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Der Israelit · 1875-02-03 · Heft 5 (3.2.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 5 (3.2.1875)
Date
1875-02-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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89 Ut" durch seine früheren Artikel in dieser Zeitschrift und seine Werke, wie „Johann Gottfr. von Herder und die HumaniLätsbestrebungen der Neuzeit", „Alexander v. Humboldt und das Judenthum" u. s. w. rühmlichst bekannte junge Gelehrte, Dr. Adolph Kohut, früher Redacteur in Breslau, seit Jahren als Hauptredacteur der „Düsseldorfer Zeitung" fungirt, welches Blatt unter seiner Leitung einen großen Aufschwung genommen hat. Herr Dr. Kohut gehört zu den bekanntesten und geachtetsten Düsseldorfer Notabilitäten. Ly<k in Ostpreußen. Auf Antrag des Gemeindrvorstandes hat derCultusminister Falk genehmigt , daß am hiesigen Gymnasium den jüd. Schülern der Religionsunterricht durch den Religionslehrer der Gemeinde ertheilt werden kann und aus Staatsmitteln dafür 150 Mark bewilligt. O e ft e r r. - U n g a r. Monarchie. Aus OlMtttz, 29. Jan. Früh halb 9 Uhr meldet man der „R. Fr. Pr.": In einem kleinen Hofe der Frohnfeste wurde der Raubmörder Freuth soeben hingerichtet. Er hatte die Nacht wachend zugebracht und die Stunden gezählt. Um 6 Uhr Morgens schrieb er an seine Eltern einen Brief, worin er dieselben um Verzeihung bat. Der Neligionslehrer war von 6 Uhr ab bei ihm. Diesem übergab Freuth den Brief, dann segnete er den Kaiser und seine Richter, deren Urtheil gerecht sei. Hierauf wurde er aus seiner Zelle in den Hof geführt, wo nebst der Gerichts-Commission, den Aerz'ten und Berichterstattern nur einige Personen Platz fanden. Auf den Gängen der Frohnfeste und vor derselben hatte sich zahlreiches Publikum eingefunden. Freuth stellte sich vor den Galgen, 'neben ihm stand der Religionslehrer. Freuth sprach noch ein kurzes Gebet, bat hierauf die Anwesenden um Verzeihung und sagte: „Verzeihen Sie mir meine That, leben Sie wohl." Dann ergriff ihn der Scharfrichter Bott aus Brünn, die Knechte desselben entkleideten den Delinquenten, banden ihn fest, und der Scharfrichter vollzog die Hinrichtung. Freuth war bis zum letzten Augenblicke ziemlich kaltblütig, und nur einen kurzen Moment durchlief seinen Körper ein konvulsivisches Zittern. Der Brftf Freuth's an seine Eltern lautet: „Olmütz, 2d. Januar, 7 Uhr Morgens. Geliebteste Eltern! Noch iu den letzten zwei Stunden meines Lebens bekenne ich meine Neue, ich sterbe gerne, denn ich habe meine Sünden und Thaten mit aufrichtigster Reue und Buße bekannt, den letzten Trost und Segen erhalten und mein Wunsch, daß mir auf israelitischem Friedhofe nach unseren Ceremonien gehörige Bestattung zu Theil werde, erfüllt sich; wenn möglich, lassen Sie mir einen Grabstein sehen und alljährlich am 29. Januar 8 Uhr Morgens das Seelenlicht anzünden. Schließlich bitte ich fußfallend sich nicht zu grämen; bedenken Sie, daß Sie noch an so vielen unmündigen Kindern Vaterstelle vertreten müssen, trösten Sie sich, wie ich mich tröste, daß ich liebe Angehörige dereinst noch in froher Zusammenkunft begrüßen werde. Grüßen Sie alle Angehörige und grämen Sie sich nicht. Dies ist der einzige Wunsch Ihres zum Tode vorbereiteten Sohnes' Leopold. y27 Uhr, es ist noch anderthalb Stunden Zeit zum Gebete." Um 7*8 Uhr schrieb Freuth noch folgende Zeilen: „Gott beschütze Kaiser Franz Joseph mit seiner glorreichen Familie, der meine That, die ich noch in letzter^Minute bereue, gerechtmäßig strafte, und ich der Strafe mit beruhigtem Gemüthe mich unterziehe. Obiger. Die Schriftzüge des Briefes sind fest und verrathen keine Spur einer Erregung. Die Leiche wurde Abends auf den israelitischen Friedhof gebracht und dort beerdigt. Pesth, im Januar. Die hiesige orthodoxe isr. Gemeinde mit den Herren Sam. Äbeles und L. Weiß an der Spitze — faßte den löblichen Entschluß, kraft des ihr zustehenden autonomen Rechtes, einen Mann anzustellen, der der studirenden Jugend einen gründlichen Unterricht im V'jn und nix "N ertheilen soll. Bei dem Umstande, daß aus allen Enden des Landes die studirende Jugend nach unserer Hauptstadt strömt, involvirt dieser Beschluß, falls die Ausführung den löbl. Intentionen entspricht, eine Bedeutung von immenser Tragweite. Hauptsache hiebei ist, daß der Vorstand bei Anstellung des Religionslehrers das Recht einer strengen Controle sich Vorbehalte und dasselbe später auch gewissenhaft ausübe. Unseres Erachtens läge die beste Garantie für einen ersprießlichen Religionsunterricht darin, wenn derselbe nicht einem sonst von der Gemeinde unabhängigen Individuum, sondern einem Lehrer der Gemeindeschule übertragen würde, dem es doch weniger möglich wäre, der lästigen Controle sich zu entziehen. Glücklicherweise fthlt es der hiesigen jüd.-orth. Hauptschule nicht an Lehrkräften, die für dieses heilige Amt Beruf und Befähigung in vollkommen genügendem Maße besitzen. Der seit einer langen Reihe von Jahren vakante Rabbinatsposten zu Papa, auf drin Rabbiner Löw aus Szegedin bis zum Jahre 1818 sein Un-

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