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Der Israelit · 1875-01-13 · Heft 2 (13.1.1875) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 2 (13.1.1875)
Date
1875-01-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVI. Jahrgang. Erste Beilage;u Ar. 2 des Äsraelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Osterode, Ostpreußen. ,,rj’ nun1?^, Gottesffamme." II. Band. Religiöse Reden über die Festtage und Wochenabschnitte von I. Stern, Rabbinatscandidat, Niederstetten (Württemberg), ist der Titel eines Schriftchens, welches dem Einsender dieses auf einer Reise zufällig in die Hand kam. Von dem erhabenen Titel geblendet, öffnen wir dasselbe und stoßen auf eine sögen. Laubhütten- Predigt (S. 26) über Secharjah 14, 9. „Die verschiedenen Religionen und ihre einstige Vereinigung " Wir bezweifeln, ob seit Erfindung der Buchdruckerkunst eine solche elende Arbeit im Druck erschienen ist, ob, seitdem es ein Judenthum gibt, in irgend einem Bethause auf dem ganzen Erdenrund ein solcher Unsinn gehört wurde, □'nt? r«? ty. Beim Lesen dieses Machwerkes weiß man nicht, ob man die Dummdreistigheit des Verfassers, oder seine Unwissenheit, oder Beides zusammen bewundern soll! — Sagt er sa ausdrücklich, daß Moses und die h. Propheten den Stiftern der christlichen und mohammedanischen Religion gleich stehen! — (S. 32.) Glaubst Du, lieber Leser, in dieser Predigt etwas von r.aio oder dtd jmx oder von sonst einem religiösem Gedanken zu hören? Du hörst von den verschiedenen Religionen der Erdbewohner: Fetischdienst, Zarathustra, Brahminen, Buddhismus, Islam, Christenthum und zuletzt — Judenthum. Um seine Zuhörer so recht zu erheitern, “pra nnoicn -no«or zählt der Verfasser die zehn Gebote, die drei Sünden und die sechs Tugenden des Buddhismus auf (S. 30). Am schlimmsten von allen Religionen kommt das Judenthum bei diesem Rabbinatscandidaten (der auch so gut Fetischcandidat genannt werden könnte) weg; denn es ist nicht blos in Orthodoxe und Reformjuden zersplittert, sondern „es sind nicht leicht zehn Juden zu treffen, die in ihrer religiösen Handlungsweise übereinstimmen, da jeder Jude seinen eigenen Schulchan Aruch hat." (S. 31.) Und wie denkt sich dieser Stern erster Größe den großen Tag, von welchem es heißt: 'ai nw Kinn dv3? „Eine jede Religion wird das Gute und Schöne ihrer Nachbarrelrgion auch sich zu eigen machen, so werden dann die Religionen ineinander schmelzen zu einer Universalreligiou — ein neues Actien- Unternehmen — (S. 32) zur Religion der Humanität roo." Den Schluß dieser großartigen Predigt bildet die Erzählung eines närrischen Traumes. (S. 33.) Wer will all' den Unsinn der 21 Reden auf den 148 Seiten des Buches, welches uns mehr von Göthe, Schiller, Don Quixote, Shakespeare erzählt als vom Worte Gottes, schildern! — Nur noch ein Pröbchen der rabbinischen Weisheit dieses Stern's, der wahrscheinlich schon seinen jüngsten Tag erlebt hat, mag hier feinen Platz finden und wir greifen nach einer Purimpredigt. Daß diese komisch ausfiel, wäre eigentlich kein Wunder, denn es heißt ja: «msa mx 3”n. Nachdem der Verfasser das Buch ->^vx für einen historischen Roman erklärt und noch einen solchen in der Bibel entdeckt haben will, behauptet er, daß üms mit dem Buche *inDx gar nichts zu schaffen habe, on s leitet er ab von rnis, das bekanntlich Kelter heißt, □n*s heißt also in dem berühmten Dorfe Niederstetten ein Kelter- oder ein Weinfest, ein Dionysosfest , welches auch bei andern götzendienerischen Völkern um diese Zeit gefeiert wird. (S. 80.) Und solchen Blödsinn soll ein Rabbiner in einem jüd. Gotteshause vorgetragen haben! Nein! - Er muß diese Rede entweder vor #-n -nana onicn, -iw orij’s gehalten haben oder in einer Versammlungshalle einer frei - religiösen Gemeinde, denn Juden würden doch einen solchen Prediger nicht anhören. Dabei ist die Sprache im ganzen Bande roh und ordinär; er übersetzt z. B. c^nx 3p' „Stubenhocker" (S. 37.). Und wie versteht dieser Rabbinatscandidat auf den Talmud zu schimpfen und ihn zu schmähen! Eisenmenger, Wagenfeil u. A. könnten seine Lehrlinge werden! „Der gesetzliche Theil der hl. Schrift, der doch nur vom Principe der Humanität beherrscht wird, er wurde verdüstert durch die Nebel des Rabbinismus, durch die Dünste der halachischen Casuistik. So entstand aus der reinen Religion Israels ein mit zahllosen Ceremonialsatzungen überhäuftes Religionssystem 2'pui □'3-0 *6. Die weisen Gesetze Israels wurden durch rabbinische Meinungsverkehrtheit in thörichte Satzungen verwandelt. Was gehört für eine Vornirtheit dazu, auf die Rabbinen zu schimpfen und selbst ein solcher werden zu wollen. Wir wollen Herrn St. rathen, feine Predigtsammlungen nochmals drucken zu lassen und sie dem Vorstande der jüd. Gemeinde Berlin zu widmen; vielleicht gelingt es ihm da-

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