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Der Israelit · 1875-01-27 · Heft 4 (27.1.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 4 (27.1.1875)
Date
1875-01-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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71 1780 in Paris gestorben, war der Erfinder der ersten Methode über die Erzieh ung. der Taubstumwen und als solcher der Rival Des berühmten Abbe de l'Epäe; er erregte sogar die Aufmerksamkeit des Hofes Ludwig XVI. England. London. Nach dem Bericht des „jüd. Brodrrnd Kohlenvereins" vertheilt dieser Verein jährlich an Brod und Kuhlen im Betrage von ca. 24,000 fl. Baron v. Rothschild spendete 2400 fl. zur Gründung einer Bibliothek für den Arbeiterverein. Feuilleton. Schuld und Jühoc. Erzählung aus dunkler Zeit von Ad. v. Zemlinsky. 7. Der Verfluchte. Nabbi Moses Hirsch pflegte sich oft früh vor Tagesanbruch in das Bethaus zu begeben, um dort Ruhe zu suchen, und Niemand durfte ihn stören, bis es Zeit zum Frühgebete war. So war es auch heute. Er hatte sich wie gewöhnlich in's Bethaus begeben — legte einen Abschnitt des Talmud vor sich hin, und vertiefte sich bald in den Sinn der Worte, die da enthalten die von Mund zu Mund verpflanzte Lehre Gottes. Dich hat er verleugnet, gelästert, dieser Bösewicht! sagte er plötzlich — dich, du Buch des Heiligthums — dich, das du ausstrahlest, spendest Licht dem Auge, Wärme dem Herzen, Nahrung dem Geiste. — Wehe ihm, daß er nicht bereuet hat. — Die Frist, die ihm gegeben wurde zum Widerrufe seiner gottlosen Jrrthümer und zur Buße — er ließ sie unbenützt verstreichen — und ich, ich mußt mein Wort erfüllen — verhängen über ihn den Bann, mußt ihn Hinausstoßen in die Welt — verachtet, verflucht! ~ -- Und yikman'b, Niemand kann ihn retten, nur er sich selbst allein. Eine schwere Pflicht war es, die mir ward — der ganzen.Gemeinde mußt ich es verkünden. — Schwer war die Pflicht, doch mußt ich sie erfüllen, der Glaube darf nicht ungestraft, freventlich angelastet werden. Die ganze Gemeinde mußte ich warnen vor ihm. Streng nach dem Gesetze habe ich gehandelt, und dennoch — ich weiß nicht, was dies zu bedeuten — ein dunkles Ahnen beklemmt meine Brust, macht mich so traurig, so niedergeschlagen. Eine Kälte, nach dem Herzen dringend, macht mich schaudern. — 3oH ich nach Hause eilen, nein — warum! Im Hause Gottes ist doch gewiß der beste Ort! Und dennoch — vergebens lege ich mir Zwang auf. Ich sehe diese heiligen Zeichen — doch — sonderbar ich kann sie nicht deuten, ein rätselhafter, warnender, Schrecknisse erzählender Sinn starrt mir entgegen. Goldige, himmlische Morgenröthe strömt zum Fenster ein, zeichnet gigantische Gebilde und Schatten auf den Wänden des Bethauses — verklärt auch das Gesicht des Rabbi in überirdischer Schönheit. Träumend sitzt er vor dem aufgeschlagenen Buche. — Plötzlich schaut er auf. Er hat Schritte vernommen, welche sich ihm nähern. Wer stört ihn in seiner Rübe, seinem Denken, trotz des Verbotes? Zwei Schritte von ihm entfernt steht ein Mann, in einen Mantel gehüllt, die Mütze tief in die Augen gezogen. Wer bist Du, Fremdling, der Du es wagst, zu dieser Stunde — in diese heiligen Räume einzudringen? rufl der Rabbi mit starker Stimme. Schweigend öffnete der Mann feinen Mantel — entblößte sein todtenbleiches Antlitz. Ephraim Manasse, ruft der Rabbi erschrocken von seinem Sitze aufspringend — was willst Du hier? Ja, Ephraim Manasse, Rabbi — bin's selber, der zu Euch kommt — wundert Euch das? Das Gotteshaus darf Dir nicht zum Ruheplatz werden, sagte der Rabbi zürnend. Ob Deiner frevelhaften Thaten bist Du mit dem Banne belegt — wie darfst Du's wagen, dem Banne zu trotzen, wie darfst Du's wagen, hier zu erscheinen? Freudlos — heimathlos mußt Du in der Welt umherirren, kein menschlich Obdach soll zum Ruheort Dir dienen, kein Tropfen der Erfrischung soll Dir von menschlicher Hand gereicht werden, um Deine lechzende Zunge, Deinen trockenen Gaumen zu erquicken. Dem wilden Thiere gleich sollst Du von Wald zu Wald umherirren und endlich — einsam — verlassen von Gott und den Menschen — einsam am Wege sterben — so sagt es der Fluch — und darum fort aus meinen Äugen. Ich will mich demüthigen und Euch bitten.

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