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Der Israelit · 1875-01-20 · Heft 3 (20.1.1875) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 3 (20.1.1875)
Date
1875-01-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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46 beiten zur Anlegung von Brunnen und Bassins können nicht mehr in Angriff genommen und erst im nächsten August begonnen werden. — H. Schamasch wünscht zum Ankauf von noch 10 Kühen ermächtigt zu werden, da die Stallungen der Anstalt für *30 Kühe und 100 Schaafe Platz bieten. Tunis. — H. Elmilik aus Tunis meldet, daß die Regierung Sr. H. des Bey die Alliance Jsr. und das dortige Bezirkscomitö derselben officiell anerkannt hat, ein Erfolg, der den Schritten dieses ComitLs bei dem Premier-Minister der Regierung zu danken ist. Smyrna. — Dem C.-Comitä gingen über das neulich reparirte Rothschild-Hospital daselbst Nachrichten zu, die sich mit der lebhaftesten Anerkennung über dieses LiebeSwerk der edlen Stifter aussprechen. Feuilleton. Schuld und Sühne. Erzählung aus dunkler Zeit von Ad. v. Zemlinsky. 6. Die Rose von Zion. Im Kloster der Karmeliterinnen zu Prag — -n einer kleinen engen Zelle, deren Fenster auf den Klostergarten hinausgehen, und einen Blick über denselben, sowie über die nächste Umgebung gestatten, sitzt ein schönes bleiches Mädchen; ihr thrnnenumflortes Auge ist nach dem dunkelblauen Firnlamente gerichtet. Sie ist keine Nonne, keine Novize, sie ist Gefangene, Gefangene unter den Feinden ihres Glaubens. Mit Gewalt hat man sie hiehergebracht, mit Gewalt hat man sie hinter diese finsteren unheimlichen Mauern gesperrt, man quält sie auf alle nur erdenkliche Art, man will sie bestimmen, ihren Glauben, den Glauben ihrer Väter, zu verlassen; man verhöhnt, man verspottet sie, und dies Alles, weil sie Jüdin ist! Ja — Jüdin ist sie — die Tochter des Gerson Levi — Rachel — die Rose von Zion. In jener Schreckensnacht, in welcher die Würgerbande raubend und mordend einfiel in die friedliche Prager Judenftadt — in jener Schreckensnacht wurde sie besinnungslos hiehergebracht. Bier Wochen sind seit jener Nacht verflossen, und noch immer hat sie keine Nachricht von Außen erhalten. Zum Beginne ihrer Gefangenschaft hatte sie sich unaufhörlich die Frage gestellt: Warum hat man mich hieher gebracht? — Doch nur zu bald sollte sie hierauf Antwort erhalten. Eines Tages kam ein junger Mann in Begleitung einer Nonne in das Gemach der Gefangenen. Der Graf von Ledron verlangt mit Euch zu sprechen, sagte die Nonne zu Rachel, er ist der Schutzherr unseres Klosters, er ließ Euch Hieherbringen und will Euch zu unserem Glauben bekehren lassen — danket hiefür dem edlen Herrn! Durch ihn gewinnt Ihr die ewige Seligkeit und den Himmel mit all' seinen Freuden; er meint es gut mit Euch. Mit diesen Worten verließ die Nonne das Gemach. Rachel war mit dem Grafen allein. Ihr ließet mich hieherbringen, Herr Graf? fragte Rachel, mit welchem Rechte thatetJhr dies? Mit welchem Rechte? sagte der Graf. Ohne alles Recht! Und dennoch, schöne Rachel, ich hatte ein Recht, das Recht der Liebe. Ich hasse Euch, schon darum, weil Ihr dieses thatet! Doch nein, Herr Graf, vergebet mir meinen Ungestüm, beweiset mir, daß Ihr mich achtet und verlasset mich. Demüthig hatte der Graf sein schönes Haupt gebeugt und das Gemach der Gefangenen ohne Erwiederung verlassen. Und Tage waren vergangen, da erschien abermals der junge Cavalier. Gebieterisch zeigte Rachel nach der Thüre, ohne ein Wort zu sprechen. O! laßt mich hier, sagte er in traurigem Tone — nur eine Stunde laßt mich in Eurer Nähe weilen, schöne Rachel — nur eine Stunde, wenn Ihr mich nicht tödten wollt! Und Rachel ließ die Hand sinken, und der Graf blieb. Und Tag für Tag erschien er im Gemache der Gefangenen ehrerbietig — mit scheuer Verehrung. Und Rachel wartete Tag für Tag ängstlich der Stunde, in welcher er gewöhnlich zu erscheinen pflegte — mit einem bangen und zugleich süßen, schmerzlichen Gefühle, das sich ihrer Brust bemächtiget hatte. Und wenn sie Abends am geöffneten Fenster saß und hinausschaute in die dunkle einsame Nacht, da fragte sie sich immer und immer wieder: — liebe ich ihn denn — und wenn ihr Herz stürmisch

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