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Der Israelit · 1872-12-04 · Heft 49 (4.12.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 49 (4.12.1872)
Date
1872-12-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1016 Alcidor Klopper erhob sein Glas und ries: „Es lebe unser guter Onkel, der uns diesmal so vorzüglich bewirthet!" Ein wüthender Blick des Onkels traf den vorlauten Sprecher. „ Diesmal!" rief der Alte mit Donnerstimme. „Meine Gastmähler sind immer vorzüglich, und nur Undankbare können das verkennen!" Alles blickte verlegen vor sich nieder; Alcidor hätte gern sein Wort wieder zurückgenommen; er wagte aber nicht zu sprechen. Eine peinliche Stille herrschte. Unterdeß wurde das Suppenfleisch angerichtet und unihergereicht; auch dieses war vorzüglich, und die Gäste sprachen wacker 51t. Dabei wurden die Gläser auf's Neue gefüllt und bald geleert. Der Wein war ausgezeichnet, schmeckte sehr angenehm und war doch nicht zu schwer. Nur Alcidor mochte nicht essen und trinken; so schwer verspürte er des Onkels Unwillen, der ihn leicht hunderttausend Thaler kosten konnte. Da nahm unerwarteter Weise der Onkel voll Güte das Wort. „Alcidor." sagte er, „iß und trink'! Ich bin reicht böse auf Dich trotz Deiner unbedachten Rede. Und um Dir das zu beweisen, will ich die Kosten Deines freiwilligen Militärdienstes tragen. — Ich werde Dir morgen zu diesem Zwecke fünfhundert Thaler übersenden, Gawricl." Ueberraschung auf Ueberraschung! Den Gästen entsanken Messer und Gabel. Stunun sahen sie sich einander an. Alcidor aber stand auf und küßte dankbar dem Onkel die Hand. „Laß gut sein, Lieber," sagte dieser freundlich. „Deinem Bruder Isidor werde ich zur Vollendung seiner Studien eine gleiche Summe zukommen lassen." Jetzt erhob sich der Student, um in schwungvoller Rede zu danken; der Alte aber winkte ihm mit der Hand. „Schweig," sagte er, „ich habe ja heute schon einmal eine Rede von Dir gehört. Laßt uns lieber essen und trinkeil und lustig sein!" Und das geschah denn in reichem Maße. Köstliche Büddings mit Weinsalice wurden scrvirt, und mit vielenl Behagen verzehrt; es war kein Zweifel, der Onkel hatte keinen Groll inehr gegen seine Verwandten, nichts als Liebe und Wohlthaten. „Gawriel," sagte er, als eine überaus lecker aussehende, gebratene Gans aufgetragcn wurde, „wenn Du Deine Töchter verheirathen willst, so kannst Du für jede von ihnen fünfhundert Thaler in Empfang nehmen." . „„Geliebter Onkel!"" rief Riwke, das Taschentuch vor die Allgen führend, „„Deine Güte überwältigt mich! Du lässest heute den Born Deiner Wohlthaten für uns gleich einem artesischen Brunnen sprudeln!"" „In welchem Romaile hast Du diese schönen Phrasen gelesen 1" fragte Jsak lächelnd. Die köstlichsten Speisen folgten eine der andern; wenn die Flaschen geleert waren, so stellten die Aufwärter ohne ei* Wort zu sagen, andere, volle auf den Tisch ulld schenkten unaufhörlich ein. Die StiuliNllNg wurde eine stets gehobenere. „Mein lieber Neffe Jakob," sagte Jsak, „auch Du sollst nicht zu kur; kom..ien. Soviel wie meine Nichte Riwke sollst auch Du haben; ich werdeDir zweitausend Thaler überweisen, die Du wegstetlen und zunl' Besten Deiner Söhne verwenden kannst." „„Wie gut Sie siild, lieber Onkel,"" rief Perl. „„Tausend, tausend Dank!"" „O, nichts zll dankeil," entgegnete Jsak. „Ich gebe das Geld lieber gleich, damit mein lieber Neffe Jakob nicht darauf zu warten braucht, bis mich der Teufel holt." „„Was war das?"" fragte sich Jakob leise. „„Ich glaube, wir sind noch ilicht fertig mit dein Alten; es steckt hinter dem Allem noch Etwas."" Laut sagte er: „Trallst Du mir solch eine üble Gesinnung zu, Onkel?" Der Alte schien die Frage zu überhören. „Gellechen," sagteer, „Du glaubst gewiß, daß Du allein leer ausgeheil sollst! Allein ich werde auch für Dich, das heißt, für Deine Tochter Blla, zweitausend Thaler hergeben. Weil aber Dein lieber Salme ein so ausgezeichneter Geschäftsmann ist, so soll er das Geld nicht in die Hände bekommen; ich werde es vielmehr für Deine Bella auf der Sparkasse anlegen. Bis zu ihrer Verheirathung kannst Du dann die Zinsen erheben." Gellechen fing vor lauter Glück und Freude an zu weinen; Salme aber war nicht befriedigt; erschaute den Onkel trotzig an und fragte ihn, was er denn gegen seine Geschäftsführung einzuwenden habe? Weit und breit gäbe es Keinen, der sich auf alte Stiefel und zerbrochenes Zinngeschirr besser verstände denn er; wenn er zweitausend Thaler in Händen hätte, würde er den Hausirhandel ev §ro8 betreiben und bald ein reicher Mann sein. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. BeranttvortllÄe Redactton: vr. Lehmann. - Verlag der Le Roux'scben Hofbuchhandlung. I. Gottsleden's Vuchunv Stemdruckerei tn Mainz.

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