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Der Israelit · 1875-02-03 · Heft 5 (3.2.1875) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 5 (3.2.1875)
Date
1875-02-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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87 Als Berichtigung der Schlußbemerkung zur Kritik über die „religiösen Reden über die Festtage und Wochenabschnitte" von I. Stern aus Niederstetten, welche die erste Beilage zu Nr. 2 des „Israelit" aus Osterode gebracht hat. theile ich Ihnen, Herr Redakteur, mit, daß dieser „Stern" jetzt definitiver Orts-Rabbiner in Buttenhausen ist. Wird er da nach der rv nan^ oder wieder anders predigen?! Wir haben in ihm ja schon viele Metamorphosen erlebt. Aus der Pfalz, 19. Jan. Der Recurs des Stadtraths von Grünstadt an den Staatsrath in Betreff der Besetzung der erledigten Lehrerstelle an der Communalschule durch einen israel. Lehrer wurde zur Würdigung im Staatsrath als nicht geeignet und zulässig befunden und an das Staatsministerium wieder zurückgegeben, welches zur Abänderung seiner früheren Entschließung keinen Anlaß gefunden hat. Als letztes Mittel will nun der Stadtrath von Grünstadt Beschwerde an die Abgeordnetenkammer ergreifen und soll Landtagsabgeordneter vr. Groß mit der Vertretung der Angelegenheit betraut werden. A Düsseldorf, 18. Januar. Es ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit und ein neuer Beweis für die ewig-frische Jugendkraft, die aus dem Born der nsmpn irmin fließt, daß die heiligen Schriften Israels fortwährend an Verbreitung gewinnen und immer mehr und mehr zum Citatenschatz des deutschen Volkes werden. Wenn auch nicht direct, fo trägt doch indirekt diese siegreiche Eroberung des Gotteswortes viel dazu bei, daß unsere deutschen Mitbürger, mit denen wir friedlich und einträchtig Zusammenleben, auch das Judenthum, welches solche herrliche Schriften zu seinen Kleinodien zählt, achten und werthschätzen lernen. An diesem Orte kann es nicht unser Zweck — wenigstens für heute — sein, die Werke, welche hauptsächlich das Verdienst haben, den biblischen Büchern diese stets wachsende Popularität verschafft zu haben, zu besprechen, wir wollen nur an dieser Stelle von Zeit zu Zeit aus dem Wust der tagesgejchichtlichen Literatur einige Thatsachen verzeichnen, aus denen die gewaltige Tragweite der 0”n o’p^K nai ersichtlich fein dürfte. Es gibt kein Buch der Weltliteratur, welches so oft citirt wird, wie die Bibel, resp. einzelne Sätze, Redewendungen rc. derselben. Nicht minder interessant ist auch der Umstand, daß auch die politischen Zeitungen nicht umhin können, einzelne Scenen, Episoden und Personen der heiligen Schrift zur Illustration der Tagesereignisse zu verwerthen. So bringt die gestrige „Berliner Börsenzeilung" z. B. in ihrem Feuilleton: „Spanisches", um das buntfarbige Schauspiel der letzten sieben Jahre der spanischen Geschichte zu erklären, folgendes Gleichniß in Form von Bildern: . . . drittes Bild: Amadeo ist da! 1. Sam. 10, 24: „Da jauchzte alles Volk und sprach: Glück zu dem Könige!" Viertes Bild: Jbid. 10, 27: „Aber etliche böse Leute sprachen: was sollte uns dieser helfen?" Fünftes Bild: Jbid. 15, 11: „ES reut mich, daß ich Saul zum König gemacht habe" «. s. w. . . . Wir unsererseits fügen zu diesem Kaleidoskop des Berliner Blattes noch den frommen Wunsch hinzu, daß der I7jähcige König Alphonso XII. ebenfalls die B bel beherzigen und unseren j ü d. Glaubensgenossen in Spanien Schutz und Hilfe angedeihen lassen möge, sonst konnte sehr leicht auch das Wort der Bibel in Erfüllung gehen, das da lautet: „Wehe dem Lande, dessen Fürst ein Knabe ist!" * * * Eines der bedeutendsten Berliner Tagesblätter, das Hauptorgan der nationalliberalen Partei, die „National-Ze'itung," die sich, trotz ihres Liberalismus, Jahre lang' nicht entblödete, den Judenhaß — in ihrer Weise freilich — zu schüren, zeichnet sich gegenwärtig durch ihren objektiven Sinn auch bezüglich des Judenthums vortheilhaft aus. Wir erinnern nur an ihren Artikelcyclus, den sie vor Kurzem über den jetzigen, im „Israelit" gleichfalls vor einigen Wochen erwähnten englischen Premierminister, Benjamin d'Jsraeli und dessen Verherrlichung des jüdischen Stammes, veröffentlicht hat. Vor wenigen Tagen brachte das gedachte Blatt eine Berichtigung aus der Feder des berühmten deutschen Literarhistorikers Adolf St ah r über Daniele Man in, die wir hier nicht unerwähnt lassen dürfen, weil dieselbe wohl ein allgemeines Interesse beanspruchen darf. Im 2. Bande des „Neuen Plutarch" von Rudolf Gottschall in Leipzig befindet sich nämlich eine Charakteristik des Grafen Cavour von Otto Speyer, in welchem Aufsatze die irrtümliche Angabe, daß der ehemalige Diktator Venedigs , Daniele Manin, „der letzte Sproß der Dogen von Venedig" gewesen wäre, enthalten ist. Stahr weist nun quellenmäßig nach, daß Manin nicht der Sprosse des stolzen venetianischen Aristokratenhauses, sondern daß er jüdischer Abkunft war. Sein Vater gehörte einer jüdischen Familie, Namens Fonsecca an und ließ sich zu Ende des vorigen Jahrhunderts zu Venedig taufen. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm, der Sitte der da-

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