Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1875)
- Date
- 1875-01-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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43 der einst für einen großen %fyil der deutschen Juden tonangebend war und der jetzt so ungemein tief gefunken ist. daß die Zahl seiner Anhänger, Nachbeter und Verehrer sich auf ein Minimum beschränkt — Dsro' -ij/J — lassen wir ihm das traurige Vergnügen, die Führer der Orthodoxie zu verlästern; es glaubt ihm G. s. D. kein Mensch. Mainz, 18. Jan. Als wir unlängst den Tod des oldenburgischen Landrabbiners Wechsler anzeigten, fügten wir hinzu, daß derselbe in weiteren Kreisen durch Copulation einer ungeschiedenen jüdischen Ehefran mit einem andern Manne bei Lebzeiten des ersten oder vielmehr eigentlichen Ehegatten, bekannt geworden war. Scribenten von Blättern jerobeamitischer Tendenz haben die Frechheit, die Wahrheit jener Thatsache in Abrede zu stellen, und einer derselben, ein Herr Thorner aus Geestemünde, hat sogar die Kühnheit zu behaupten, er sei in dem erwähnten Falle bei der Ehescheidung als Zeuge zugegen gewesen. Mit der erwähnten Thatsache verhielt es sich folgendermaßen. Ein Mann aus Hamburg war Schulden halber nach Amerika entwichen; derselbe weigerte sich, seiner jungen Ehefrau den Scheidebrief zu schicken, da er, wenn er in Amerika etwas erworben, zu ihr zurückzukehren hoffte. Die Frau wandte sich an das^Hamburger Gericht, welches ihr die Wiederverheirathuug unter der Bedingung gestattete, daß sich ein jüdischer Geistlicher finde, der die Trauung vollziehe. (Damals war in Hamburg die Civilehe noch nicht eingeführt.) Selbst die Prediger am Hamburger Neformtempel weigerten sich dessen; der Grh. Oldenb. Landradbiner Wechsler aber vollzog die Copulation. Als jedoch bald nachher der zweite Mann (,-vddjo '->did) starb, da erklärte ein Prediger an dem genannten Tempel, daß er nunmehr die Frau als die Wittwe aus einer rituell geschlossenen Ehe betrachte und vollzog die Trauung mit einem dritten Manne. — Das der Hergang, der damals — vor circa 20 Jahren — ein peinliches Aufsehen erregte. Daß kein Gerichtshof der Welt das Wort der Thora ninna “isd n1? aroi, „und er soll ihr einen Scheidebrief schreiben" aufzuheben im Stande ist, brauchen wir wohl nicht erst hinzuzufügen. fötanffutt a. M., 17. Januar. Herr Baron Adolf v. R e i n a ch (Israelit) hat dem Rechnei-Amt die Schenkung eines Betrags von dreißigtausend Gulden österr. Silberrente mit der Zweckbestimmung angeboten, daß die jeweiligen Zinscoupons dieser Obligationen je zu einem Drittel dem lutherischen Stadtpfarrer, dem katholischen Stadtpfarrer und dem Rabbiner der israelitischen Gemeinde dahier zur Unterstützung verschämter Armen aus der Frankfurter Bürgerschaft und ihrer resp. Confession unter Wegfall jeder Rechenschaftsablage über die Verwendung übergeben werden sollen. Der Magistrat hat sich beeilt, unter dem Ausdruck des gebührenden Dankes für diese dem hiesigen Gemeinwesen gewährte verdienstvolle Widmung, das Rechnei-Amt zur Annahme der Schenkung zu ermächtigen, auch die erforderlichen Schritte zur Erlangung der königl. Genehmigung zu thun. Nogasen, im Teweth. Vor Kurzem fand hier ein Familienfest statt, das uns so recht innig und finnig die Richtigkeit das Salomonischen Spruches nnp ptyn D’pna aiöa, „die ganze Stadt freut sich des Wohlergehens der Gerechten" empfinden ließ. DaS Ehepaar M. A. Bradt feierte dar Fest der goldenen Hochzeit, welches Kinder und Enkel von Nah und Fern in kindlicher Liebe und Verehrung um das in wahrer Frömmigkeit und echter Tugend ergraute Jubelpaar versammelte. Dieses herrliche Fest trat aber aus dem engen Familienkreis heraus, wurde zu einem Gemeindefest, und was noch mehr bedeutet, es erstreckte sich auf die ganze Elite der Einwohnerschaft ohne Unterschied ihres nationalen Charakters und ihrer religiösen Geistesrichtung. Allen war es ein Her-- zensbedücfniß, dem achtungswerthen Ehepaar die innigsten Wünsche darzubringen, dem Vorstand der Gemeinde im Namen der Gemeinde, dem Magistrat in Vertretung der Stadt, dem Rabbiner, als speciellem Freund und Verehrer des Bradt'schen Hauses, dem Pastor der evangelischen Gemeinde, dem Gymnasialdirector und allen denen, die geschäftlich in näherer Beziehung zu der Firma M. A. Bradt stehen. Der Rabbiner überreichte den Jubilaren ein von ihm verfaßtes Akrostichon auf deren Namen DmuN* SiO’D und finrn mit der Ueberschrift p'ns«b sm irn’sn und hielt bei Tische eine Ansprache an dieselben. Den Vergleich des Sonnenaufganges mit dem Hervortreten des Bräutigams aus seinem Baldachin aus Psalm 19 legte der Redner seiner Ansprache zu Grunde und dieses Bild festhaltend verglich Redner den Ausgang des Tages — die Zeit, in welcher die Bergesspitzen im „Golde" der letzten Sonnenstrahlen erglänzen — mit dem „goldnen"