Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1872)
- Date
- 1872-12-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1014 Israel. Anstalten und Vereinen zugedacht sind, vermachte der Erblasser dem Spitale der barmherzigen Brüder hier 1000 fl., dem Rettungssonde für verlassene Knaben in St. Veit 200 fl., zur Begründung von 3 Stipendien für je einen mittellosen Candidaten des medicinischen,! juridischen und philosophischen Doctorats 3OO0fl., eines j Neiiestipendiums für Maler 1000 fl. _ | Das Curatorium der bisher genannten Stiftungen, bei deren Vertheilung auf die jeweilige Consession des Petenten keine Rücksicht genommen werden soll, ist dem Bürgermeister der Stadt Wien übertragen.. Speciell für die Förderung der Interessen jüdischer Wissenschaft und deren Literatur legirte Herr Goldberger drei Stipendien im Betrage von 21,000 fl. Stolz können wir auf den letzten Willen dieses Mannes aus unserer Mitte Hinweisen. Es bewährt sich bei jeder Gelegenheit der Wohlthätigkeitssinn unseres Volkes. (Wahrh.) Prag. Man schreibt der „Dtsch- Ztg." aus Micholup bei Saaz unterm 18. Nov.: „Eine für unseren Ort seltene Feier fand gestern statt. Der bei dem jüdischen Schuhmachermeister Löbl seit 43 Jahren ununterbrochen bedienstete Schustergeselle Veitl v. Lattenberg wurde mit dem silbernen Verdienstorden decorirt. Die Feierlichkeit fand in der Dorikirche statt. Der Saazer Bezirkshauptmann, Herr Spulats, heftete dem genannten Arbeiter den Orden an die Brust und hielt eine Ansprache an den Decorirten, in der er hervorhob, daß ihm dieser Orden vom Kaiser in Anbetracht der Ausdauer, des Fleißes und der Redlichkeit verliehen wurde, was Zeugnitz gebe, wie sehr der Kaiser auch bei den Arbeitern gerne bas Verdienst würdige und auszeichne. Nach einem Hoch auf den Kaiser wurde die Volkshymne gespielt. Der hiesige Ortsvorsteher las ein an ihn gerichtetes Schreiben des Handelministers vr. Banhans vor, welcher den Wunsch ausdrückte, dem Decorirten in seinen alten Tagen auch die Nahrungssorgen zu erleichtern. Deshalb habe er eine Sammlung veranstaltet, und waren diesem Schreiben als vorläufiges Ergebnitz 50 fl. beigeschlossen. Auch der Ortspfarrer nahm Anlatz 311 einer Ansprache, in der er daraus hinwics, welch schönes Verhältniß zwischen dem Decorirten als Christen und dem Meister als Juden bestanden, die stets in größter Harnwnic lebten, ohne daß der erstere es versäumte, fleißig die Kirche zu besuchen. „Möchten doch alle Menschen," fügte der Pfarrer hinzu, „sich hier ein Beispiel nehmen und der Religion wegen nicht länger in Hader leben und sich entzweien." Rumänien. Bukarest, 15. Nov. Der neuernannte Justizminister M. K. Epureanu hat schon in früheren Jahren den Minfftersessel eingenommen und somit kommt genanntes Portefeuille nicht in die Hand eines Neulings. Seine Vergangenheit steht in jeder Beziehung makellos da; ein offener, ehrlicher Charakter, die personificirte Pünktlichkeit, ein eminenter Rechtsgelehrter und ein mit minutiöser Genauigkeit rechnender Kaufmann; da haben Sie in wenigen Strichen das wohlgelungene Contrefei unseres neuen Justizministers. Sein mannhaftes Auftreten , seine warme Fürsprache für die Parias — die Juden — hat ihm viele Feinde gemacht und ihni den Spottnanren Lxurojidovese (jüdischer Hase) eingebracht. Man verspricht sich von Herrn Epureanu viele Reformen auf dem Gebiete der bei uns im höchsten Grade verwahrlosten Justiz; er besitzt so recht die geschickte Hand, welche die wunden Stellen unserer Justiz- Pflege radikal und nachhaltig ausschneiden kann. Sein erstes Auftreten zeugt davon, daß er es ernst mit seinem Berufe meint und so läßt sich heute schon, aus einer an den Präsidenten des Cassationshoses gerichteten Note, annähernd beurtheilen, welchen Pfad er betreten wird. Dieses Schriftstück, ein Muster stylistischer Eleganz, bespricht die Justizzustände Rumäniens so fein und zart, wie es eben von einer so sachkundigen Feder nicht anders zu erwarten war. P a l ä st i n a. Jerusalem. Der frühere Chacham Baschi von Konstantinopel, Herr Giron, der bei der türkischen Regierung im hohen Ansehen steht und welcher auch vom Sultan einen Orden erhalten chatte, hat im verflossenen Spätsommer seinen schon längst gefaßten Plan, wenn er das 60. Lebensjahr erreicht, nach Jerusalem überzusiedeln und dort den Rest seines Lebens zu verbringen, ausgesührt. Als seine Ankunft in Jerusalem bekannt wurde, schickten die Consuln ihre Secretäre ihm entgegen , die Behörden der Stadt wollten ihm aus Befehl der Regierung einen glänzenden Empfang bereiten, er aber verbat es sich; doch kaum war er in Begleitung der Rabbiner Jerusalems, die ihm entgegeng'gangen, daselbst angekommen, als ihm die obersten Behörden der Stadt und Regierung einen Besuch abstatteteu. Man erwartet, daß cs dem bei der Regierung beliebten Chacham Baschi gelingen werde, Vieles bei der Regierung in Konstantinopel zu Gunsten seiner Glaubensgenossen in Jerusalem durchzusetzen. (Libanon.) A m e r i k a. New-Aork. Gewählt wurden bei den jüngsten Wahlen in New-Z)ork die Herren: Joseph Blumenthal als Mitglied der Versammlung des 15. Districts, Joseph A. Monheimer unb Jsaacs Sommers als Aldermann und Assistenz - Aldermann der Stadt New - Aork. (Jew. Mess.)