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Der Israelit · 1872-12-25 · Heft 52 (25.12.1872) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 52 (25.12.1872)
Date
1872-12-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XTIT, Jahrgang. Beilage z« Nr. 52 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e n l s ch l a n d. Laupheim (Württemberg). Die Behauptung „wie die Mutter, so die Tochter" findet in vielfacher Weise aut den Mutterort Laupheim und die Tochtergemeinde Ulm Anwendung. Beide, Mutter und Tochter, sind auf der gefährlichen Eisbahn der Reform sehr kecke Schleiferinnen, wohl ohne Furcht, nicht aber ohne Tadel, doch mit dem Unterschiede, daß die Frau Mutter bedächtiger voranrückt als die aufgeklärtere Tochter. In Laupheim haben die Anfiihrer der Reform schon hie und da den Anlauf genommen, Neuerungen wie Orgel und dreijährigen Cyclus einzuführen, konnten aber zur Raison gebracht werden, der Zähigkeit und dem Starrsinn der Orthodoxie einige Rechnung zu tragen. Nicht also in Ulm. Hier muß die Reform, die berüchtigte Stuttgarter Gottesdienst-Ordnung, unl jeden Preis Eingang erhalten, unbekümmert um die Protestation und Opposition des Herrn Sternberger und seiner Gesinnungsgenossen. Es ist eine traurige Erscheinung, daß in Ulm, dessen jüd. Gemeindemitglieder meistens, aus Gemeinden stamnren, in denen noch jüdischer Sinn und jüdisches Leben zu Hause ist, daß diese Fremdlinge so schnell den alten Glauben wegwerfen und dagegen dem Jndifferentismus, Nihilismus und Materialismus zurufen: yntn rfts* „das sind deine Götter, Israel." Ich war kürzlich aus Anlaß einer nna in Ulm; da mußte ich die unangenehme Bemerkung machen, daß hier nicht allein na» nnn rih'v ist, sondern daß Alles, was auf's geschäftliche Leben Einfluß übt, ebenfalls ddp nnn ist. Der Miftuatienmarft war ein wirklicher Wochen markt, denn an den vielen jüdischen Käufern und Käuferinnen nahm man keine Spür von rot? wahr; die Kaufläden waren fast alle geöffnet, von der Synagoge jedoch konnte man klagend ausrufen: iia rDB" ro’N, „ach! wie sitzt sie so einsam." Des Morgens gab es kaum ein doppeltes, zu nnJö ein einfaches und zu anyo, excl. der fremden Anwesenden, nicht einmal ein einfaches pe. So sieht's in der alten Synagoge aus, die doch von den Orthodoxen besucht wird. Wie wird's aber erst gehen in dem Tempel, von dem die Orthodoxen nichts wissen wollen? Da wird es heißen: rva dho (nDiann’a) n: r«, „das ist kein Sammelhaus von Betenden, sondern blos ein (leeres) Gotteshaus". Und wenn an den meisten Sabbaten und Festen der Herr in diesem seinem neuen Hause erscheint, wird Er fragen: bpk px*. tuc yno, „warum komme ich hieher, es ist ja Niemand da?" Wenn wir bisher Ulm nur tadelnd gedachten, so können wir nicht umhin, seiner als anhängige Tochter, als schwesterliche Nachbargemeinde Laupheim's rühmend zu erwähnen, denn es bezieht alle seine religiösen Lebensartike l, Lehrer, Vorsänger, Schächter, ]tn D'wvi: v'w bmn, Rabbiner und sogar den neuen Cantor zun: neuen Tempel blos von Laupheim. Nun erlauben wir uns noch der Gemeinde U. unser auf's Beste sortirtes Lager in Chorsängerinnen in empfehlende Erinnerung zu bringen, und sollte sie von dieser so empfehlenswerchen Waare Gebrauch zu machen geneigt sein, so darf sie sich der promptesten und reellsten Bedienung gewärtigt halten — denn wir möchten sie gar gern abgeben. Recklinghausen, 13. Dec. Die vorige Nummer dieses Blattes brachte die Mittheilung, daß das confessionelle Gymnasium in Lippstadt in ein paritätisches umgewandelt worden sei. Eine ähnliche Umwandlung hat auch mit dem hiesigen Gymnasium ftattgefunden. Der „K. Ztg." entnehmen wir hierüber folgenden Bericht : „Die Verhältnisse des hiesigen Gymnasiums haben in jüngster Zeit eine wesentliche Aendcrung erlitten, deren Mitthcilung auch für weitere Kreise von Interesse sein dürfte. Das hiesige Gymnasium ist bis jetzt ein katholisches und leistete der Staat einen jährlichen Zuschuß von circa 4000 Thlr. zu den Kosten. Es ist jetzt Seitens der Regierung die Alternative der Umwandlung des Gymnasiums in ein paritätisches oder des Fortfallens des Zuschusses gestellt worden. In der jüngst stattgehabten Sitzung des Stadtverordneten-Collegiums ist nun die beantragte Umwandlung des Gymnasiums mit 7 gegen 5 Stimmen beschlossen worden und dadurch uns eine Anstalt erhalten, die unsere Stadt nicht gern entbebren möchte und deren Fortbestand andernfalls mindestens sehr in Frage stand." O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Ruma. Nicht nur in Terebesch und in Tschuz, sondern auch in Ruma (Banat) wurde den Israeliten ein neues Bethaus von einem Grafen gespendet. Vor einigen Wochen begab sich nämlich eine Deputation der israel. Gemeinde in Ruma zum Gutsbesitzer , Graf Peitschewitsch, und bat denselben um seine einflußreiche Unterstützung znm Baue eines neuen isr. Bethauses. Der Graf empfing die Deputation auf's Freundlichste und ließ sich die Verhältnisse der israel.

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