Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-12-11 · Heft 50 (11.12.1872) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 50 (11.12.1872)
Date
1872-12-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447600--11114-2466884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1035 „Ja," fuhr Jsak zu reden fort, „ich will mich verheirathen; ich fühle, daß ich einsam und allein in der Welt stehe und keinen wahren Freund habe. In meinen jungen Jahren habe ich mit der Armuth gekämpft, habe meine alten, armen Eltern ernährt und meine Schwestern ausgegeben. Später, als ich wohlhabend wurde, habe ich die großen Kosten und den Aufwand gescheut, die meine Verheirathung mir zweifellos verursacht hätten. Jetzt bin ich reich genug; ich könnte fürstlich Haus hallen und dennoch den zehnten Theil meines Einkommens nicht brauchen. So will ich niir's denn noch wohl sein lassen in meinen alten Tagen; ich will mir eine Frau nehincn, die mein Alter verpflegt und den Abend nleines Lebens verschönt." Ruhig hörten die Verwandten zu; aus jedem Worte, das der Onkel sprach, trat ihnen die Gewißheit entgegen, daß er damit umgehe, ihnen sein Vermögen zu entziehen. „Und hat der Herr Onkel schon gewählt?" fragte Gawriel Klopper. „„Ja,"" rief Jakob Meschede, „„wer ist die Glückliche, welche meiner Kinder Großtante werden soll?"" „Ich habe noch keine Wahl getroffen," antwortete Jsak. Da drängte sich Riwke herbei, ergriff des Oheims Hand und sagte zärtlich: „Wähle meine Rosamunde, geliebter Onkel! Sie wird Dir das Leben versüßen; sie wird Dich beglücken, wie nur je ein Mann von dem Weibe seiner Wahl ist beglückt worden." Rosamundc schlug, als sie die Worte der Mutter vernahm, verschämt die Augen nieder; allein sie widersprach nicht. „Rosamunde," fragte der Onkel, „willst Du meine Frau werden?" Die junge Dame hauchte ein leises: „Ja!" Der alte Jsak lachte unmäßig. „Schön," sagteer; „aber ich will nicht Dein Mann werden." Die andern Verwandten stimmten in des Onkels Gelächter ein, während Riwke sich beleidigt zurückzog, Rosamunde aber in Thränen ausbrach. Saline Bauernfink waren die guten Weine des Oheims ein wenig zu Kopfe gestiegen. „Nehmt meine Bella," stammelte er mit schwerer Zunge; „sie hat zwar kein Vermögen, aber sie hat einen reichen Onkel zu beerben!" Ein schallendes Gelächter folgte diesen.Worten, in das selbst Riwke und die weinende Rosamunde mit einstimmten. „Der Herr Onkel belieben zu scherzen," sagte Gawriel Klopper schmunzelnd. „„Nicht doch, mein lieber Gawriel,"" entgegnete Jsak, „„was ich gesagt habe, ist mein vollkommener Ernst."" „So nehmt mein Eddelche," sagte Gawriel eifrig, „wenn Ihr das Reizche nicht wollt." „„Ich nehme weder die Adelgertha noch die Rosamunde,"" antwortete der Onkel, „„ich fürchte, sie bedauern ebenso sehr wie ihr Vater, daß der Malach Hamoweß seine Pflicht noch nicht an mir erfüllt hat."" Als Gawriel seine eigenen Worte, die er in dem Cabinete gesprochen, von dem Onkel wiederholen hörte, wurde er leichenblaß. „Ja," sagte Jsak, „so habt Ihr gesagt, Gawriel; könnt Jhr's leugnen? Und Jakob hat den frommen Wunsch ausgesprochen, daß mich der Teufel bald holen möge; Ihr Alle habt geschimpft und räsonnirt auf mich, und meinen baldigen Tod herbeigewünscht, und Niemand hat widersprochen. Und Euch soll ich mein sauer erworbenes Geld hinterlassen?" „„Das durch schmutzigen Geiz und gemeine Habsucht erworben ist!"" rief Jakob. „Was geht 's Dich an?" schrie Jsak. „Das ist meine Sache; genug, das Geld ist mein, und Ihr sollt Euch Eure Finger nicht daran beschmutzen. Ich werde heirathcn ein Weib meiner Wahl, von dem ich weiß, daß es meinen Tod nicht ersehnt." „»Hoho,"" rief Jakob, „„ich möchte wissen, wer einen solchen alten , schmierigen, filzigen Kerl wie Ihr seid, Onkel, aus Liebe wird heirathen wollen!"" „Ich bin nicht so thöricht," sagte Jsak, „mir einzureden , daß sich ein Mädchen in mich verlieben wird. Ich werde aber ein Frauenzimmer nehmen, das Charakter hat, das mir nicht in's Gesicht' hinein schmeichelt und Achtung und Liebe heuchelt — hinter meinem Rücken aber nichts als Verwünschungen für mich hat und meinen Tod herbeisehnt. Und Ihr, Ihr Alle habt das gethan. In dem Cabinete, in welchem Ihr Euch jedes Jahr versammelt, ist hinter dem Ofen ein Schall- Loch; ein Sprachrohr führt die dort geführten Gespräche in mein Arbeitszimmer. Ich habe Alles gehört, Ihr Schmeichler und Heuchler, was Ihr gesprochen habt, da Ihr Euch uubelauscht glaubtet. Wie süß klangen mir dann Eure siefen-) Gratulationen! Gut, ich habe mich mit Euch abgefunden. Jede Partei bekömnit 2000 Thaler und 'Damit basta." „„Abgefunden!"" rief Gawriel. „„Statt einer halben Million zweitausend Thaler!"" „Eine halbe Million?" fragte Jsak hohnlachend, „sagt eine ganze! ich besitze mehr als drei Millionen Thaler." Drei Millionen Thaler! Das übertraf der Aermsten kühnste Erwartungen. Und das Alles hatten sie verloren! durch eigene Schuld verloren! *) falschen «BBHBB

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.