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Der Israelit · 1872-12-11 · Heft 50 (11.12.1872) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 50 (11.12.1872)
Date
1872-12-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XIII. 3 ahrgang. Beilage z« Nr. 50 des Israelit. Leitender Artikel. Religiöse Belehrung im güd. Familienkreise. Nach dem Französ. des B. Kosmann. XIV. Die Erzieh ung. .ovi ■£ ^y “ly^ l'Jn Frage: Mein Vater! Woher kommt es, daß unter Kindern eine so große Verschiedenheit herrscht? Ist das eine Folge der Erziehung? Antwort: Mein Sohn! Die Erziehung ist eine Ausgabe, deren Ausführung außerordentlich schwer ist, und wem es gelingt, seine Kinder gut zu erziehen, muß ein großes Verdienst haben; denn ungeheure Schwierigkeiten sind da aus dem Wege zu räumen, oft fehlt das dazu nöthige Vermögen, die Gesundheit, wieder einmal ist es die schlechte Gesellschaft und andere Hindernisse ohne Zahl, die dcui Erziehungswerke hindernd entgegentreteil, so daß es den Eltern schwer fallen würde, zu reüssiren ohne die Hilfe Gottes und edler verdienstvoller Menschen, die Zeit und Vermögen für das Wohl der Menschheit opfern. In erster Linie ist es Pflicht der Eltern, den Körper ihrer Kinder von ihrer frühesten Jugend an kräftig und gesund zu erhalten, dann werden sie später viel weniger Opfer zu bringen haben und leichter zu ihrem Ziele gelangen; denn eine einmal verdorbene Cache ist schwer wieder herzustellen. Wenn Eltern ihre Kinder aus dem Grunde in Pension geben, weil sie sich vor denselben Ruhe verschaffen wollen, so handeln sie oft gegen das Jntereffe ihrer Kinder und ziehen sich große Vorwürfe zu; außerdem kommt es häufig vor, daß Kinder, wenn sie zu frühzeitig das elterliche Haus verlassen, später wenig oder gar keine Liebe zu ihren Eltern zeigen. Man verzäMe die Kinder nicht, damit sie auch im Stande seien, etwaigen Stürmen des Lebens mit Kraft zu widerstehen. In den Psalmen spricht sich König David über die Erziehung in den Morten aus: D'i’DjD , „Unsere Kinder werden erzogen wie die jungen Bäume." Wie ein Baum nur zu biegen, wenn er noch jung, so muß man auch die Kinder in der Jugend erziehen; ein alter gekrümmter Darun ist sehr schwer oder fast gar nicht gerade zu richten und ein schon erwachsener Mensch ist schwer von seinen Fehlern abzubringen. Die Eltern muffen sich in Respect | zu setzen wissen und ihren Kindern eine gewisse Furcht k einzuflößen verstehen, so lange sie noch jung sind, damit j diese strict ihren Befehlen Nachkommen; denn die Kinder haben in diesem Alter noch kein Urtheil und dürfen nicht nach dem „Warum?" fragen. Dabei dürfen die Eltern aber niemals ermüden, wenn sie je einmal die Frückte ihrer Erziehung genießen wollen, gerade wie ein Landmann, der mit Ausdauer und Geduld sein Feld bestellen und cultivireu muß, wenn er eine reiche Ernte haben will. Bei schon etwas erwachsenen Kindern sollen sich die Eltern durch wohlwollende Worte Liebe und Achtung verschaffen, und haben sie (die Eltern) Anlaß zum Tadel , so möge dies m sanften Worten geschehen, damit die Kinder nicht dazu kommen, böse Antworten zu geben. Vor allen Dingen ist das gute Beispiel der Eltern nöthig, welches ein wichtiger Factor in der Erziehung ist; die guten Thaten find schönen, guten Worten vorzuziehen. Niemals dürfen Eltern diejenigen ihrer Kinder zurückstoßen, die ihren Erwartungen nicht entsprechen; denn die Kinder sind bezüglich der geistigen Fähigkeiten so verschieden von einander, wie die Blumen in ihrem Geruch; obgleich der Landmann sich bemüht, nur Getreide auf seinem Acker zu erhalten, wachsen doch Klatschrosen und Kornflocken in Menge auf demselben, und auch diese haben ihren Nutzen. Eine gute Erziehung hinterläßt stets gute Spuren „und stetes Tropfen höhlt den Stein". Bei der Wahl des Berufes möge man sich nach dem Geschmack und nach den Fähigkeiten des Kindes richten, wie auch Salomo schon sagt: ’B?y nun UDO ab rpp o ca -2~n, „Erziehe den Knaben nach seinem Wege, auch im Alter wird er nicht davon weichen". Absalom hat sich gegen feinen Vater empört, weil er in der Jugend nicht streng genug war erzogen worden. Wenn die Eltern zu gut für ihre Kinder sind, so werden sich die Freudenthränen sehr oft in Weinen verwandeln. Liebe soll mit Strenge gepaart sein; stoßet das Kind mit der Rechten zurück und ziehet es mit der Linken an. Fürchtet Euch aber nicht, die Kinder zu strafen, die Strafe schadet ihnen nicht; und nur die Strafe, die sie verdienen und nicht erhalten, bringt ihnen Nachtheil. - Denjenigen Eltern, die zu sanft gegen ihre Kinder sind, ergeht es wie Einem, der sich in den Finger gestochen und der, anstatt gleich den Finger auf einen Gegenstand zu schlagen, was augenblicklich Linderung herbeiführt, so lange wartet, bis er ein krankes Glied hat. Besonders haben die Eltern darauf bedacht zu sein daß ihre Kinder nur in gute Gesellschaft kommen. So verl

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