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Der Israelit · 1875-01-13 · Heft 2 (13.1.1875) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 2 (13.1.1875)
Date
1875-01-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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24 Equipagen beschloß den Zug. Am Grabe sprach zuerst Rabbiner Horcoitz aus Crefeld; in schönen, beredten Worten entwarf derselbe ein Bild von des Entschlafenen Wirken als Lehrer und Freund, worauf Dr. Auerbach aus Bonn, Dr. Wolfsohn aus Aachen und Dr. Z. Auerbach aus Elberfeld der herrlichen Tugenden und großen Verdienste des entschlummerten College» in tiefer Empfindung gedachten. — Der Verstorbene wurde geboren zu Hürben bei Augsburg, woselbst sein Vater in einem Älter von 74 Jahren heute noch als Rabbiner wirkt. Nachdem Dr. Schwarz zwei Jahre lang die Stelle des Distr.-Rabb. in Bayreuth verwaltet, erhielt er im Jahre 1856 den Ruf als Rabbiner nach unserer Stadt. Die Synagogengemeinde, welche damals LOO Familien zählte, hat sich bis heute um das Doppelte vermehrt. Wie sehr der Verewigte sich die Liebe der hiesigen Gemeinde zu erringen gewußt, mag noch aus dem Umstande entnommen werden, daß bereits Zeichnungen zu einem Capital gemacht worden sind, dessen Zinsen der Wittwe und den Kindern des Heimgegangenen eine sorgenfreie Existenz schaffen werden. Fürwahr ein seltenes Zeichen von Hochachtung und Liebe, das der israelitischen Gemeinde selbst nur zur Ehre gereichen kann. Aus Weftphalen. Wenn man erwägt, wie das Fürstenthum Lippe-Detmold, besonders in denjenigen Gebietstheilen, wo die Mehrzahl der Bevölkerung dem starren Pietismus huldigt, von jeher das Land des Feudalismus und der Intoleranz gegen Andersgläubige, besonders gegen unsere Glaubensgenossen, war; wenn man bedenkt, wie noch vor kaum 3 Decennien hier die Israeliten von jedem Wahlrechte ausgeschlossen waren, dieselben in mehreren Städten des Landes an keiner Hauptstraße wohnen und — mit Ausnahme des ältesten Sohnes im Hause, auf den der Schutz des Vaters übertragen wurde — kein selbstständiges Geschäft betreiben durften, so muß man sich innig freuen, wenn man die Beobachtung macht, wie sich auch hier allmählich wahre Bildung, Intelligenz und Toleranz immer mehr Bahn brechen, Vorurtheile schwinden und das Priucip der Gleichberechtigung immer mehr zum Durchbruche gelangt. Von dem Gesagten geben die in jüngster Zeit in verschiedenen Orten genannten Landes vorgekommeneu Ernennungen von Israeliten zu Ehrenämtern den sprechendst.« Beweis. So ist z. B. der jüd. Arzt Dr. Lenzberg in Salzufflen zum Kreisphysikus, mit dem Titel Sanitätsrath ernannt; so sind an verschiedenen Orten Israeliten Mitglieder der Commission zur Einschätzung der direkten Steuern u. dgl. Nicht so rosenfarbig, wie in bürgerlicher ' und politischer Hinsicht sieht es mit den religiösen Zuständen des Landes aus; hier ist eher ein Rückals Fortschreiten bemerkbar. Gebe Gott, daß wir recht bald im Stande seien, auch in dieser Beziehung nur Erfreuliches aus gedachtem Lande mittheilen zu können. Oestrich. M. Nosenwald, Lehrer. Jrrowraelaw, im Januar. Anlehnend an das Referat in voriger Nummer des „Israelit", die Feier der goldenen Hochzeit unseres Präses Herrn R. Schlesinger betreffend, bringe ich nachträglich die Erwiederung desselben, die ihres gediegenen Inhalts wegen veröffentlicht zu werden verdient. Nach Ueberreichung des Geschenks nahm der Jubilar das Wort und sprach: „Der heutige Tag, der in jetner festlichen Weihe und in seiner hohen Bedeutung für mich und meine Frau vor unsere Seele tritt, dieser Tag weckt in uns die Erinnerung an jenen Tag vor 50 Jahren, an dem wir durch das heilige Band der Ehe an einander geknüpft und für die Zeit unseres Lebens mit einander verbunden wurden; damals gelobten wir uns gegenseitig Treue und Liebe gegen einander als Ehegatten zu wahren und zu pflegen, und ich kann es sagen: wir haben treulich dies Gelöbniß gehalten. Die Harmonie eines friedlichen, treuen und innigen Familienlebens bildete den Rahmen unserer Verbindung, und eine beglückende Seelensrende durchzieht unfir Inneres bei dem Rückblick auf die hinter uns liegende Zeit, die Zeit eines halben Jahrhunderts. Wohl pochten die Wechselfälle des Lebens, die in so vielfacher Gestalt an uns vorüberzogen, bisweilen allzuhart an unsere Lebenspforte, so daß die in steter Erregung rollende Zeit, in welcher Throne schwankten, Szepter brachen, die Außenwelt in ihren Fugen erbebte, auch an uns, an unfern winzigen Verhältnissen nicht spurlos vorübergingen. Doch, wer kann sagen: tn yvn-i »man nxn — Ich habe in meinem Leben nur die Licht-, nie aber die Schattenseite des Lebens geschaut und empfunden! Licht und Schatten wechseln im Reiche der Natur und wie sollen sie nicht wechseln im Bereiche eines vergänglichen, irdischen Menschenlebens! — Gebeug.t von den Stürmen einer überfluthenden Gegenwart schauten wir oft sorgenvoll in die für uns verschleierte Zukunft, bangend und zagend, ob diese nicht noch mehr Unheil in ihrem Schoße berge. Jedoch nur gebeugt, nicht niedergeworfen; nur schwankend, nicht wankend gemacht, standen wir bald aufr-cht mit dem vertrauensvollen Blick nach oben gerichtet, bis wiederum ein Lichtstrahl unfern LebenSpsad erleuchtete und unserm Gemüthe eine heitere Färbung gab. So glitt unser Dasein da-

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