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Der Israelit · 1875-01-20 · Heft 3 (20.1.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 3 (20.1.1875)
Date
1875-01-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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45. Canea und Umgegend: wohne«,. giebt «S nu? ein Dutzend, die sich in guten Perhältnifsen befinden, alle Änderen leben von der Hand zuM Mund und Viele nur von der WohlthLUgkeit ihrer Glaubensgenossen. In der Stadt Candia wohnen ea. 30. israel. Familien, die fast sämmtlich arni sind , so daß sie vor 3 Fahren ihren Rabbiner entlassen und ihre Synagoge schließen mußten. . Die irraeliiische Jugend erhält daselbst gar keinen Unterricht mehr, weder einen religiösen, noch irgend einen anderen, und wachst also in vollkommener Unwissenheit und Ärmuth aus. Neulich machte man den Oberrabbiner von Constantinopel auf diesen traurigen Zustand aufmerksam und erwartet nun eine Antwort von demselben. In Rettino wohnen nur wenige Israeliten. — Die Gesammtbevölkerung von Canea beträgt 11,000 Seelen, worunter 565 Israeliten mit 60 schulfähigen Kindern, worunter 45 arme. Eine kleine israelitische Schule daselbst, die in einem dunkeln, feuchten und ungesunden Local üntergebracht ist.^ wird vom 52 Schülern, besucht und von einem Rabbiner, der Hebräisch, und einem Hilfslehrer, der Griechisch unterrichtet, geleitet; der Rabbiner, der früher 2000 Piaster (430 Fr.) jährlich bekam, erhalt seit einem Jahre wegen der dort herrschenden Geschäftskrisis nur noch die Hälfte dieser Summe, während der Hilfslehrer einen fixen Gehalt von 3000 Piaster (645 Fr.) bezieht; außerdem find noch 50 Fr. auf verschiedene andere Ausgaben zu rechnen. Die Einnahmen der Schule betragen nur 500 Fr., so daß ein Deficit von 645 Fr. bleibt, das bisher von der Gemeinde gedeckt worden, aber in Folge der gegenwärtigen Zeitverhältniffe nicht mehr von derselben gedeckt werden kann. — Außer den genannten 52 Knaben, welche diese Schule besuchen, erhalten in derselben während der Erholungsstunden der Knaben ca. 30 israelit. Mädchen Unterricht im Hebrärschen, die im Uebrigen die griechischen Schulen der Stadt besuchen. — Das C.-Comitä vertagt seinen Beschluß in dieser Sache bis zum Eingang weiterer Mittheilungen, die erbeten worden sind. Tunis. — Das Comitä von Tunis übersendet die von ihm in Angelegenheit der dortigen projectirten israel. Schule erbetenen näheren Mittheilungen. Die Gesammtbevölkerung beträgt 150,000 und die israel. 30,000 Seelen mit circa 2000 schulfähigen Kindern; 3—400 isr. Familien find in der Lage, dey Unterricht ihrer Kinder, die sie übrigens gröiüencheils nach Italien schicken, bezahlen zu können. Eine europäische Schule existirt insTunrs.iür chie Jsraeliteu nicht; rS,gibt daselbst d.^ine7Hchüls/dKr''«PrLder3^'in. her3nichts an* 'deres,. als. chrisiUcherReZgiousilttterricht , ertheilt nyd^aüßerseW eM ^italieMcheL^, „Cplleg". Diezu. begründende israelitische Schule könnte für. 15Ü—L00 Zöglinge angelegt werden, von dienen der dritte Theil ein Schulgeld von 3 5 Fr. monatlich bezahlen würde und zwei Drittel die Schule unentgeltlich besuchen würden. Der Unterricht müßte Hebräisch, Religion, Französisch, Italienisch, Arabisch und die sonstigen Lehrgegenftände einer guten Elementarschule umfassen, und das Lehrpersonal aus 1 Direktor, 1 Hebräisch-Lehrer nebst 2 Gehülsen für. Schreiben (die Israeliten von Tunis, wie von Afrika überhaupt, schreiben Arabisch mit hebräischen Buchstaben), 1 Italienisch-, 1 Arabisch- Lehrer und 4 Hilfslehrern bestehen. DU Einkünfte der Schule würden wahrscheinlich 200 Fr. monatlich nicht übersteigen, während die Ausgaben für Gehälter und Local nicht unter 350—400 Fr. monatlich, betragen würden. Die dortige Talmud- Thora-Schule, die lediglich für Waisen und ganz arme Kinder bestimmt ist, wird von 1100 Zöglingen besucht,, denen man jährlich je 2 Anzüge und täglich je zwei Mahlzeiten verabreicht, dieselben werden nur in der Thora unterrichtet und mit dem 14. oder 15. Lebensjahre aus der Schule entlassen, bis auf Wenige, die jährlich zum Talmud-Unterricht genommen werden, um Rabbiner werden zu können. Die Kosten dieser Anstalt werden durch eine vor mehreren Jahren organisirte jährliche Subscription und durch Spenden aufgebracht. Ueberhaupt werden in der israelitischen Gemeinde von Tunis, die sehr arm ist, wöchentlich 1200 Franken an die Rabbinen, Armen und Wittwen, 300 Franken an Kranke, 200 Fr. an Durchreisende und 300-325 Fr. an die neue Rabbiner-Schule, genannt Amude- Thora, vertheilt, und hat dieselbe außerdem noch ansehnliche Lasten zu tragen, ohne ein anderes reelles Einkommen zu besitzen, als eine Steuer von ca. 25 pCt. auf das Coscher-Flersch. — Angesichtdes bedeutenden Deficits, das vorstehender Etat nachweist, wünschte das C.-Comite, daß das Count« von Tunis, die angegebenen Ausgaben, die übrigens auch im Verhältniß zu den zu erreichenden Resultaten zu hoch gegriffen zu sein scheinen, zu reduciren suchte, und erwartet von demselben weitere Mittheilungen. — Ackerbauschule zu Jaffa. Ein Zögling Namens Nehamias, der zum Tischlergesellen daselbst ausgebildet worden, möchte sich in seinem Handwerk Weiler vervollkommnen und wird von Herrn Schamasch zur Unterbringung in der Gewerbe- und Handwerksschule zu Straßburg empfohlen, wohin er auf eigene Kosten reisen will. Ein anderer Zögling, Namens Jacob, möchte gleichfalls nach Europa gehen, ohne die Reisekosten selbst bestreiten zu können. Beide Anträge werden H. Eh. Netter zur Prüfung überwiesen. — Die Ar-

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