Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1872)
- Date
- 1872-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1030 nen Feinde unseres Glaubens, wie verlachten sie Jeden, der noch an die Zukunft Israels und des Gottesgesetzes glaubte! Welche Feindschaft, welche Schnlähung, Verlästerung und Verdächtigung hatten die zu erdulden, welche es wagten, dem destructiven Treiben der Zerstörer des göttlichen Weinbergs entgegenzutreten! In den neologen Blättern wurde Jeder an den PranF-r gestellt, der für Gott und Seine Lehre kämpfte, und an eine Vertheidigung war gar nicht zu denken. Kein gutes und edles Streben fand Ermunterung, und selbst das gute Beispiel weckte, da es verborgen blieb, keine Nachahmung. Wie ist doch das Alles feit dem Erscheinen des „Israelit" anders geworden! Wie viel Schlechtes ist aus Furcht vor der öffentlichen Rüge unterblieben, wie viel Gutes hat Nachahmung und Nacheiferung in Folge der Veröffentlichung gesunden, und wie ist die allberühmte und bewährte jüdische Wohlthätigkeit durch den „Israelit" augeregt worden, und welch glänzende Erfolge hat sie erzielt! Es ist eine schwere, ernste Zeit, in der wir leben, eine Zeit, in welcher das Judenthum um seine Existenz kämpff, wie kann: je zuvor. Schlimme Zeiten hat unser Volk durchleot, schwere Kämpfe hat es durchkämpft, große Schwierigkeiten überwunden; in Gefahren hat es ausgehalten, durch die sein Untergang unvermeidlich schien. Doch die Gefahr war niemals größer als der Zersetzungsproceß, der vor einen: Jahrhundert begonnen und der in der Gegenwart so große Dimensionen angenommen hat. Unsere heilige Religion hat einen Feind erstehen sehen, der schlimimr wüthet als Antiochus oder Hanian es je vermochten. Bisher erklärten stets die Feinde Gottes, die Pharaonen, die Amalek, die Nebukadnezar, die Titus, die Torquemado rc. der: Juden den Krieg; die religionsfeindliche Richtung der Gegenwart aber kämpft gegen Gott selber. Sie will den Glauben an Gott den Menschei: rauben und sie verführen, Gottes heilige Gebote zu mißachten. Das ist ein Kampf, wie er gefahrdrohender noch nicht crfftirt hat. Dieser Zersetzungsproceß ist dem Judenthume gefahrdrohender dein: der Untergang des heiligen Tempels und der Verlust unserer nationalen Selbstständigkeit. Er trennt die Kinder von den Vätern und entfremdet die Brüder einander. Er läßt Sabbat, Festtage, Speisevorschriften vergessen und raubt der Familie die langbewahrte Reinheit und Heiligkeit. Und Gott, der Herr, läßt in seiner Langmuth die Menschen gewähren, schreitet nicht ein mit Strafgerichten, um den: Menschen die Frerhcit des Willens zu belassen. Dochwohldem, welcher freiwillig festhält an Ihm und Seiner Lehre; auf diesen: freiwilligen Festhalten beruht die Zukunft des Judenthums; wer es erwählt, wird zum Eckstein werden für die zukommende Zeit. Und wie das Judenthum seit vier Jahrtausenden alle Stürme der Zeiten überdauert hat, so wird es auch „unentwegt" durch die schwere Gegenwart hindurch der erhofften Vollendung in der Zukunft entgegen gehen. Aber es bedarf rüstiger, muthiger, aufopferungsfähiger Kämpfer, um allen feindlichen Elementen entgegenzutreten und den endlichen Sieg zu erlangen. Diesen edlen Kämpfern bietet „Der Israelit" einen Mittel- und Vereinigungspunkt. Unsere Zeitschrift wünscht, die Muthigen anzufeuern und zur Ausdauer zu ermuntern, die Zaghaften anzuspornen, den Furchtsamen Muth einzuflößen, den Wankenden einen Halt zu bieten und die Schwachen zu kräftigen; sie will ferner den Feinden mit aller Macht entgegcntreten, das Böse verhindern und das Gute ins Leben rufen helfen; sie will endlich die Unwissenden belehren und die Irregeleiteten auf den rechten Weg führen, auf den Weg der Gotteslehre, von der es heißt: rrnurn: dv: ojn \D“n non, „ihre Wege sind Wege der Lieblichkeit und alle ihre Pfade sind Frieden". Ja, Frieden! denn Friede ist nicht allein das Endziel unseres Kanipfes, sondern der Kampf selbst ist ja nichts als das Streben, den echten, rechten, wahrhaften Frieden, den D'oaa cnos*1? 'cos-i dop, den Frieden zwischen Israel und seinem himnllischen Vater zu erhalten. Möge der Allgütige uns das stets gelingen lassen! Die Weisen lehren, daß es drei Eigenschaften sind, deren Vereinigung den Stempel der Vollendung aufdrückt: 3->ym znon, ba§ Gute, das Nützliche und das Angenehme. Wir haben das Gute, dem unsere Zeitschrift in erster Linie gewidmet ist, im Vorstehenden erörtert; aber auch am Nützlichen fehlt es ihr nicht; denn abgesehen von dem hohen Nutzen, den die in den leitenden Artikeln enthaltene Belehrung und die in den Correspondenzen gebrachte Kunde von unser:: Glaubensgenossen in allen Ländern der Erde gewährt, sind es namentlich die Anzeigen, die bei der großen Verbreitung des „Israelit" schon vielen Lesern von ganz bedeutendem Nutzen gewesen sind. Vor den: Erscheinen unserer Zeitschrift glaubte man, cs gebe nur noch ganz wenige Geschäfte, in denen es möglich sei, den Sabbat zu beobachten, es gebe nur noch wenige gottesfürchtigc Lehrer, Hauslehrer, Gouvernanten :c., während jetzt der Annoncentheil des „Israelit" einen reichen Markt bietet für alle höheren und niederen Bedürfnisse des jüdischen Lebens. Und auch das Angenehme unser:: geehrten Lesern in reichen: Maaße zu bieten, ist unser eifrigstes Streben, unser emsiges Bemühen. Wir scheuen kein Opfer, gediegene Mitarbeiter und Correspondenten zu gewinnen und zu erhalten, und das „Feuilleton" erfreut sich ja ausgesprochenermaßen stets der freudigsten Zustimmung. So möge denn Gottes Vorsehung fürder über uns walten, damit „Der Israelit" stets mehr des Guten wirke, stets Nützliches schaffe und des Angenehmen v