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Der Israelit · 1872-12-11 · Heft 50 (11.12.1872) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 50 (11.12.1872)
Date
1872-12-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1031 immer vieles bringe, daß sein Leserkreis sich von Tag zu Tag erweitere und ganz Israel sich wieder schaare um die Fahne des einzigen Gottes und Seiner unverfälschten und unverkürzten Lehre! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Stuttgart, 30. Nov. Heute starb hier am Gehirnschlag im 62. Jahre seines Lebens Chajim Moses Heule, Kaufmann und israel. Oberkirchenvorsteher. Derselbe war außer dem Kirchenrath Dr. v. Maier das einzige talmudisch gebildete Mitglied der israel. Oberkirchenbehörde. Die übrigen Mitglieder dieses kirchlichen Landescollegiums sind theils Juristen, Banquiers, ohne eigentliche theologische Bildung, und der Präsident ist ein katholischer Christ. — Ncucstcns ist es wieder ganz still geworden mit der Reorganisation dieser schon anno 1828 kreirten Behörde. Die israel. Waisenanstalt Wilhelmspflege hat ihren Rechenschaftsbericht pr. Juni 1871/72 veröffentlicht , woraus erhellet, daß der opferwillige Sinn der treuen Freunde dieses Instituts sich auf's Neue fördernd bethätigt hat und die Jahresrechnung demzufolge wieder mit einem erheblichen Zuwachs des Vermögens geschlossen werden konnte. Diese Vermögenszunahme beträgt fl. 4428 fl. 9 kr. Die Zahl der Zöglinge beläuft sich derzeit auf 20, woneben immer noch 4 taubstumme Kinder in der Anstalt verpflegt werden. Berlin, im Marcheschwon. Wenn uns der Talmud den wohlthätigen Einfluß, den das Leben im heil. Lande auf die Bildung feiner Bewohner übt, nicht treffender bezeichnen kann, als durch die Worte dr? D’pno daß selbst die Atmosphäre des Landes den Sinn seiner Kinder veredle, so konnte man bis vor wenig Jahren von unserer ^tadt mit Fug und Recht behaupten, daß der Luftzug, der sie durchzieht, die idealen Gefühle eines gottesfürchtigen Herzens hinwegwehe. Zog ein Jüngling, religiösem Hause entstammend, von gesinnungstreuen Eltern im Geiste des Gesetzes herangebildet, nach Vollendung seiner Vorstudien in die Mauern unserer Stadt ein, so konnte man ihn nicht genug vor jenen hämischen Dämonen warnen, die legionenweise unfern Dunstkreis erfüllen, auf den Fremdling lauernd, den sie in ihr verderbliches Netz verstricken könnten. Während ihnen die Einheimischen tagtäglich zu Tausenden ohne Kampf zum Opfer fielen, wurden sie gerade durch die energische Widerstandskraft des Fremdlings herausgefordert, die stärksten ihrer Künste an ihm zu versuchen. Ueberall wußten sie sich Eingang zu verschaffen, jede beliebige Gestalt anzunehmen, ja die bereits Gefallenen zu Helfershelfern zu verwenden, um ihre elenden Zwecke zu erreichen. Auf der Universität sprachen sie aus deni Munde von Professoren über die Anthologie in der Bibel, in kaufmännischen und Handwerker-Vereinen in der Gestalt von Volksmännern von der Aufklärung der Affenmenschen, ließen talmudische Vorlesungen^ halten, zu welchen sie durch monatliche Stipendien Hörer herbeilockten, und am gefährlichsten wurden sie, wenn sie in Soireen und ästhetischen Thee's incognito unter der Firma des „ bon ton “ auftraten Welch ein kühnes Unterfangen, einer so mächtigen, einflußreichen, fest eingenisteten Rotte den Fehdehandschuh hinzuwerfen! Und doch ist es geschehen, und doch hat Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer, ein unerschrockener Streiter, dessen eiserne Energie und feurige Thatkraft ein Menschenalter hindurch im Süden sich bewährt, den Kampf gegen das Reich der Lüge unternommen, und seit drei Jahren bereits ist sein Eifer vom schönsten Erfolge gekrönt, freudigen Herzens eilen seit dieser Zeit wissensdurstige Jünglinge in unsere Stadt, um unter dem Schutze und der Leitung des verehrten Mannes ihre Studien zu betreiben, und an seinem leuchtenden Beispiele ihr Gottvertrauen und ihre religiöse Ueberzeugung zu stählen. Diese jungen Leute nun haben, um ihre geistige Ausbildung zu befördern, wie die materielle Existenz der Unbemittelteren zu erleichtern, sich zu cincin Vereine „Chebrat Bachurun" constituirt, der, in dem Bewußtsein des gemeinsamen edlen Zieles und dem Gefühle inniger Zusammengehörigkeit. gegründet, zur Bannung jener schädlichen Einflüsse, wenn auch nur mittelbar, so doch in herrlicher Weise beiträgt. Welch allgemeiner Anerkennung dieser Verein von Außen her sich erfreut, geht daraus hervor, daß die Beiträge, welche von allen Seiten zusammenströmen, ihn in den Stand setzen, zu genanntem Zwecke ein monatliches Budget von durchschnittlich 60—70 Thlrn. ansetzen zu können. Vor einigen Tagen wurde dem Verein von einer Seite eine aufmunternde Gabe zu Theil, die, weil sie der edle Geber so sinnig zu wählen verstand, es verdient, an öffentlicher Stelle gerühmt zu werden. Der bekannte Gelehrte, Herr vr. Berliner, übersandte nämlich dem Präses des Vereins eine Anzahl Exemplare seiner literarischen Werke, um sie unter den ordentlichen Mitgliedern zur Verloosung bringen zu lassen. Nachdem diese geschehen war, richtete der Präses an Herrn vr. Berliner einen Dankbrief, worin er den lebhaften Wunsch äußerte, daß es dem verehrten Förderer jüdischen Wissens vergönnt sein möge, auch fernerhin in gleicher Thatkraft zum Segen des Judenthums und der Wissenschaft zu wirken. Wohl sind jene feindlichen Gestalten noch nicht

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