Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1875)
- Date
- 1875-02-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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88 maligen Zeit gemäß, der Name Pietro Antonio Manin beigelegt, nach seinem Taufpathen, dem Bruder des damals regierenden letzten Dogen von Venedig, Luizi Mauin. Es war dies eine Sitte, welche an die ähnliche des alten Noms erinnerte, wo die Freigelassenen nach der Freilassung gleichfalls den Namen ihres bisherigen Herrn, der jetzt ihr Schutzherr wurde, annahmen. Stahr berichtet ferner, daß er Manin's Abstammung durch ihn selbst im Jahre 1855, da er als Exilirter in Paris lebte und sein Brod durch Unterrichtgeben erwarb, erfahren hatte. * * * Der Schreiber dieses ist noch nicht im Besitze eines Ordens, auch verspürt er durchaus nicht den Kitzel, sein Knopfloch für diesen Zweck blank zu halten, aber es freut ihn stets, wenn bei der alljährig stattfindenden Feier des Krönungs- und Ordensfestes in der Neichshauptstadt auch einzelner verdienter jüdischer Persönlichkeiten gedacht wird. So lesen wir in der Liste der am gestrigen Ordensfeste Decorirten folgende jüdische Namen: vr. Pincus, Medicinalrath und Stadtphysikus zu Königsberg in Preußen, der den Nöthen Adlerorden'vierter Classe und Geheim-Commerzien- Rath v. Bleichroder, der den Königlichen Kronenorden zweiter Classe erhielt u. m. Ä. Auch ein charakteristisches Zeichen der völligen Judenemancipation! A Düsseldorf, 22. Januar. Wie am ganzen Niederrhein, so nehmen auch in der Hauptstadt desselben, dem kunstsinnigen und schönen Düsseldorf, die Juden weder in socialer noch politischer Beziehung eine besonders hervorragende Stellung ein. Die Ursache dieser befremdenden Erscheinung liegt hauptsächlich in dem Jndifferentismus unserer Glaubensgenossen, der sich freilich nirgends so augenfällig bemerkbar macht, wie in Bezug auf die jüdische Religion. Während der religiöse, mitunter freilich fanatische Sinn der Bevölkerung christlicher Confession unverkennbar ist, zeigt sich bei den hiesigen Juden eine Lauheit und Flauheit hinsichtlich ihres religiösen Cultus und Ritus, die ganz furchtbar ist. Hierzu kommt noch der Umstand, daß das jüdische Wissen, das Studium der Bibel — von talmudischen Studien kann gar nicht die Rede sein! — und des hebräischen Schriftthums in Düsseldorf leider längst schon zu den überwundenen Standpunkten gehört. Dieser Umstand mag wohl auch dazu beigetragen haben, daß Herr Rabbiner Dr. Feilch'enfe'ld seinen langjährigen Düsseldorfer Wirkungskreis aufgab, um einem Rufe nach Posen Folge zu leisten, und daß auch Herr Rabbiner Dr. Plato lieber als Seminardirektor nach Ehrenfeld (bei Cöln) übersiedelte , da ihn das unjüdische Thun und Treiben Hierselbst angewidert haben mag. Es dürfte Sie, geehrter Herr Redacteur, interessiren, Einiges aus dem hiesigen Gemeindeleben zu erfahren. Für heute nur wenige Daten: Die hiesige jüdische Gemeinde hat 200 beitragende Mitglieder; die Elementar- und Religionsschule stehen gegenwärtig unter der Leitung des frommen und verdienten Oberlehrers Herrn N. Frank; die erstere ist eine öffentliche, wird seit einigen Jahren von der Stadtkasse erhalten und zählt ca. 50 Schüler und Schülerinnen, die letztere hat deren circa 90. Seit Jahrzehnten befand sich die Synagoge in einem äußerst verwahrlosten Zustande, bis es endlich den Bemühungen einzelner opferfreudigen Glaubensgenossen — man kann dieselben an den Finger abzähten, und es bleiben noch Finger übrig! — gelang, eine größere Summe auszubringen, wodurch es ermöglicht wurde, den alten Tempel zu reuoviren und denselben in maurischem Style fast ueu aufzubauen. Beinahe zwei Jahre lang arbeitet man bereits an dieser Gottesstätte und wird dieselbe in kürzester Frist fertig gestellt sein. Mit großer Anerkennung müssen wir bei dieser Gelegenheit des Herrn Michel Simons, des Besitzers des Bergwerks „Bomfacius", eines wahrhaft orthodoxen Juden, gedenken, der Alles, was nur zur Gasbeleuchtung gehört, gratis lieferte, und um den Bau der Synagoge sich überhaupt sehr verdient gemacht hat. Wie Sie wissen, hat der hiesige Cultusvorstand vor Kurzem eine Concurrenz auf die erledigte Rabbinatsstelle ausgeschrieben. Wie ich höre, sollen sich circa 40 Caudidaten gemeldet haben; von diesen wurden nur drei zur Probepredigt zugelassen, nämlich die Herren Dr. F. Feilchenfeld aus Kulm, Dr. I. Meier aus Meisenheim und Dr. A. Wedelt, die beiden letzteren sind Schüler des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau und letzterer war bis jetzt Hilfsprediger an der G eig er'schen Synagoge in der schlesischen Hauptstadt. Letzterer wurde zum Rabbiner gewählt, und zwar — hören und staunen Sie! — hauptsächlich aus dem Grunde, weil er noch unverheirathet ist und die hochwollöbliche jüdische Gemeinde doher einen, aller Wahrscheinlichkeit nach, billigeren Seelsorger haben wird, als wie z. B. Dr. Feilchenfeld wäre, der mit 7 Kindern gesegnet ist! . . Nicht wahr, charakteristisch für unser liebes Düsseldorfer Judenthum?! Es dürfte Sie zum Schluffe noch die Mittheilung interefsiren, daß der den Lesern des „Jsrae-