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Der Israelit · 1875-01-27 · Heft 4 (27.1.1875) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 4 (27.1.1875)
Date
1875-01-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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70 HM Kluft zu übervikkeken» Änd selbst der Verein ^Schvmer Israel' wird plötzlich auS einer all verheerenden Reblaus zu einem segensreichen Arbeiter im Weinberge der Herren "— Polen. In seiner Nummer vom 8. d. M. begrüßt Dziennik PolSki den neuesten Beschluß des „SchomerIsrael", kraft dessen alle Wucherer aus d<pn Bereinsverbande ausgeschlossen worden sind, altz ein günstiges Omen für die künftige gedeihliche Entwicklung Galiziens, als erfreuliches Zeichen des guten Willens seitens der jüdischen Bevölkerung, an der allgemeinen Arbeit zur Hebung des Handels und Verkehrs redlich und kräftigst th'eilzunehmen; er zollt Anerkennung der guten Idee der Preisausschreibung von zehn Ducaten für die beste Abhandlung über die schädlichen Folgen des Wuchers. Doch wird dieser löbliche Schritt seitens des Vereines, fährt der Dziennik fort, nichts nützen gegenüber dem ungebildeten, rohen Pöbel in den Dorf- und Marktgemeinden, wenn er nicht kräftigst unterstützt wird von der allein die Brasse beherrschenden Macht — von den Rabbinern. Im Namen der Bibel, die sowohl dem Christen wie dem Inden heilig ist, beschwört er die Rabbiner, auf den Kanzeln und in den Bethäusern dem schrecklichen Wucherunwesen abzuhelfen. Und wenn die Rabbiner itac Pflichten erfüllen, dann wird Glück und Segen in das arme Galizien einziehen, es wird das goldene Zeitalter für Galizien einziehen, es wird das goldene Zeitalter für Galizien wieder erstehen. Die Rolle, welche den Rabbinern in diesem Beglückungsprozesse zukommt, ist erhaben; werden sie sich ihr gewachsen zeigen? Die Zukunft wird es lehren. Auch der Landesschnlrath ist zu neuem Leben erwacht. Bis jetzt kümmerte er sich trotz des sanctionirten Schulzwanges wenig darum, ob jüdische Eltern ihre Kinder in die Schule schickten — man ließ sie in ihren „Chaidorim" sich ausbilden; so tonnten sie nicht schaden. Sah man dock, ^.mit Grauen und Abscheu, welchen Weg die gebildeten Juden eingeschlagen. Diese wagten es, mit den Deutschen und Ruthenen Hand in Hand bei den letzten Wahlen vorzugehcn, und Einzelne erfrechten sich sogar, gegen die polnische Amts- und Unterrichtssprache und gegen andere wohlerworbene Privilegien Verschwörungen anzuzettcln! Allein auch in dieser Hinsicht haben die Polen sich eines Anderen besonnen. Plötzlich beschloß der Landesschnlrath die Anwendung aller erlaubten gesetzlichen Zwangsmittel, um Juvenkinder zum Schulbesuche zu nöthigen. Auch versprach er, um den steten diesbezüglichen Klagen seitens der jüdischen Gemeinden zu entsprechen, mosaische Religionslehrer bei jeder Schule, insbesondere bei den Volksschulen, anzustellen. Doch mit Mißtrauen begegnen die galizischerr Juden allen diesen vielleicht wohlgemeinten Maßregeln, denn schon oft sind sie in ihrem Glauben an Versprechungen seitens der Polen getauscht worden. Niemand kann es dem galizischen Juden verargen, wenn er sagt: Timeo Danaos et doaa ferentes. Holland. Mehrere Blätter erzählen Ausführliches über die Tapferkeit und Religiöfitat eines jüd. Soldaten. Derselbe wurde von Holland als Adjutant in einem Bataillon, in welchem noch zwölf Juden waren, nach Indien geschickt, woselbst er stets Morgens und Abends mit po betete, und dabei zählt er zu den tapfersten Soldaten in der Armee. Als in einer Schlacht die Fahne, die er trug, von zahlreichen Kugeln durchlöchert worden, marschirte er trotz der erhaltenen Wunden vorwärts, bis er zuletzt ganz erschöpft niedersank. Gegenwärtig befindet er sich in einem Londoner Hospital. Italien. Ueber die in unserem Blatte jüngst gebrachte Notiz, daß der von der ital Regierung allein durchgebrachte Cand.Samuele Altari fei, schreibt „Temps": A. sei von allen Parteien geschätzt, selbst von der — päpstlichen! Ein anderes Blatt sagt: Wir müssen uns über diesen in der Hauptstadt unter den Augen des Vatiean erlangten glänzenden Triumph um so mehr freuen, da es sich um einen sehr eifrigen Juden handelt, um einen Mann, der bei den Ehre« und hohen Stellen, zu denen er berufen worden ist, nie das Interesse seiner Glaubensgenossen und seiner Gemeinde vergißt. (Ung. Jsr.) Frankreich. PariK. Emil Pereire, ein in der Finanzwelt bekannter Mann, von dem wir neulich berichteten, daß er der portugiesischen Gemeinde dahier ein Baugrundstück zur Errichtung einer neuen portugiesischen Synagoge geschenkt, ist gestorben und am 8. d. M. begraben worden. „Un. Jsr." erzählt von ihm, daß er, als er das erstemal spanischen Boden, das Land seiner Väter, betrat (P. war Erbauer der Eisenbahn von Bordeaux nach Madrid), voller Begeisterung torw» ycw ausgerufen habe. Ein Vorfahre des Verstorbenen, Jacob RodrigueS Pereire, im spanischen Estramadura geboren und

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