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Der Israelit · 1872-12-11 · Heft 50 (11.12.1872) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 50 (11.12.1872)
Date
1872-12-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1038 Hieven die Qualität der Früchte, je nach dem Klima, in welchem sie gepflanzt werden, ist, so verschieden sind die Kinder in ihrem Charakter, je nach der Gesellschaft, in welche sie gerathen. Wenn die Kinder der Wilden unter civilisirten Leuten aufgezogen worden wären, wären sie höchst wahrscheinlich auch civilisirt. Wenn ein Kind belohnt oder bestraft wird, so benutze man die Gelegcnhei t, um den übrigen Kindern den Erfolg des Guten und die Folgen des Schlechten zu zeigen. Vollziehen die Eltern eine edle That, so mögen sie diese, wenn möglich, im Beisein ihrer Kinder thun, um sie an die Ausübung des Guten und der Gebote Gottes zu gewöhnen. Vor Allem ist es Pflicht der Eltern, wenn si; ihre Kinder religiös erziehen wollen, selbst nach den Worten Gottes zu leben, denn sonst ist es höchst selten, daß nicht die Kinder in religiöser und moralischer Beziehung ausarten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. H. Worms, 5. Dec. Unser seitheriger Landtagsabgeordneter, Herr M. Edinger, der wegen seines biedern Charakters und seines menschenfreundlichen Wirkens sich hier der allgemeinsten Achtung erfreut, wurde gestern mit einer glänzenden Majorität wiedergewählt. Einige seiner erbitterten politischen Gegner haben es leider nicht verschmäht, unter Anderm auch sein Glaubensbekenntniß als einen Makel zu bezeichnen, der ihn zum Abgeordneten untauglich mache. Das Ergebniß der Wahl zeigt jedoch, daß n"s die Macht des unduldsamen Glaubenshasses in unserer Stadt immer mehr schwindet. ony nwö ins Nineck in Unterfrankcn. Erst wenige Monate sind es, daß sich unsere Gemeinde in der traurigen Lage sah, an öffentlicher Stelle ihrem berechtigten Schmerze Ausdruck geben zu müssen, da ihnen ihr theurer, unvergeßlicher Lehrer, Samuel Oppenheimer, durch den Tod entrissen wurde. Noch ist die Wunde nicht vernarbt, da hat uns ein neuer schwerer Schlag getroffen: Samuel Strauß, ein intimer Freund des jüngst Verschiedenen, ist demselben vor wenigen Tagen nachgefolgt msj ui oniosi omna O’O’yjm Danton. Was je in größeren Kreisen bedeutende Männer Segensreiches wirken konnten, das waren in entsprechender Weise die beiden Dahingeschiedenen bemüht, für unsere mnp zu thun, jener durch die Heranbildung der Jugend zu innig religiösem Leoenswandel, wie durch eindringliche Belehrung, die er den Erwachsenen zu Theil werden ließ, dieser durch seine Aufopferung für religiöse Zwecke und durch große Wohlthätigkeit, welche sich übrigens sehr häufig über die Grenzen unserer Gemeinde hinaus erstreckte. Samuel Strauß hinterläßt eine edle, gottesfürchtigc Gattin, die an Wohlthätigkeit stets mit ihrem Manne wetteiferte, eine echte ri'v' ,m\ ,^n okw rrnijicn, aber keine Kinder; doch bewährt sich in diesem Falle so recht der Ausspruch unserer Weisen: -ipy '’3U3 '»»yo D’pna bv on»nnwi: die wahre Nachkommenschaft der Gerechten, das sind ihre guten Thaten. Wie häufig bieten die Kinder, namentlich in unseren Tagen, gottesfürchtigen Eltern die Veranlassung zu tiefem Kummer, wenn sie durch Entartung und Gottlosigkeit den hochbetagten Eltern ihr Lebensende verbittern — aber was der Mensch Edles gewirkt auf Erden, das geleitet ihn hinüber in jene Welt sie iiD& und sichert ihm ein bleibendes Andenken in den Herzen derer, die ihn kannten. Gebe Gott, daß das Andenken der beiden Dahingeschiedenen seine segensreiche Wirkung auf den religiösen Bestand unserer Gemeinde für die Zukunft nicht verfehle, daß namentlich die religiöse Erziehung der Kinder sowie das practifche Leben nach den Grundsätzen von^ionp.-i umw im Geiste der Verstorbenen fortgeführt werde für alle Zeiten. Berlin. Als der Dichter Heiunch Heine einst zu einem Jagdvergnügen eingeladen wurde, lehnte er diese Einladung mit den Worten ab: „Meine Voreltern haben stets zu den Gejagten, aber nie zu den Jägern gehört." — Ob dem Dichter wohl der Midrasch bekannt war, der sich dahin ausfpricht, daß Gott den Gejagten liebe und den Jäger hasse? Das aber scheinen unsere modernen Brüder vergeffen zu haben und zu vielem Anderm gesellt sich auch das chevalereske Vergnügen der Jagd. Ueber eine solche jüdische Jagd mit leider sehr traurigem Ausgange berichtet die „Vossische Zeitung": ^,,Am Sonntag hat in der Nähe von Alt-Landsbcrg ein Jagdunglück ftattgefunden, das in den betreffenden hiesigen Kreisen große Theilnahme erregt. Herr Julius Markwald, einer der Chefs des hiesigen großen Wollgeschäfts Israel Marcus Söhne, veranstaltete auf dem von ihm gepachteten Jagdreviere bei Alt-Landsberg eine große Jagd, an welcher u. A. auch der siebzehnjährige Sohn Max des genannten Herrn und der Jäger-Lieutenant O. Theil nahmen. Eine von dem Letzteren abgeschossene Kugel ricochettirte so unglücklich von einem Baume, daß sic deu jungen Markwald gerade vor die Stiru traf und bis in das Gehirn drang. Ungeachtet der Bemühungen der geschicktesten aus Requisition herbeigeeilten hiesigen Aerzte trat nach wenigen Stunden der Tod ein."

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