Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1875)
- Date
- 1875-01-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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«>-•> wenn er seine Zustimmung gibt, daß sein eigenes Kind sich solchergestalt dem Judenthum entfremdet, daß es sich einem Nichtjuden vermählen läßt. Welches Vertrauen genießt dann noch ein solcher Rabbiner? Und doch ist ein solches Vorkommniß noch nicht daS Schlimmste. Das Schlimmste ist vielmehr, daß die Gemeinden, denen ein solcher Rabbiner vorgesetzt ist, dazu schweigen, daß sie ihm nach wie vor ihre religiösen Angelegenheiten anvertrauen. Trauungen und etwa gar Ehescheidungen von ihm vollziehen lassen, daß sich erst nach Wochen Einer findet, der sich damit auf die schüchternste Weise an die Oeffentlichkeit wagt!! Wir haben vor einigen Wochen von den leider so zahlreichen Taufen berichtet, die in der jüngstvergangenen Zeit in den altpreußischen Provinzen stattgefunden. Wie es scheint, sollen die neupreußischen Provinzen in diesem traurigen Ruhme ihren alteren Schwestern nicht nachstehen. So hat sich in voriger Woche in Frankfurt a. M. ein reicher Banquier mit seiner Frau und acht Kindern taufen lassen! Und ist es denn zu verwundern? Was soll diese faktisch vom Judenthume längst losgelösten Menschen an das Judenthum noch fesseln? Sabbat, Feiertage, Speisegesetze, Ehegesetze sind längst vergessen; der Lehrinhalt des Judenthums ist ihnen völlig fremd. Was bindet diese Menschen noch an das Judenthum? Nichts. Der geringste Anlaß genügt, sie loszulösen. So sagt man, daß in jenem eclatanten Falle in Frankfurt a. M. die zu hohe Besteuerung von Seiten der israel. Gemeinde die Ursache des Glaubenswechsels gewesen sei! — Ob das wahr ist — wir wissen es nicht. Das aber wissen wir mit Bestimmtheet, daß nicht Ueberzeugung oder Liebe zum Christenthume die Veranlassung gewesen. O, Ihr Männer und Frauen in Israel, was soll daras werden? Die Gleichgiltigkeit gegen die Religion der Väter wird größer und größer! Rabbinen gehen in dieser Gleichgiltigkeit mit dem schrecklichsten Beispiele voran; die Gemeinden schweigen dazu. Die Väter und Mütter veranlassen es gar, daß ihre Kinder durch Sabbatentweihung, durch Genuß verbotener Speisen und noch andere Dinge dem Judenthume entfremdet werden — und im Hintergründe droht das Gespenst der völligen Verleugnung des Erbtheits der Väter. Das sind traurige, gar traurige Verhältnisse. Aber das Klagen und Trauern darüber hilft zu Nichts. Wir müssen, soweit es an uns ist, thatig eingreifen, und namentlich, ein Jeder in seinem Kreise, dafür Sorge tragen, daß die Liebe zu unserer heiligen Religion und die Kenntniß derselben immer mehr erstarken; dann wird der Allgütige sich seines Volkes wieder erbarmen und den Zeiten des Verfalls ein neues Aufblühen der alten jüdischen Treue folgen lassen. Aulle des Papstes ZUWty IV. (R-g. von 1241—1254.) (Im Archiv zu Köln befindlich.) Wir haben aus Deutschland die betrübende Kunde erhalten, daß man in Euren Städten und Diözesen bedacht ist, die Güter der Juden auf eine widerrechtliche Weise an sich zu ziehen, und zu solchem Zwecke bösliche Rathschläge ersinnt und bei mancher Gelegenheit aufsucht. Ohne zu erwägen, daß den Juden in gewißem Betrachte die Huth des christlichen Glaubens anvertraut war, daß sie das Gebot der heiligen Schrift haben: „Du sollst nicht tödten", und daß es ihnen gesetzlich untersagt ist, bei der Paschafeier Leichen oder dergleichen zu berühren, bürdet man ihnen auf, sie verzehren gemeinschaftlich das Herz eines gemordeten Kindes, indem man glaubt, also sei es in ihrem Gesetze vorgeschrieben, was sich doch geradezu entgegengesetzt verhält, und ihnen rechnet man es zur Schuld, wenn irgend eines Menschen Leiche gefunden wird. Unter dieser und dergleichen Erdichtungen bedrückt man sie in Dingen, worüber sie weder gehörig angeklagt, noch deren sie geständig oder überführt worden sind; und ungeachtet der ihnen vom apostolischen Stuhle gnädigst erlassenen Privilegien, ja gegen göttliches und menschliches Recht, werden sie aller ihrer Habe beraubt, so daß genannte Juden in einer drückender» Lage, als ihre Väter unter den Pharaonen in Aegypten sich befanden und sich gezwungen sahen, die seit undenklichen Zeiten von ihnen und ihren Vorfahren bewohnten Gegenden jammervoll zu verlassen. In dieser Bedrängniß haben sie ihre Zuflucht zu der Fürsorge des apostolischen Stuhles genommen. Wir aber verbieten hiermit jede ungerechte Kränkung besagter Juden, deren Bekehrung der Barmherzigkeit Gottes anheimgegeben ist, nach dem Zeugniß der Propheten, daß auch die Uebriggebliebenen gerettet werden sollen; empfehlen Euch, Unfern Brüdern, durch diesen Apostolischen Brief, daß Ihr um deswillen Euch denselben günstig und gewogen bezeigt, ihnen, sofern sie freventlich angegangen werden, zu ihrem Rechte verhelft, und daß Ihr überhaupt nicht zugebt, daß sie um den er-