisrabbiner sich als ersprießlich bewährt habe und weiter aufrecht erhalten werde. Die Laudesbehörde beantwortete beide Fragen mit „Ja." Ob der Herr Correspondent dieses Frage- und Ai'.lwortspiel irgendwo gelesen, oder ob er mystisicirt wurde, hierüber möge er selbst Aufschluß geben. Gewiß ist, daß das hohe Cultusministerium bei der jüd. Landesrepräsentanz angefragt hat: ob das in Böhmen bestehende Jnstitnt der Kreisrabbiner aufgehoben werden soll, und diese Frage wurde bejahend beantwortet. Jos. Schüller, Rabbiner.