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Der Israelit · 1872-12-11 · Heft 50 (11.12.1872) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 50 (11.12.1872)
Date
1872-12-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1034 Afrika. Tunis, 12. Nov. Vor zehn Tagen ist ein junges Mädchen, Namens Eliau Gozlar., 12l/2 Jahre alt, vater - und mutterlos und unter der Aufficht und Vormundschaft seiner schon sehr alten Großmutter stehend, Plötzlich verschwunden, ohne daß man dessen Aufenthalt endecken konnte. Nach vielen Mühen ist cs Herrn L. Elmilik, dem Correspondenten des „Un. Jsr.", dem wir diese Nachricht entnehmen, gelungen, zu erfahren , daß Leute des Bey's dasselbe, nachdem es zum Mohamedanismus bekehrt worden, in das Serail dieses Fürsten geführt haben. Herr Elmilik forschte genau nach der Familie des Mädchens, und nachdem er erfahren, daß es aus Algerien stammt, ging er sofort zum französischen Generalconsul in Tunis, Herrn Grafen von B o t m i l i a u r, und bat ihn um dessen Intervention bei dem Bcy, daß das Mädchen wieder herausgegeben werde, was dieser auch mit der größten Bereitwilligkeit that. Und in der That ist es diesem im Verein mit dem tunesischen Premierminister gelungen, das Mädchen zu befteien. Herr Elmilik, mit Recht für das Leben der jungen Gozlan innerhalb der fanatischen Bevölkerung von Tunis besorgt, schickte das Mädchen, mit genügenden Mitteln versehen, nach Constantine (Algier), wohin er ihm an das Coinit« der „AllianceJsr." Empfehlungen nritgab, das gewiß für das Mädchen Sorge tragen wird. Herr Elmilik hat sich durch diese und andere gute Thaten viele Verdienste um das Judenthum erworben. Larache (Marocco). In einem Streite zwischen einem Juden und einem Spanier wurde der Letztere vom Ersteren auf den Leib geschlagen und starb dieser bald darauf. Jedoch ist es wahrscheinlich, daß der Tod nicht durch den Schlag, sondern in Folge einer andern Krankheit erfolgt ist. Sei es nun wie ihm wolle, der Urheber dieses Actes hatte sich durch die Flucht den Folgen seiner Handlung entzogen, allein sein Zustuchtsort wurde entdeckt. Er wurde von der Bevölkerung auf die schrecklichste Weise maltraitirt, und der spanische Consul in Larache verlangte von der Regierung die sofortige Hinrichtung des Gefangenen. Die Israeliten thaten, um dies zu verhindern, Schritte am Platze und in Pars; angesehene Glaubensgenossen haben in Madrid intervenirt, daß der Unglückliche wenigstens nicht eher, als er vor keinem Gerichte gestanden, hingerichtet werde. In Larache selbst hat diese unglückliche That den verborgenen Funken den confessionellen Hasses in helle Flammen auflodern lassen. (Arch. Jsr.) , Australien. Melbourne. Um eine strictere Beobachtung des Sabbats herbeizusühren, hat auf Veranlassung des Redacteurs des „ Australian Jsraelite", der in seinem Blatte sehr dafür plaidirt, am 11. August eine größere Versammlung von Glaubensgenossen unter dem Vorsitze des Herrn Benjamin, an der Herr Rabbiner A. F. Ornstein thätigen Antheil nahm, stattgefunden. Die Versammlung hat bereits gute Früchte getragen, denn in oben benanntem Blatte lesen wir Anzeigen, in denen die Annoncirenden ihren Kunden und Geschäftsfreunden die Mittheilung machen, daß von nun an ihre Geschäfte an Sonn- und Feiertagen geschlossen fein werden. (Jew. Chr.) Feuilleton. Das Testament. VH. Das Dessert, diesmal ganz vorzügliches Backwerk, war verzehrt. Nachdem das Tischgebet gesprochen war, brachten die Diener schwarzen Kaffee für Alle und gute Havannah-Cigarren für die Herren. Man war in der behaglichsten, inuntersten Stimmung. Da ergriff Jsak Meschede das Wort. „Meine theuren, geliebten Verwandten," sagte er, „Ihr habt mir heute Eure Glückwünsche zu meinem Geburtstage dargebracht, und ich habe Euch bewirthet, wie ich es seit vielen Jahren zu halten pflege; auch habe ich Euch meine Theilnabme und Fürsorge bewiesen, indem ich große Summen für Eure Kinder ausgesetzt habe. Ueberzeugt von dem großen Antheile, den Ihr. an meinem Geschicke nehmet, will ich Euch eine wichtige Eröffnung machen. Seht, welch großes Vertrauen ich in Euch setze: Ihr seid die Ersten, denen ich diese Mittheilung mache; so hört denn: Ich w i l l m i ch verheirathen." Sprachlos starrten die Neffen, Nichten , Großneffen und Großnichten den verwitterten Greis an, der ihnen eröffnete, daß er im hohen Alter das nachzubolen gedenke, was er in der Jugend und in den Jahren der Kraft versäumt hatte. Es war, wie wenn unter ahnungslose Menschen eine Bombe gefallen und dann zerplatzt wäre. Alles war vom Schrecken wie gelähmt.

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