Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1872)
- Date
- 1872-12-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XIII.Jahrgang. Zweite Beilage zu Rr. 49 des Israelit. Leitender Artikel. Religiöse DctchrMg im jnb. Familienkreise. Nach dem Französ. des B. Kosmann. XIII. Der Zorn. bl bl ISN H3U3 yL'^. Frage: Mein Vater! In den Psalmen wird der Zornige ein Sünder genannt; kann ein Mensch, der von Natur aus lebhaft ist, nicht tugendhaft sein? Antwort: Mein Sohn! Ich habe dir schon bei anderer Gelegenheit zu verstehen gegeben, daß der Mensch oft von Gott auf die Probe gestellt wird, um zu sehen, ob dessen Frömmigkeit eine wahre und aufrichtige ist. Jeder Mensch hat irgend eine schwache Seite, die er zu überwinden suchen muß, um auf diese Weise zu beweisen, daß er vollständiges Vertrauen und starken Glauben an Gott hat. Sowie der Bedürftige feine kritische Lage mit Ergebung tragen muß, so soll auch der „lebhafte" Mensch bestrebt sein, diese Lebhaftigkeit, insofern sie zum Bösen Veranlassung gibt, zu besiegen. Ein Mensch, der leicht in Zorn geräth, muß jede Gelegenheit fliehen, die ihn dazu führen könnte, erregt und zornig zu werden. Wenn ein solcher Mensch diesen Weg einschlägt und er nach und nach seine Natur an Ruhe und Ergebung gewöhnt, so wird er in den Augen Gottes ein größeres Verdienst haben, als ein von Statur aus friedfertiger, ruhiger Mensch je zu erlangen im Stande sein wird; und diese Unterdrückung seiner Natur wird ihm selbst diet Achtung seiner Feinde verschaffen, die später noch seine Freunde werden. Der Zornige wird nach Koheleth Cap. 7, V. 9 ein Thörichter genannt: Dya »a Diya*? -jma Pnan Px nu D’P’DD pvia, „Sei nicht rasch, mit deinem Gemüth zu zürnen, denn Zorn ruhet im Busen der Narren." Nach Psalm 10 V. 4 ist der Zornige ein Sünder, vmonc da '’pipx px uni’ va 'vx na*» ysn Der Frevler in seines Zornes Hochmuth: Er fragt nach Nichts, — es ist kein Gott sind alle seine Gedanken." Der Zornige verachtet selbst den Rath und die Ansichten derer, die ihm am nächsten stehen, er wird der Feind der ganzen Welt, sein eigenes Leben setzt er in Gefahr; es kann kann sichereignen, daß er sogar Gott selbst lästert, daher sagen unsere Weisen oyon bi j"y -Q-y i?*o, „der Zornige wird als Götzendiener betrachtet." Die Folgen seiner im aufgeregten Zustande vollzogenen Thaten sind unberechenbar. Der Zorn ist ein großer Fehler, weil der Zornige nur schwer dahin gelangt, die von ihmbegangeneSünde zu bereuen; denn die Neue ist nur dann von Werch, wenn der Bereuende seinen Fehler stets da, wo er Gelegenheit hat, ihn zu begehen, unterläßt. Wer rvar größer als Moses, welcher, wie der Talmud erzählt, im Zorne drei Mal das Gesetz vergaß. Es ist erlaubt, Zorn zu zeigen zur Ehre Gottes, um ein Kind zurecht zu weisen und um sich Achtung im Hause zu verschaffen; aber dieser Zorn darf nie ein ernster sein. Der Mensch soll vielmehr heiter, zufrieden und bescheiden sein und Beleidigung verzeihen wissen. Derjenige, der eine solche Natur hat, wird nicht sobald in Zorn gerathen. Die Beschäftigung in der heiligen Lehre, welche die Eigenschaft hat, alle moralischen Krankheiten zu heilen rr.'na p^y Paa tm, ist ein sicheres Schutzmittel gegen den Zorn. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deut s ch l a n d. Berlin, 24. Nov. In den Kundgebungen des Herrn v. Nathusius-Ludom hatte man, seit dieser in seinen literarischen Leistungen etwas ungelenke Ritter die „Krz.-Zrg." leitet, bisher eines vermißt den Judenhaß des früheren Chefs vr. Beuthner. Es ist schwer zu sagen, welche Rücksichten es waren, die Hrn. v. Nathusius bisher veranlaßt halten, das den echten Eonservativen so augenehme Thema der Jubenausrottung nicht zu behandeln; daß er aber gerade jetzt seinen Grimm über die „dritte Internationale" die Zügel schießen läßft ist vielleicht in der Befürchtung begründet, daß das Herrenhaus durch Orientalen entweiht werden könnte. Eine dritie Internationale, neben der schwarzen und rothen, sagt die „Krz.-Ztg.", sei vor kurzem zu Brüssel in Emdenz getreten: die „Union israälite Universelle", welche, obwohl sie eine von unermeßlichen Geldmitteln (?) unterstützte Solidarität d s Sonderinteresses geschaffen habe, doch bisher selbst seitens der Nätionalpolitik unbeachtet geblieben sei. Allerdings empöre sich die Humanität geg n die Roh-