Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1872)
- Date
- 1872-12-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1078 Gemeinde genau schildern, bis er endlich auch seine Unterstützung versprochen hatte. Und wirklich. Tags daraus kam ein Schreiben vorn Grafen an den Eultusvorstand, in welchem ihm mitgetheilt wurde, daß der Graf bcrets ein Haus gekauft hätte, welches am schönsten Platze im Orte liege, und dieses Haus mit dem Grunde schenke er, der Graf, der Gemeinde, um dort ihre neue Synagoge zu bauen. Gleichzeitig versprach auch der Graf, den Plan für die neue Synagoge durch seinen Baumeister anfertigen zu lassen und den Bau nach Kräften unterstützen zu wollen. (Pesch, jud. Ztg.) England. London. Der verstorbene David Moß hat den verschiedenen jüd- Wohlthätigkeitsanstalten in London und in Montreal (Cauada. Amerika) verschieden Beträge von ungefähr 5000 fl testamentarisch vermacht. (Icw. Ehr.) Feuilleton. Zur Geschichte des Vundcrpihes. In der jüngsten Sitzung der Nwderrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Bonn hielt Professor Binz einen Portrag über Monas prodigiosa, welchem wir nach der „K. Ztg " Folgendes entnehmen'. Ende Juli d. I. zeigten sich in der sehr warmen Speisekammer eines neueren Wohnhauses in Bonn auf einem zur weiteren Perwerthung dastehenden Kartoffelgerichte massenhafte röche Flecken, die das Aussehen hatten, als ob Blut mit einem Pinsel unregelmäßig aufgetupft sei. Vom bloßen Ansehen schienen diese Flecken trocken, beim Berühren mit dem Finger erwiesen sie sich weich und gaben einen intensiv rochen Saft. Die mikroscopische Untersuchung der Flecken constatirtc leicht, daß sie aus sehr kleinen, dicht aneinander liegenden runden Körnchen bestanden, deren ganzes Verhalten im Vergleiche mit den bereits vorhandenen botanischen Beschreibungen keinen Zweifel über die pflanzliche Natur übrig liest? Es war die sogenannte Wundermonade, die man heute meistens zu den Protococcaceen (Urkornalgen). speciell zu der Gattung Pahnella zählt. Sie wuchert. im Ganzen nicht sehr häufig, mit Vorliebe auf gekochten, feucht und warm stehenden Mehlsubstanzen und kann von ihnen auf anderen ähnlichen Nährboden leicht übertragen werden, wo dann sehr rasch eine starke Färbung der ganzen Oberfläche eintritt. Bringt man die rothen Massen an einen trockenen Ort, w verschwindet der gefärbte Pilz und cs tritt auf dem nämlichen Präparate gewöhnlicher Schimmel auf. Das Algen- oder Pilzlager, von dem der Vortragende ein in Glycerin conservirtes Exemplar demonstrirte, hat bisher, so viel bekannt, 311 schädlichen Einflüssen für die Gesundheit des Menschen nicht geführt. Der Genuß von Speisen, worauf es gewachsen ist, mag sich wohl in allen Fällen durch den bloßen Anblick von selbst verbieten. Dennoch hat das Erscheinen dieses oder verwandter rother Parasiten schon zahllose Menschenopfer gefordert. Erst im Fahre 1819 scheint er bei einer Gelegenheit, wo er zu öffentlicher Aufregung geführt hatte, in seinem Wesen erkannt worden zu sein In einem Dorfe bei Padua fanden sich auf einem Brei von Maismehl die betreffenden rothen Flecken. Man wart die verdorbene Speise weg, aber am folgenden Tage sah eine neue Maisspeise ebenso aus, desgleichen eine Reihe anderer Gerichte. Das fanatische Volk nahm an, daß nur in einem verbrecherischen Hause ein derartiges Zeichen der Strafe Gottes Vorkommen könne. Kirchliche Feierlichkeiten wurden zur Beschwörung des Ereignisses augestellt Erst als von dem officiell hingesandten Doctor Sette die vermeintlichen Blutflecken als ein Pilz erkannt und künstlich auf andere Speisen in der Wohnung des Geistlichen, der den Scandal begünstigt hatte, überpflanzt worden waren, beruhigte man sich. Der Vortragende gebt dann gemäß Notizen, welche der auch um diese mikroscopische Frage so hochverdiente Ehrenberg in den Monatsberichten der Berliner Akademie seit 1848 niedergele F hat, kurz auf die Justizmorde ein, welche in früheren Jahrhunderten an das Erscheinen rother Flecken ans geweihten Hostien och knüpften. Schon in der vorchristlichen Zeit hatten solche Flecken auf Mehlspeisen wegen vermeinter Vergiftung des Volkes zu Hinrichtungen geführt. In den historischen Zeiten, vom Jahre 1100 etwa an. kommen verschiedene Beobachtungen vor, die vom Dtutigwerden der geweihten Hostien erzählen. Mit d c m E n d e d »s 13. I a h rhundcrts beginnen zahlreiche Judenverbrennunzen an das einfach natürliche Ereig ni ß sich anzu sch ließen. Im Volke entstanden allerlei Erzählungen von iacrilegischen Schandthaten. Der erregte Sturm nahm seine Wendung gewöhnlich dorthin, wo er den Begriffen jener Zeit gemäß sich am liebsten und vielleicht auch am gewiunreichsten kehrte. Erzählungen und Geständnisse aller Art waren durch die Folter leicht zu erzwingen, und so sehen wir daun, wobt meistens als Folge des Erscheinens rother Schimmelpilze an heiliger Stätte, die regelmäßig wiederkehrende Angabe, Inden hätten sich in den Besitz geweihter Hostien gebracht, dieselben gepeitscht oder zerstochen, und da sei Blut herausgeflossen. Aus diese Anklage hin wurde 1290 ein Jude in Paris verbrannt; 1296 wurden Tausende von Juden aus dem nämlichen Grunde in der Gegend zwischen Frankfurt und Nürnberg erwürgt; mit Fahnen zogen die Fanatiker unter Führung eines