Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-12-04 · Heft 49 (4.12.1872) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 49 (4.12.1872)
Date
1872-12-04
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447599--11104-2466873
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1026 heit, mit welcher der rumänische Pöbel die Juden verfolge, doch sei zu bedenken, daß die in Rumänien, wie früher in allen europäischen Staaten, blos geduldeten Juden jetzt aus dieser Gunst ein Recht auf politische Gleichberechrigung ab leiten wollen; daß dieselben eine Verwechslung der Huma»itatsidee mit der radicalen Theorie, welche auf die politische Gleichberechtigung zu einem Recht der Menschengeburt macht, speculiren. Nachdem uns Hr. v. Nathusius noch des weitern belehrt hat, daß es von den Israeliten um so ungerechtfertigter sei, sich auf das Princip der Humanität zu berufen, da ja dieses nur durch das Christenthum (!) in die Welt gekommen sei, gelobt er fortan die Kundgebungen der israelitischen Internationale im Auge behalten zu wollen, und schließt mit einem abgeschmackten Seitenhieb aus die gegenwärtig hier tagende sociale Conferenz (welche, wie der „St-Anz." meldet, in dieser Woche ihre Berathungen in mehreren Sitzungen fortgesetzt und den größten Theil der zur Verhandlung kommenden Gegenstände dlscutirt hat): „Die politische und noch mehr die wirthsckaftliche Entwickelung habe überall zu Ergebnissen geführt, zu welchen die Union Jsraeli'.e Universelle sich nur Glück wünschen könne, und zwar um so mehr, je weniger bei Erörterung der politischen oder der socialen Frage davon viel Aufhebens gemacht werde, welcher Gruppe von Interessen die sociale Entwicklung den überwiegendsten Vortheil gebracht." Jeßnitz, (Anhalt). Hier ist der Fabrikant Isidor Herz mit großer Majorität zum Landtagsabgeordneten gewählt worden; er ist der erste Jude im Anhalt'schen Landtage. Metz. Den Herren Morhange und Mayer Lazard, früherem Director der Rabbinerschule, ist die prov. Führung des Rabbinats übertragen worden. Die Gemeinde hat jüngst unter guten Bedingungen vom Militärsiscus ein an den jüdischen Friedhof grenzendes größeres Terrain zur Erweiterung des bisherigen Begräbnißplatzes erworben. Man ist hierüber sehr froh, denn ohne dies wäre man gezwungen gewesen, den Friedhof auf eine andere Seite der Stadt und in größere Entfernung zu verlegen. (Un. isr.) Oe st err.-Ungar. Monarchie. In Kafchau wurde vor einiger Zeit ein jüdisches Blatt „Die Wacht Israels" gegründet; dasselbe sollte die goldene Mitte wahren und schimpfte gleichmäßig auf Orthodoxe und Reformer. Das wollte aber nicht ziehen; das Blättchen fand keine Abnehmer; da versprach es, fortan nur und lediglich auf die Orthodoxen zu schimpfen, und Jeden zu loben, der abfallen würde von Gott und Seiner Thora — was man ja heutzutage leider Fortschritt nennt- Darob war denn großer Jubel, und die Existenz des Blattes schien gesichert; aber es schien auch nur so. Nach 24 Nummern ist die Wacht im Magiarlande eingeschlafen, um nimmer wieder zu erwachen. Eine große Anzahl Sprachschnitzer gehen durch dieses beklagenswerthe (?) Ereigniß der Literatur verloren. Rumänien. Bukarest, 26. November. Bekanntlich trägt das judenfeindliche Blatt „Trompetta Carpatzilor" viel Schuld an den Judenverfolgungen in Rumänien. Es ist das genannte Blatt stets und immer judenfresserisch im höchsten Grade und versucht in jeder Nummer, den Pöbel geger die Juden auszuhetzen. Der Redakteur dieses Schandblattes heißt Caesar Bolliac oder richtiger, wie die hier erscheinende „Patria" mittheil'', Jtzig Pollak und ist ein getaufter Jude; sein Vater hieß Avram Pollak und lebte und starb in Smyrna; sein Bruder Moses Pollak wohnt in Silistria und handelt mt alten Kleidern. Möge diese Enthüllung den Rumänen in Bezug auf das Treiben des elenden Renegaten die Augen öffnen. Frankreich. Paris. Wie der Pariser „Figaro" berichtet, haben die Söhne des verstorbenen Barons James von Rothschild die Revenuen einer Summe von einer Million zu einer Stiftung gespendet, welche den bedürftigen Familien von Paris ohne Unterschied der Konfession zur Bezahlung der Miethe zu Gute kommen soll. Die Bertheilung der Revenuen dieser nach dem letzten Willen des Verstorbenen gegründeten Stiftung geschieht in den zwanzig Arrondissements. Persien. Bagdad. Aus einem Schreiben des Lokal- Comite der „All. isr." in Bagdad an die Anglo- Jcwish-Affociation in London, welches im „Jew. Ehr." veröffentlicht ist, ersehen wir, daß zwar die Hungersnolh in Persien vorüber, aber die Lage unserer Glaubensgenossen in diesem Lande eine sehr schlechte ist. Das Com'ts schlägt vor, einen unparteiischen, intelligenten und angesehenen Mann aus Europa dorthin zu senden, der nach genauer Prüfung der Situation geeignete Vorschläge zur Besserstellung der persischen Inden bei der All. isr. mache. „Jew. Ehr." glaubt, es wäre am Besten, wenn man bei einer der Großmächte durchsetzen könnte,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.