Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1875)
- Date
- 1875-01-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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C8 Gvaitdenz, im Januar. Ihr gesch. Blatt brachte jüngst eine ausführliche Beschreibung der am 17. November v. I. stattgehabten Einweihungsfeier des von Herrn CaSper Lachmann hier gegründeten Instituts. Gegenüber den mannigfachen Mißdeutungen, die dieselbe hervorzurufen nicht verfehlt hat, halten wir es für angezeigt, zur Aufklärung für Diejenigen, die mit den hiesigen Gemeindeverhältnissen nicht vertraut sind, Nachstehendes dem öffentlichen Urtheil zu übergeben. Ueber das unermüdliche, den Interessen des unverfälschten Judenthums gewidmete gottgefällige Wirken des Herrn Lachmann Worte zu verlieren, können wir uns füglich versagen; eS ist zur Genüge bekannt. Wenn trotzdem von Seiten des hiesigen Gemeindevorstandes der Versuch gemacht wird, der Wirksamkeit desselben insbesondere in Hinsicht auf feine Stiftung unlautere Motive unterzuschieben, wie dies in einer Zuschrift an die „Jüd. Pressejüngst geschah, so kann das nur auf Entstellung der Thatsachen beruhen und dürfte eine den offenkundigen Intentionen des Vorstandes entgegengesetzte Wirkung Hervorrufen. Äußer dem Jndiffereutismus des hiesigen Rabbiners, eines Schülers des Breslauer Seminars, bietet ein wichtiges Moment für die Trennung des Hrn. L. von der Gemeinde die Handhabung der Gemeinde-Angelegenheiten seitens des hiesigen Vorstandes. Ganz unverantwortlich ist die Art und Weife, wie derselbe die ihm gesetzlich allerdings zuftehenden Befugnisse im Einverständniß mit den Repräsentanten anwendet; wie er mit dem schwer und sauer erworbenen Gelde der genugsam belasteten Mitglieder Bauten ausführen läßt, von denen er weiß, daß die ganze Gemeinde mit Ausschluß einiger wenigen Mitglieder sich dagegen erklärt, Bauten, die weder dem Interesse der Gemeinde dienen, noch überhaupt ihren Zweck — wenn sie einen hatten, erfüllen. Während man die Mikwah als eine leicht zu entbehrende Einrichtung verkommen und zu Grunde gehen läßt, verschönert und vergrößert man die Synagoge unter Umständen, die einen so kostspieligen Umbäu vollkommen überflüssig und verschwenderisch erscheinen lassen, da durch Erbauung der Lachmann'schen Synagoge selbst in den dringendsten Nothfällen Raum im Ueberfluß geschaffen war. Während es zur Errichtung eines gewiß notwendigeren FleischhauseS an den nöthigen Mitteln und leider auch — am guten Willen gebricht, laßt man eine kostbare Kuppel auf dem Tempel errichten, eine Kuppel, deren Werth und praktischer Nutzen nach Aussage von Sachkennern gleich Null zu erachten ist. Wir fragen: Kann alles dies auf einer anderen Absicht beruhen, als die Gemeinde und vornehmlich Hrn. Lachmann, der natürlich den größten Theil der Baukosten zu tragen hat, unnütze Ausgaben zu verursachen, und ist dieses Verfahren dazu angethan, die ohnehin schroffen Gegensätze auszugleichen und den leidigen Streit in der Gemeinde zu schlichten, wie dies Pflicht jedes gewissenhaften Vorstandes ist? Hier zeigt sich wie nirgends anders der Mangel unserer Gesetzgebung, die unabweisbare Notwendigkeit eines neuen, den Austritt aus der Synagogengemeinde frei lassenden Gesetzes. Ist es denn erhört und verträgt es sich mit den Principien unserer Reichspvlitik, deren Streben auf Gleichstellung aller Staatsangehörigen gerichtet ist, baß man uns vorenthält, was man anderen längst und bereitwilligst gewährt hat? Man höre und staune: ohne den geringsten Nutzen von den Institutionen der Gemeinde zu haben, war Herr Lachmann gesetzlich gezwungen, an dieselbe einen jährlichen Beitrag von 800 Rtlhr. zu entrichten, der in Folge der entstandenen Baukosten bereits die Höhe von 1200, sage ZwölfhuudertThalern angenommen hat! Und nicht Hrn. L. allein, auch die von ihm angestellten Cultusbeamten besteuert man ganz im Widerspruch mit den Vorschriften unserer Weisen und zwingt sie zu einer Abgabe, die durch Nichts zu rechtfertigen ist. Im Uedrigen kann ich Ihnen über das Gedeihen der Lachmann'schen Anstalt nur Gutes und Erfreuliches berichten. Unter der weisen und umsichtigen Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Baer, dessen eifriges Streben nach wahrer Gottesfurcht und Verbreitung der göttlichen Lehre bereits segensreiche Früchte zu tragen beginnt, wird sie mit Gottes Hilfe eine Pflanzstätte werden für die Ausübung wahrhafter Frömmigkeit, für die Verbreitung der göttlichen Lehre, eine Oase in der Wüste entschwundenen Glaubens, ein Licht in dem Dunkel des Wahns und Unglaubens, wie es heißt, Spr. Salomo VI. 23: -'Oid nnmn cpti mi«i ~nt< mim rrso ~\i '2 Jnowraelaw, im Der Vorstand des hiesigen jüdischen Vereins gegen Verarmung und Hausbettelei hat in seiner letzten Sitzung beschlossen: 600 Mark herzugeben mit der Bestimmung, einen Theil davon an arbeitsunfähige Arme, den größern Theil aber für arbeitsfähige Arme zur Beschaffung von Kleidungsstücken zum Schutze gegen winterliche Kälte zu verwenden. Es sollen 25 Personen mit den nöthigsten Kleidungsstücken versehen werden. Die vornehmsten Damen hiesiger Noblesse beschäftigen sich mit der Anfertigung der